Wie Firmen und Private durch Mediation Konflikte lösen können

Statt eines teuren Gerichtsverfahrens kann auch eine Mediation ein gutes Mittel sein, um bei Konflikten in Unternehmen oder bei anderen Streitigkeiten eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Die Juristen der D.A.S. Rechtsschutz AG erklären, wie eine Mediation abläuft, worauf man sich vorbereiten sollte und wie man Mediatoren findet.

Thema: Rechtstipps
Wie Firmen und Private durch Mediation Konflikte lösen können

Bei Mediationen kann es auch hart auf hart gehen. Wenn beide Seiten aber an einer späteren Zusammenarbeit interessiert sind, stehen die Chancen auf Einigung gut.

Konflikte in Unternehmen können die Arbeit ganzer Teams blockieren und sogar die betriebliche Existenz gefährden. Gerade bei großen Veränderungen, Change-Prozessen oder wenn sich die Führung ändert, kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Auch Reibereien zwischen Geschäftspartnern sind zum Teil gar nicht so einfach aus der Welt zu schaffen.

Mediation kann helfen, Gerichtsverfahren zu vermeiden

Wenn zwischen Kontrahenten kein vernünftiges Gespräch mehr möglich ist, kann eine Mediation helfen, Konflikte außergerichtlich zu lösen. Durch eine erfolgreiche Konfliktlösung mittels Mediation sparen sich Unternehmen zum Teil sehr viel Geld. Entweder weil teure Gerichtsprozesse dadurch vermieden werden oder die Zusammenarbeit im Unternehmen hinterher wieder besser funktioniert.

Chefs häufig mit Konflikten konfrontiert

Wirtschaftsprüfer der KMPG haben errechnet, dass rund ein Viertel des Umsatzes von der Kommunikation abhängt. Eine Führungskraft verbringt laut der Studie 30 bis 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit direkt oder indirekt mit Konflikten.

Weitere Einsatzgebiete: Kaufverträge und Standortstreite

Mithilfe eines Mediators wird auch versucht, in Umweltfragen zu einem für alle Seiten befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Beispielsweise wenn es um die Flächennutzung geht, wie es bei der Bestimmung eines neuen Industriestandorts der Fall ist. Mittlerweile wird sogar bei Kaufverträgen im Vorhinein festgeschrieben, im Fall eines Streits eine Mediation beizuziehen. So sollen nachträgliche Auseinandersetzungen vermieden werden.

Die Kunst, sich im Guten zu trennen

Eine außergerichtliche Mediation kann auch bei persönlichen Konflikten hilfreich sein. Wenn beispielsweise bei einer Scheidung viel auf dem Spiel steht, kann ein solcher neutraler Vermittler helfen, sich im Guten zu trennen, und so die Möglichkeit eröffnen, einen für beide akzeptablen Weg zu finden. Diese Form der Streitbeilegung wird auch bei politischen Konflikten, bei Miet- und Nachbarschaftsstreitigkeiten oder auch bei Konflikten in der Schule angewandt.

Unter welcher Voraussetzung ist eine Mediation ratsam?

Diese Methode eignet sich vor allem, wenn die Konfliktparteien ein Interesse daran haben, auch in Zukunft eine gute Beziehung zueinander zu pflegen.

Formeller Rahmen für eine Mediation

Das Gespräch leitet ein neutraler Mediator, der für den Ablauf und die Einhaltung der zuvor aufgestellten Mediationsregeln sorgt. Ein Mediator darf in einem Konflikt nicht Partei sein, weder Vertreter noch Berater, und auch nicht als Entscheidungsorgan involviert sein. Die Mediation ist im Vergleich zu einem Gerichtsverfahren vertraulich.

Wie funktioniert Mediation?

Eine Mediation soll helfen, ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln, und so zu einem kooperativen Verhalten der Streitparteien führen. Um die verhärteten Fronten aufzubrechen, versucht der Mediator zunächst herauszufinden, warum die Beteiligten auf ihren Positionen beharren und welche Ziele und Interessen hinter ihren starken Emotionen stecken. Aufgabe des Mediators ist es auch, ein Machtungleichgewicht auszugleichen.

Es ist jedoch nicht Aufgabe des Mediators, Vorschläge zu machen, wie der Streit beigelegt werden kann. Die Konfliktparteien sollen vielmehr versuchen, eigenverantwortlich eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung ihrer Probleme zu erarbeiten. Ziel ist es, eine Lösung zu erreichen, bei der es keine Verlierer gibt.

Merkmale eines Mediationsverfahrens

Sämtliche Konfliktparteien werden einbezogen, diese wählen einen Mediator aus, der zwischen den Parteien vermitteln soll. Die Entscheidungsbefugnis liegt daher nicht bei Dritten. Alle Beteiligten müssen dem Verhandlungsergebnis zustimmen. Ein Konsens ist daher erforderlich.

Kosten bemessen sich am Zeitaufwand

Die Kosten des Mediators bemessen sich im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren nicht am Streitwert, sondern am Zeitaufwand. Sie hängen somit davon ab, wie viele Sitzungen nötig sind, um sich zu einigen. Häufig erweisen sich Mediationen als wesentlich günstiger als ein Gerichtsverfahren, da damit auch keine Gerichtskosten verbunden sind.

