Kredit: 8 Tipps für das Bankgespräch

Auch wenn der Bankberater noch so nett ist, seien Sie gerade beim Kreditgespräch auf der Hut. Es kann um ihre Existenz gehen.

Auch wenn der Bankberater noch so nett ist, seien Sie beim Kreditgespräch auf der Hut. Eine falsche Entscheidung kann letztlich die Existenz bedrohen.

Der Abschluss eines Kreditvertrags ist für Kunden kein alltägliches Rechtsgeschäft - für die Bank jedoch sehr wohl. Genau deshalb sollte man als Kunde besonders auf der Hut sein. Partneranwälte der D.A.S. Rechtsschutz AG geben Tipps, worauf es für Privatkunden und Unternehmen ankommt.

Sich für den Kauf eines Hauses oder eine Wohnung zu entscheiden, ist an sich schon eine große Sache. Die Suche und Entscheidungsfindung ist meist ein langwieriger Prozess. Ist die Wahl jedoch einmal getroffen, kann es vielen nicht schnell genug gehen, auch die Finanzierung rasch unter Dach und Fach zu bringen. Doch Eile ist dabei ein schlechter Ratgeber. Etwa einfach zur Hausbank zu gehen und darauf zu hoffen, dass der Berater des Vertrauens schon mal die besten Konditionen bereithält, wäre doch etwas blauäugig.


Dazu sollte man sich, insbesondere dann, wenn man sich eine größere Summe Geld borgen will, im Klaren sein: Eine falsche Entscheidung kann die finanzielle Existenz bedrohen. Das betrifft Privatpersonen wie Firmen gleichermaßen. Umso wichtiger ist es für Kreditnehmer gut vorbereitet in Verhandlungen mit der Bank zu gehen. Es reicht schließlich schon, wenn man viel mehr zahlt, als eigentlich bei guter Verhandlung und Vergleich mit anderen Angeboten notwendig gewesen wäre. Die beiden Grazer D.A.S. Partneranwälte Anton Cuber und Claudia Kopp-Helweh von der Kanzlei Cuber Rechtsanwälte, die immer wieder durch Mandanten mit dieser Materie befasst sind, geben Tipps, worauf man bei Kreditverhandlungen achten sollte.

1. Mehrere Angebote einholen

Häufig wenden sich potentielle Kreditnehmer zuerst an ihre Hausbank. Doch das muss nicht unbedingt die beste Wahl sein. Wichtig ist, mehrere Angebote einzuholen und genau zu vergleichen.

2. Was Private und Firmen am besten schon beim ersten Termin mitbringen sollten

Um den Termin bei der Bank möglichst effizient zu gestalten und dem Kundenberater auch gleich zu vermitteln, dass man gut vorbereitet erscheinen will, sollte schon bei der Terminvereinbarung erörtert werden, welche Unterlagen man am besten zum Gespräch mitbringt.
Bei Privatkunden wird das im Wesentlichen eine Haushaltsrechnung (Aufstellung über monatliche Einnahmen und Ausgaben) und ein Einkommensnachweis (Lohnzettel oder Steuerbescheid) und wenn vorhanden, genau Angaben über die Eigenmittel.

Deutlich umfangreicher ist die Anforderungsliste an Unternehmer. Diese sollten ihr aktuelles Zahlenwerk parat haben. Dazu zählt die letzte Bilanz, Planrechnung, Liquiditätsplanung, Saldenliste, Aufstellung über Aufträge, Vermögensübersicht, Lebensläufe und Zeugnisse des Managements, Verträge (Gesellschaftsvertrag, Pachtvertrag, …), Aufstellung über Sicherheiten, Grundbuchsauszug und Firmenbuchauszug.

3. Worauf es beim Gespräch ankommt

Zu Beginn des Gesprächs sollte man zunächst klar kommunizieren, was man will: Ob man etwa einen Erstkredit, die Erhöhung des Kreditrahmens oder die Änderungen bestehender Konditionen wünscht. Danach sollte man sich intensiv mit dem Angebot der Bank auseinandersetzen.

