Das Ende der Schreckschraube

Das Ende der Schreckschraube

Schraubenhersteller Gerhard Hubmann hat drei Jahre gebraucht, um eine ideale Schraube herzustellen. Seit 2016 ist er damit auf dem Markt. Nun erhielt er einen Großauftrag aus den USA.

Eigentlich war der berufliche Werdegang von Gerhard Oliver Hubmann vorhersehbar. Sein Vater arbeitete in einer Schraubenfabrik in Österreich. Die sperrte zu und daher baute der Vater umgehend ein Importunternehmen für Schrauben auf. „Seitdem ich ein Kind bin, dreht sich bei mir alles nur um Schrauben“, sagt Hubmann. So war klar, dass auch Hubmann nach der Matura und nach dem Wirtschaftsstudium ins Schrauben-Business einsteigt – beim Vater. Das hielt aber nur ein halbes Jahr. Die Ansichten waren zu unterschiedlich. Auf Anraten seiner Schwester besuchte er dann eine Karrieremesse, wo er drei Angebote erhielt: das vom Konzernriesen Philip Morris nahm er an. Drei Jahre war er dort in der IT, zuerst in München, dann in Lausanne.

Eigentlich wollte Hubmann in die US-Konzernzentrale wechseln. Ein Mentor riet ihm aber davon ab. Und so kehrte Hubmann 2002 nach Österreich zurück. Er übernahm den Schraubenimport vom Vater, baute diesen aus und formte daraus die Europazentrale für den taiwanesischen Schrauben-Hersteller Din Ling. Taiwan ist der Nabel der Schrauben-Welt. Auf einer Fläche von knapp 400 Quadratkilometern teilen sich 200 Schraubenfabrikanten die Werkbank und beliefern die ganze Welt damit. Auch Hubmann lässt dort seine Schrauben produzieren. Seit zwei Jahren.

Denn Hubmann ist jetzt nicht nur Importeur, sondern auch Hersteller. 2016 gründete er seine Tenz GmbH in Graz. Der Gründung gingen drei Jahre der Entwicklung und Forschung voran: wie man aus einer einfachen Schraube eine noch bessere machen kann. Und er fand eine. Eine, die leicht und gerade ins Holz geht; das Ende der Schreckschraube sozusagen. „Meine Schraube besteht genau wie jede andere aus legiertem Stahl. Aber es ist die Geometrie, die sie von anderen unterscheidet“, sagt Hubmann. Und das sieht nicht nur er so. Vor etwas mehr als einem halben Jahr hat er dafür den Staatspreis für „Consulting – Ingenieurconsulting“ bekommen. Der Jury-Befund zu seinem Schraubenpatent: „Genial einfach und einfach genial“.

Wesentlich mehr zählt für einen Unternehmer, was der Markt zu seinem Produkt sagt. „Vorige Woche habe ich einen Vertrag mit der US-Baumarktkette Home Depot, die etwa 2.280 Stores betreiben, abgeschlossen. Ich liefere 9.000 Tonnen an Holzbauschrauben. Damit sind wir auch am Zenit und haben einen echten Treffer gelandet“, sagt Hubmann. Zum Vergleich: Weltweit werden rund 307.037 Tonnen an Holzbauschrauben, die also nur für das Befestigen von Holz und Spanplatten verwendet werden, hergestellt. Sein Auftrag macht also 2,9 Prozent vom Weltmarkt aus.

Mit der Nachfrage aus dem Konsumentenumfeld hat Hubmann wohl kaum gerechnet. Zumindest nicht in dieser Form. Es fehlt nämlich ein funktionierender Vertrieb für Konsumenten. Professionelle Handwerker können Tenz-Schrauben über drei Vertriebspartner (in Deutschland, Italien der Schweiz) beziehen. Aber für den Hobbyheimwerker sind diese nicht zugänglich. Daher eröffnet Hubmann ab August einen eigenen Webshop, in dem man alle Dimensionen und Haushaltsmengen bestellen kann.
Die Tenz-Produkte sind teurer als der Durchschnitt und liegen preislich auf Augenhöhe in der Liga der Qualitätsanbieter – wie etwa Spax, Würth oder Fischer.

Doch wer kauft schon teure Schrauben, die sowieso im Holz verschwinden und nie mehr gesehen werden? „Unter dem Strich, ist eine Schraube eine Schraube. Die Verkaufsargumente sind enden wollend“, sagt Hubmann. Doch der hat einen Schritt weiter gedacht und im Windschatten der Nachhaltigkeit einen neuen Energieverbraucher definiert – nämlich die Schraube. Und da diese mit seiner Technologie beim Einschrauben weniger Kraft, weniger Akku und weniger Zeit verbraucht, darf er sie Low-Energy-Screw nennen – mit Zertifikat von der Universität in Karlsruhe.

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