Passagierrechte: Vorsicht Entschädigungseintreiber

Passagierrechte: Vorsicht Entschädigungseintreiber

Verspäteter Flieger: Da wittern die Entschädigungseintreiber fette Erfolghonorare für erstrittene Entschädigungen.

Eine staatliche Schlichtungsstelle verhilft Passagieren, denen wegen eines verspäteten Fluges oder Zuges, eine Entschädigung zusteht, zu ihrem Recht. Trittbrettfahrer wollen Betroffenen Geld aus der Tasche ziehen.

Das Geschäft von Entschädigungseintreibern wie "AirHelp" oder "Flightright" boomt. Jeder 7. Fall landet mittlerweile bereits von einem solchen Entschädigungseintreiber. Sie verdienen an verspäteten oder ausgefallenen Flügen mit, wenn es darum geht Geld für Passagiere herauszuschlagen. Die geschädigten Passagiere müssen diesen einen Anteil dessen abgeben. Und das obwohl die Agentur für Passagier-und Fahrgastrechte (apf) des Verkehrsministeriums dieses Service gratis übernimmt. Selbst diese sogenannten Claim-Firmen wenden sich immer öfter an die staatliche Stelle. Mittlerweile stammen 15 Prozent der Beschwerden von solchen Firmen, sagte die apf-Leiterin Maria-Theresia Röhsler.

"Bitte geht gleich zur Agentur"

Glücklich ist Röhsler damit nicht: "Es ist schade und tut uns für die Beschwerdeführer leid, weil wir hätten es kostenlos machen können." Auch Verkehrsminister Norbert Hofer appellierte: "Bitte geht gleich zur Agentur." Der Trend, dass sich auch Claim-Firmen an die apf wenden, sei 2017 noch nicht so stark gewesen, man habe eine Zunahme erst heuer bemerkt.

25 Prozent Erfolgsprämie

Die Passagierrechte-Agentur ist eine kostenlose und provisionsfreie Serviceeinrichtung des Bundes und fungiert als Schlichtungs- und Durchsetzungsstelle, an der die Fluggesellschaften zur Teilnahme verpflichtet sind. Claim-Firmen hingegen sind private und gewinnorientierte Unternehmen und verlangen für ihre Arbeit in der Regel eine Erfolgsprämie von 25 Prozent der Entschädigungszahlung.

Eine Handhabe dagegen, dass auch kommerzielle Entschädigungseintreiber ihre Fälle durch die apf lösen lassen, gibt es nicht. Grundsätzlich könne sich jeder betroffene Passagier nämlich auch vertreten lassen, ob von Verwandten, Bekannten oder eben Anwälten bzw. Claim-Firmen, wie Röhsler sagte.

Nötig sei eine Vertretung aber nicht, die apf biete den Passagieren telefonisch und schriftlich Hilfe an. 2017 seien 86 Prozent der Verfahren erfolgreich beendet worden, zog Röhsler Bilanz. Bei den Fällen, die negativ ausgingen, lag die Verspätung oder der Flugausfall oft an außergewöhnlichen Umständen, bei denen die Fluglinie nicht zahlen muss.

Röhsler geht für das Jahr 2018 von einem Anstieg der Beschwerden aus, weil Claim-Firmen im Internet aggressiv für das Geltendmachen von Entschädigungsansprüchen werben. Laut EU-Fluggastrechteverordnung haben Passagiere einen Entschädigungsanspruch von 250 bis 600 Euro pro Person abhängig von der Flugdistanz. Dieser kann bis zu drei Jahre rückwirkend eingefordert werden.

Verfahren dauern ein knappes Monat

Die Verfahren vor der apf dauern durchschnittlich 26 Tage, eine erste Antwort der Agentur gibt es im Schnitt nach 27 Stunden. Die meist rasche Lösung begründete Röhsler mit der guten Zusammenarbeit mit den Airlines. Zum Teil habe man eigene Ansprechstellen und eigens für die apf eingerichtete E-Mail-Adressen. Die Durchsetzung von Entschädigungsansprüchen funktioniere auch bei exotischen Fluglinien, bei denen man es nicht annehmen würde, sehr gut, so Röhsler.

Beschwerden bei Flügen dominieren

Die apf ist nicht nur vor Flugreisen, sondern auch für Bahn, Bus und Schiff zuständig. Von den im Vorjahr 2.342 abgeschlossenen Verfahren betrafen 1.719 den Flugverkehr, 582 die Bahn, 40 entfielen auf Busreisen und ein einziges auf das Verkehrsmittel Schiff. Von den 2017 durch die apf erwirkten Entschädigungszahlungen in Höhe von 1,03 Mio. Euro entfielen 984.000 Euro auf den Flugbereich und 47.000 Euro auf die Bahn.

Zuletzt mehr Bahnschwerden


Bei der Bahn sind die Beschwerden 2017 das erste Mal seit längerem wieder gestiegen, weil die ÖBB, auf die über 95 Prozent der Bahn-Beschwerden entfallen, ihr Beschwerdemanagement umgestellt hätten und deshalb manche Antworten länger dauerten, erklärte Röhsler. Die apf kann - über die Internetseite www.passagier.at - erst eingeschaltet werden, wenn es vom Unternehmen sechs Wochen keine oder keine zufriedenstellende Antwort gibt.

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