Samsung-Chef Lee auf freiem Fuß - Berufungsgericht halbiert Strafe

Samsung-Chef Lee auf freiem Fuß - Berufungsgericht halbiert Strafe

Auf Bewährung verlässt Samsung-Chef Jay Y. Lee das Gefängnis. Die Strafausmaß wurde kräftig gemindert.

Ein Berufungsgericht in Südkorea halbiert die Haftstrafe gegen den Samsung-Chef Jay Y. Lee. Der Spross des Samsung-Gründers wurde zudem auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht bestätigte die Verurteilung wegen Korruption. Anschuldungen wegen Bestechungen wurden gegen Lee fallen gelassen.

Seoul. Nach einem Jahr in Haft kommt Samsung-Erbe Jay Y. Lee wieder frei. Ein südkoreanisches Berufungsgericht reduzierte am Montag seine ursprüngliche Haftstrafe wegen Korruption von fünf Jahren in zweieinhalb Jahre auf Bewährung um und ordneten seine sofortige Entlassung aus dem Gefängnis an.

Die Berufungsrichter in Seoul bestätigten am Montag zwar grundsätzlich Lees Verurteilung wegen Korruption, ließen aber viele Anschuldigungen der Bestechung gegen ihn fallen.

Der 49-jährige Lee war im August in Zusammenhang mit einem weitreichenden Korruptionsskandal verurteilt worden, der auch zum Sturz der früheren Präsidentin Park Geun Hye geführt hatte. Park wird verdächtigt, namhafte südkoreanische Unternehmen wie Samsung unter Druck gesetzt zu haben, damit diese hohe Summen an Stiftungen einer Jugendfreundin, Choi Soon Sil, spenden.

Nach Schätzungen der Justiz soll allein Lee insgesamt 8,9 Mrd. Won (6,57 Mio. Euro) gezahlt haben, um sich die Unterstützung der Politik zu sichern. Daraufhin war er auch wegen Meineids, Geldwäsche und Veruntreuung verurteilt worden. Seine Anwälte wollen nun auch gegen die verbliebenen Schuldsprüche Berufung einlegen. In dem Gerichtsurteil hieß es am Montag, Lee sei "gezwungen" worden, die Bestechungsgelder zu zahlen. Es gebe "keine Beweise" dafür, dass Lee im Gegenzug politische Gefälligkeiten verlangt habe.

"Park Geun Hye und Choi Soon Sil sollten als die Hauptakteure in diesem Skandal angesehen werden", erklärten die Richter. Experten bewerteten die Entscheidung als typisch für eine juristische Milde, die Samsung-Chefs in dem Land für gewöhnlich zuteil wird.

Nach der Urteilsverkündung verließ Lee das Gericht lächelnd und mit schwingenden Armen, wie im südkoreanischen Fernsehen zu sehen war. Bei den Gerichtsterminen seit seiner Festnahme im vergangenen Februar waren ihm Handschellen angelegt worden. Auf dem Weg aus dem Gefängnis sagte Lee: "Nochmals, ich bedauere, dass ich nicht meine beste Seite gezeigt habe." Der Erbe eines der größten Firmenimperien der Welt befand sich seit Februar 2017 in Haft. Dies sei eine sehr "wertvolle Zeit" gewesen, um "über mich nachzudenken."

Seit einer Herzattacke seines Vaters im Jahr 2014 stand Lee Jae Yong de facto an der Spitze des Großkonzerns. Offiziell trägt er den Titel eines Vize-Vorsitzenden von Samsung Electronics. Er war damit der erste Samsung-Chef, der Zeit im Gefängnis verbrachte - obwohl sein Vater bereits zweimal schuldig befunden wurde, Straftaten verübt zu haben. Auch gegen seinen Großvater waren bereits Vorwürfe erhoben worden.

Das kommt in Südkorea regelmäßig vor: Die mächtigen familiengeführten Großkonzerne des Landes - die sogenannten Chaebol - waren in der Vergangenheit immer wieder in Korruptionsskandale verwickelt.

Die Samsung-Aktie profitierte von der Nachricht und ging mit einem Plus von 0,5 Prozent aus dem Handel, während der Seouler Leitindex 1,3 Prozent verlor. "Es ist eine gute Sache, dass der Eigner zurückkehrt", sagte Analyst Greg Roh vom Finanzdienstleister HMC Investment & Securities. Es wird vermutet, dass Lee seine bisherige Arbeit fortsetzt.

Samsung Electronics ist der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen und Speicherchips. Für das vergangene Jahr dürfte der Konzern einen Rekordgewinn verzeichnen. Seine Einnahmen entsprechen etwa einem Fünftel des südkoreanischen Bruttoinlandsproduktes.

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