„Hinterfragen sie jede Position im Kreditvertrag und verhandeln Sie nach. Jeder Kundenbetreuer hat einen gewissen Entscheidungsspielraum“, so D.A.S. Partneranwältin Kopp-Helweh.

4. Worauf Sie beim Kreditvertrag achten sollten

Diese Punkte des Kreditvertrags sollten Kreditnehmer besonders genau prüfen:

Höhe der jährlichen Effektivzinsen. Egal ob Sie sich für einen variablen oder einen Fixzinssatz entscheiden, achten Sie darauf an welchen Referenzzinssatz (häufig ist es der Euribor) die Zinsen gekoppelt sind. Denn danach richtet sich die Höhe des Effektivzinssatzes.
Worauf Firmen bei der Laufzeit achten sollten. Firmen sollten darauf achten, dass die Nutzungsdauer der Investition und die Rückzahlungsdauer des Kredits übereinstimmen. Werden langfristige Investitionen mit kurzfristigen Krediten finanziert, ist mit Problemen bei der Liquidität zu rechnen.
Kündbarkeit des Vertrags. Der Kreditvertrag sollte jederzeit kündbar sein. Eine teilweise oder gänzliche vorzeitige Rückzahlung sollte möglich sein, ohne dass dafür eine Extra-Prämie fällig wird.
Spesen auf lange Sicht gesehen nicht unterschätzen. Gebühren werden häufig in Prozentsätzen ausgedrückt und können sich bei langen Laufzeiten mit erheblichen Beträgen zu Buche schlagen. Achten Sie daher genau auf die Höhe der monatlichen Kontoführungs- und die Bearbeitungsgebühr. Da die kreditgebende Bank häufig versucht ins Grundbuch zu kommen, verlangen sie von den Kunden gleich auch eine saftige Gundbuchseintragungsgebühr. Beides sollte man am besten vermeiden. Vorsicht auch bei Lockangeboten für den effektiven Jahreszinssatz, der nicht selten nur ein Jahr gilt und sich danach erheblich verteuert. Je mehr Angebote man einholt, umso leichter fällt es die Konditionen zu vergleichen und mit der Bank zu verhandeln.

Sondervereinbarungen. Wenn es Sondervereinbarungen gibt, sollte man diese unbedingt schriftlich festhalten. Kann der Kundenbetreuer die Sondervereinbarung nicht sofort mit seiner Unterschrift bestätigen, sollte der Kreditnehmer mit der Unterfertigung des Kreditvertrags warten bis diese Unterschrift vorliegt.

5. Was beim Thema finanzielle Besicherung zu beachten ist

Finanzielle Sicherheiten sind für die Bank unerlässlich. „Kreditnehmer sollten darauf achten, dass der Kredit nicht ohne Notwendigkeit überbesichert wird“, warnt D.A.S. Partneranwalt Cuber. Doch auch zu wenig ist nicht gut. Cuber: „Je geringer die Sicherheiten, desto teurer die Konditionen." Grundsätzlich bieten sich folgende Sicherheiten an: Liegenschaften, Wertpapiere und Sparbücher, Versicherungen, Bürgschaften und für Unternehmer noch zusätzlich Kundenforderungen, Maschinen und Lagerbestände

Sind all diese Fragen geklärt, sollte man vor Unterzeichnung des Vertrags diesen dennoch in Ruhe durchgehen, am besten zu Hause. D.A.S. Partneranwältin Kopp-Helweh: „Es besteht keine Notwendigkeit sich unter Zeitdruck setzen zu lassen.“

6. Gesprächsprotokoll erstellen

Um das Gespräch bei Konflikten später einfach nachvollziehen zu können, empfehlen die beiden Grazer D.A.S. Partneranwälte ein Gesprächsprotokoll vom Bankberater erstellen zu lassen. Wenn der Berater nicht gleich dafür Zeit hat, lassen Sie es sich zuschicken. Hauptsache es ist vom Berater unterschrieben.