Worauf sich die Parteien einstellen sollten

Da kein Richter die Entscheidung trifft, sollten die Konfliktparteien bereit sein, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Ohne den Willen zu einem konstruktiven Gespräch wird es nicht gehen. Schließlich sollen die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden. Man sollte sich aber selbst behaupten können und für seine Interessen einstehen. Hat man sich für ein Mediationsverfahren entschieden, ist es ratsam, vor den einzelnen Sitzungen die Argumente, die den eigenen Standpunkt stützen, noch einmal durchzugehen und sich dazu Notizen zu machen. Auch Unangenehmes sollte angesprochen werden. Wenn sich während der Mediation abzeichnen sollte, dass keine Lösung zustande kommen wird, kann die Sitzung jederzeit abgebrochen werden. Mediation findet immer auf freiwilliger Basis statt.

Welchen Zeithorizont sollte man sich für eine Mediation setzen?

Wie lange ein Mediationsverfahren dauert, hängt immer von der Art, dem Umfang und der Komplexität des Streits sowie von den Beteiligten in dem Verfahren ab.

Die Konfliktparteien haben selbst Einfluss auf die Termine und die Dauer der Sitzungen. Im Schnitt lässt sich nach Erfahrung von Experten ein Konflikt mittels Mediation rascher lösen als durch ein Gerichtsverfahren.


So läuft eine Mediation ab

1. Regeln werden aufgestellt
Das Mediationsverfahren verläuft in mehreren Phasen. Zu Beginn wird eine Mediationsvereinbarung geschlossen. Darin werden Ziel, Ablauf und Regeln der Mediation festgehalten. Es wird auch vereinbart, wie die Kosten aufgeteilt werden und welche Termine und Regeln für die Gespräche gelten.

2. Verhandlungspunkte festlegen, Standpunkte einholen
In der nächsten Phase werden relevante Themen und Verhandlungspunkte der konkreten Auseinandersetzung gesammelt. Bei der Familienmediation können beispielsweise Obsorge, Unterhalt, Kontaktrecht und Vermögensaufteilung Themen sein. Es wird herausgearbeitet, welche Übereinstimmungen es bei den Standpunkten gibt und wobei sich die Konfliktparteien uneinig sind.

3. Blickwinkel des anderen wird eingenommen
In der darauffolgenden Phase wird der Konflikt bearbeitet. Dabei wird versucht, den Konflikt aus dem Blickwinkel der jeweils anderen Partei zu betrachten. Die dem Konflikt zugrunde liegenden Interessen, Ziele und Bedürfnisse werden herausgearbeitet. Versteckte Vorwürfe werden offengelegt, und Ärger soll offen ausgesprochen werden.

4. Lösungsvorschläge werden erarbeitet
Anschließend werden mögliche Lösungsvarianten entwickelt, ohne eine Bewertung vorzunehmen. Beispielsweise können im Rahmen einer Familienmediation verschiedene Optionen für Kontaktrecht herausgearbeitet werden. Wer sieht die gemeinsamen Kinder wann und wie lange? Welche Regelung soll für Feiertage gelten? Was gilt im Krankheitsfall?

5. Bewertung der Optionen mit größtem Nutzen
Im nächsten Schritt werden die möglichen Optionen bewertet, und dann wird die gewählt, die für alle Konfliktparteien den größten Nutzen bringt und somit die Zustimmung aller erlangt. Mit dem Mediationsvertrag wird die getroffene Option auch schriftlich bekräftigt.


Mediatorin oder Mediator finden

Das Justizministerium verfügt über eine Liste eingetragener Mediatoren, der auch die fachlichen Schwerpunkte zu entnehmen sind.

In die Liste werden nur Personen aufgenommen, die mindestens 28 Jahre alt, fachlich qualifiziert und vertrauenswürdig sind. Eine entsprechende Ausbildung sowie rechtliche und psychosoziale Grundkenntnisse, der Nachweis einer Haftpflichtversicherung und laufender Fortbildungen sind ebenso erforderlich.

Weitere Anlaufstellen für Mediation:

Vorteile eines eingetragenen Mediators
Fällt die Wahl auf einen eingetragenen Mediator, ist dieser nicht verpflichtet, vor Gericht über den Inhalt einer Mediation auszusagen. Vertraulichkeit ist somit garantiert. Wird ein eingetragener Mediator gewählt, sind zudem die Verjährungsfristen während des Mediationsverfahrens gehemmt.


Weitere Rechtsinformationen und alles rund um Ihre rechtliche Absicherung finden Sie unter www.das.at

Info-Hotline: 0800 386 300
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Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet. Das Versicherungsunternehmen ist seit Juli 2018 Netzwerkpartner der Leitbetriebe Austria und absolvierte 2020 erfolgreich eine Re-Zertifizierung. Im selben Jahr ist die D.A.S. auch mit dem Silbernen Siegel als „Best Recruiter“ ausgezeichnet worden.
Seit 1928 steht die internationale D.A.S. für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert seit 2014 als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien.

Haftungsauschluss:
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