Das Multi-Shop-Konzept

Das Multi-Shop-Konzept

Niceshops ist ein steirischer Online-Händler, der 30 Webshops in verschiedenen Produktsegmenten betreibt. Nun muss er seine Zentrale erweitern und sucht Mitarbeiter

Im steirischen Paldau, ein Ort mit 3.283 Einwohnern, befindet sich ein Online-Händler, für den es allmählich eng wird. Hier liegen 985.000 Artikel auf Lager, täglich werden 5.700 Pakete von hier aus versendet und 1,375 Millionen Kunden hat dieser Webshop. Die Rede ist von der Niceshops GmbH. Beiname: das steirische Amazon.

Trotz der durchaus beachtlichen Zahlen hinkt der Vergleich. Niceshops setzte im Vorjahr 27 Millionen Euro um und beschäftigt 179 Mitarbeiter. Amazon kommt auf einen Umsatz von 178 Milliarden Dollar und beschäftigt 586.000 Mitarbeiter. Wenn man so will, dann ist Niceshops 6.593 Mal kleiner als Amazon. Und dennoch fischen beide im gleichen Teich nach Online-Kunden.

Dass diese Relationen nicht in Stein gemeißelt sind, hat Niceshops in den vergangenen Jahren gezeigt. Die Umsatzzahlen stiegen jährlich zwischen 40 bis 70 Prozent. Das überdurchschnittliche Wachstum hat nun auch an den letzten Platzkapazitäten genagt, daher wird neben dem Headquarters eine neue Lager- und Produktionshalle mit 11.000 Quadratmetern Fläche gebaut. Der neue Raum bietet auch Platz für neue Jobs. Deshalb will Niceshops die Zahl der Mitarbeiter innerhalb der nächsten zwei Jahre auf über 300 steigern.

Interessant ist aber weniger die Größe des E-Commerce-Unternehmens, als das, was es macht. Niceshops ist kein herkömmlicher Online-Shop in dem alles, was das Gesamtsortiment hergibt, in einem Shop zu finden ist. Für jedes Produktsegment wurde ein eigener Shop eingerichtet und davon gibt es 30 Stück – ein Multi-Shop-Konzept also. Dort können unter anderem Lederhosen, Pools und Poolzubehör, Pferdenahrung, Kosmetikartikel oder Elektroräder bestellt werden. Für die steirische Fahrradfirma Geero übernimmt Niceshops nicht nur die Auslieferung, sondern auch gleich die Montage der Elektroräder.

Niceshops ist also die Dachmarke, die alle Produkt-Shops managt: Und dafür ist Firmengründer und Geschäftsführer Roland Fink zuständig, der 2006 in Bad Gleichenberg mit einem Mini-Onlineshop anfing und im Keller seine ersten Pakete verpackte und dann auslieferte. Mit dem Unternehmenswachstum, das ab 2011 rasant einsetzte, kamen noch zwei weitere Geschäftsführer hinzu: Barbara Unterkofler und Christoph Schreiner. Dass der eingeschlagene Kurs noch nicht so rasch zu Ende ist, davon geht Fink aus: „Kisten und anderes zu schleppen ist kein Einkaufserlebnis. Zudem werden viele Sortimente aus dem stationären Handel zu uns wechseln. Hier ist also noch viel Raum für Innovationen in vielen unterschiedlichen Bereichen.“

Die wichtigsten Absatzmärkte der Shops sind neben Österreich (16 Prozent des Umsatzes) vor allem Italien (29 Prozent), Deutschland (24 Prozent), Schweiz (10 Prozent) und Frankreich (6 Prozent). Aber geliefert wird in die meisten europäischen Länder und das mit einer 24-Stunden-Zustellung. Tempo zählt zum Firmen-Credo: Wer vor 13 Uhr seine Bestellung aufgibt, der erhält sie am nächsten Tag. Das Konzept von Niceshops hat sich rasch herumgesprochen und wurde auch mit zwei Preisen gewürdigt: Unternehmen des Monats sowie 4StartUps-Award. Beide Preise werden von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) vergeben. Einen anderen Preis hat der steirische Händler auch: 250 Euro. Das ist die Mindestsumme für das Investment an Niceshops. Die Firma hat am 16. Mai dieses Jahres eine Crowdfundingaktion über die steirische Plattform Lion Rocket (lionrocket.com) gestartet, die noch bis 18. Juli läuft. Aktuell (Stand: 12. Juli) sind 720.250 Euro zusammengekommen. Die Verzinsung liegt bei 5 Prozent und die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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