"Neue Datenschutz-Richtlinien dürfen Wirtschaft nicht bremsen"

"Neue Datenschutz-Richtlinien dürfen Wirtschaft nicht bremsen"

Derzeit werden in Brüssel neue Datenschutzrichtlinien erarbeitet. André Eckert, Chef von Russmedia Digital, erklärt warum er fürchtet, dass die Digital-Wertschöpfung nach Sillicon Valley abwandern könnte, er Cookies für keine Geschmacksverderber hält, warum die Kommunikation von Maschinen untereinander an Bedeutung gewinnen wird und bei welchem Verbot er glaubt, dass es das Ende der freien Informationskultur wäre.

Der Online-Werbemarkt in Europa beträgt bereits 35 Milliarden Euro. "Ein relevanter Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum schafft", erklärt Russmedia Digital-Geschäftsführer André Eckert, der auf Einladung von Norbert Lessing, Vizechef der amerikanischen Handelskammer in Österreich (AmCham) einen Vortrag hielt.

Beide Organisationen setzen sich für prosperierende Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa ein. Während die Agenda der AmCham Austria derzeit stark vom transatlantischen Handelsabkommen TTIP geprägt ist, befasst sich der Internet Advertising Bureau (IAB), ein Verein zur Förderung von Online-Werbung, derzeit mit den neuen Datenschutzrichtlinien der Europäischen Union, die künftig in Kraft treten werden.

„Nur wer sich rechtzeitig informiert, kann bei der politischen Entscheidung Einfluss nehmen und die Rahmenbedingungen für den Onlinemarkt aktiv mitgestalten“, unterstreicht Eckert.

"Cookies sind keine Geschmacksverderber"

Der gesamte Werbemarkt ist Daten getrieben, wobei Cookies die Basis darstellen, um Werbung an die gewünschte Zielgruppe auszuspielen und damit effizient zu kommunizieren. Auch die wissenschaftliche Forschung profitiert von Cookies, um die Lebensgewohnheiten der Menschen zu analysieren. Das Werbegeschäft der Zukunft ist durch Real Time Bidding (RTB) gekennzeichnet, bei dem Maschinen miteinander kommunizieren und Gebote abgeben, um die gewünschten User zu erreichen. In Großbritannien macht dieses Auktionsgeschäft bereits 50 Prozent der digitalen Werbeumsätze aus, während es in Österreich noch in den Kinderschuhen steckt.

User müssen Cookies jedoch durch die Datenschutzrichtlinien zustimmen. Website-Betreiber sind verpflichtet, sich diese Zustimmung einzuholen und riskieren andernfalls hohe Strafen. Die momentane Rechtslage lässt befürchten, dass diese Zustimmung bei jedem Besuch einer Website eingeholt werden muss. Für Minderjährige wäre theoretisch eine Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich, was sich in der Praxis jedoch kaum realisieren lässt.

Rechtliche Rahmenbedingungen dürfen Informationsfreiheit nicht einschränken

„Die Unternehmen müssen jetzt aufzeigen, damit die Gesetzgebung keinen wirtschaftlichen Nachteil für den europäischen Markt im globalen Wettbewerb darstellt“, mahnt Eckert und unterstreicht, dass der österreichische Verein zur Förderung von Online-Werbung sich aktiv auf nationaler und europäischer Ebene für eine praxistaugliche Regulierung einsetzen wird.

Wenn Menschen künftig Werbung im Internet ablehnen können, stellt dies das Ende der kostenlosen Informationskultur im Netz dar. „Demokratiepolitisch ist es gefährlich, wenn die freie Informationskultur durch wirtschaftliche Zwänge eingeschränkt wird“, betont Eckert. Auch das Recht auf Vergessen stellt Medieninhaber vor große Herausforderungen. Die EU sieht Strafen von vier Prozent des Jahresumsatzes bei Vergehen vor, die gerade für kleinere Anbieter existenzgefährdend werden können.

"Aus den Verhandlungen darf kein Wettbewerbsnachteil für Europa entstehen, der noch mehr Wertschöpfung an die Big Five im Silicon Valley abwandern lässt“, so Eckert .

Google erneut von EU zu einer Milliardenstrafe verdonnert

Wirtschaft

Google erneut von EU zu einer Milliardenstrafe verdonnert

Was es kostet, den Urlaub zu stornieren

Rechtstipps

Was es kostet, den Urlaub zu stornieren

Facebook zu Höchststrafe in Großbritannien verdonnert

Wirtschaft

Facebook zu Höchststrafe in Großbritannien verdonnert