7. Hausbank auf den Prüfstand stellen

Auch wer nach dem Vergleich der Konditionen weiterhin die Hausbank als Kreditgeber in Erwägung zieht, sollte sich nach Erfahrung der beiden Anwälte neben den Kosten und Konditionen für den Kredit einige weitere Fragen stellen: „Wesentlich ist etwa, ob man mit der bisherigen Geschäftsbeziehung überhaupt zufrieden war“ so Cuber. Besteht ein guter, persönlicher Kontakt zum Kundenbetreuer? Wurden bisher Probleme ernst genommen und zur Zufriedenheit gelöst? Hat sich der Bankberater wertschätzend verhalten? "Werden diese Fragen durchwegs mit Nein beantwortet, sollte man eine andere Bank in Erwägung ziehen“, rät der D.A.S. Partneranwalt.

8. Worauf es der Bank bei Bonität von Privaten oder Firma ankommt

Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit. Bevor sich die Bank zu einer Kreditvergabe entschließt, führt sie mehrere Prüfungen durch.
- In einem ersten Schritt kontrolliert sie die Kreditfähigkeit des Kreditnehmers. Darunter versteht man, ob ein Kunde rechts- und geschäftsfähig ist.
- Anschließend wird die Kreditwürdigkeit geprüft. Während man bei Privatkunden im Regelfall von geordneten privaten Lebensverhältnissen ausgeht, wird bei einem Unternehmer zusätzlich noch unternehmerische Kompetenz vorausgesetzt. Das bedeutet, die Bank macht sich ein Bild von der Qualität des Managements, der Professionalität der Betriebsorganisation und analysiert beispielsweise auch die Kundenstruktur und wie hart der Wettbewerb ist. Damit will die Bank sicherstellen, dass das Unternehmen auch in der Lage ist, den Kredit zurückzuzahlen.

Hat man bereits Schulden und wie hoch sind diese? Zentral ist auch, ob und wie viel Schulden der potentielle Kreditnehmer bereits hat. Bei Firmen schaut die Bank auch, welche Verbindlichkeiten noch aushaftend sind, etwa in Form offener Kreditverbindlichkeiten, Bürgschaften für Dritte, Leasingverbindlichkeiten oder ob andere Privatverbindlichkeiten bestehen.

Banken prüfen, ob Kunde auf Warnliste steht. Routinemäßig wirft die Bank auch einen Blick auf die Warnliste der Banken. Mit Hilfe dieser, auch als schwarze Liste bezeichnet, machen sich Banken gegenseitig auf Kunden aufmerksam, die sich in der Vergangenheit nicht an Vereinbarungen der Bank gehalten haben und etwa bei Ratenzahlungen nachhaltig in Verzug geraten sind. Auch beim Kreditschutzverband KSV1870 holen die Banken Erkundigungen über potentielle Kreditnehmer ein.

Erst wenn sämtliche Informationen vorliegen, beurteilt die Bank, ob aus ihrer Sicht ein Kredit gewährt wird oder nicht. Grundsätzlich gilt: „Je besser die Bonität, desto billiger die Finanzierung“, so D.A.S. Partneranwältin Kopp-Helweh.

Hat der Kreditnehmer alle Hürden der Bonitätsprüfung bewältigt, wird ihm die Bank eine Kreditzusage und einen Kreditvertragsentwurf übermitteln. Erst wenn man selbst den Kreditvertrag auf jedes einzelne Detail hin geprüft hat, den Vertrag für gut befindet und selbst überzeugt ist, diesen auch zurückzahlen zu können, sollte man ihn unterschreiben.

Weitere Informationen zu dem Thema erhalten Sie unter:

cuber Rechtsanwälte
Dr. Anton Cuber
Mag. Claudia Kopp-Helweh
Grieskai 46, 8020 Graz
eMail: office@cuber.at
www.cuber.at
Tel. +43 (0) 316/818781-0

Weitere aktuelle Informationen rund um Ihr Recht finden Sie zusammengefasst im Thema "Rechtstipps" sowie auf der Website der D.A.S. Rechtsschutz AG.


Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und beispielgebende RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 400 Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien (seit 2014). In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet.

Seit 1928 steht die D.A.S., das Original für Rechtsschutz, für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG, einer der großen Versicherungsgruppen in Deutschland und Europa.

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