GmbH, Einzelfirma, OG und KG: Was Gründer wissen sollten

GmbH, Einzelfirma, OG und KG: Was Gründer wissen sollten

Welche Rechtsform für die eigene Firma am besten ist, will gut überlegt sein.

Welche Rechtsform am günstigsten ist, was für oder gegen eine GmbH oder Einzelfirma spricht, was eine Firmengründung kostet, wann die Gründung einer Offenen Gesellschaft (OG) oder einer Kommanditgesellschaft (KG) ratsamer ist. Und warum man eine mögliche Liquidation des Unternehmens schon bei der Gründung einkalkulieren sollte, die D.A.S. Rechtsschutz AG gibt Auskunft.

Wer die Gründung eines eigenen Unternehmens in Erwägung zieht, ist gut beraten, vorher genau zu überlegen, in welche rechtliche Form er diese gießen möchte. Davon kann viel abhängen: Etwa ob man mit seinem Privatvermögen haftet, ob eine doppelte Buchhaltung zwingend vorgeschrieben ist oder welche Unternehmensform einfach wieder aufzulösen ist und welche mit hohem Aufwand verbunden ist.

Wer ein Unternehmen gründet, sollte sich deshalb genau informieren, welche Unternehmensform für ihn am besten ist. Günther Kriechbaum, Steuer- und Unternehmensberater und D.A.S. Partneranwalt, klärt deshalb über die wichtigsten Vor- und Nachteile einer GmbH, einer Einzelfirma und von eingetragenen Gesellschaften (OG und KG) auf.

Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmens

Beim Einzelunternehmen ist die Gründung einfach und günstig. Der Nachteil: Der Unternehmer haftet unbeschränkt und persönlich für alle Schulden, die der Betrieb mit sich bringt.

Die Gründung einer Gesellschaft

Bei der Gründung einer Gesellschaft kommen unterschiedliche Rechtsformen in Frage. Zu den verbreitetsten zählen die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die eingetragenen Gesellschaften (OG, KG).

Die günstigste Unternehmensform
Bei Gründung eines Unternehmens ist die Einzelfirma die einfachste und billigste Rechtsform. Das Unternehmen beginnt mit dem ersten Geschäft bzw. der Aufnahme des Betriebes. Ein formeller Gründungsakt ist nicht notwendig. Wenn es einen Partner gibt, ist jedoch die OG (Offene Gesellschaft) oder KG (Kommanditgesellschaft) die einfachste und kostengünstigste Gesellschaftsform.

Die wichtigsten Informationen zur GmbH

Wie viel bei der Gründung einer GmbH einzuzahlen ist
Die Gesellschafter einer GmbH müssen bei der Gründung das dafür nötige Stammkapital zumindest zur Hälfte einzahlen. Es gibt auch eine Einmann-GmbH. Das Stammkapital beträgt grundsätzlich 35.000 Euro. Wird das sogenannte Gründungsprivileg in Anspruch genommen, beträgt es zumindest 10.000 Euro. Innerhalb von zehn Jahren muss es jedenfalls auf mindestens 35.000 Euro aufgestockt werden.

Keine Haftung für Schulden oder Risiken
Die Gesellschafter haften bei einer GmbH weder für Schulden noch für Risiken der Gesellschaft. Ein mögliches Haftungsrisiko ist deshalb eines der wichtigsten Argumente, für eine GmbH. Ebenfalls für eine GmbH spricht die Möglichkeit, ein Dienstverhältnis für einen nicht wesentlich beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführer zu begründen.

Wann eine GmbH sinnvoll ist
Steuerlich ist die GmbH meist erst bei höheren Gewinnen interessant, da sowohl die Körperschaftsteuer in Höhe von 25 Prozent anfällt, als auch bei der Ausschüttung der Gewinne die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Die Steuern betragen damit insgesamt 45,63 Prozent vom Gewinn. Hier kann man allerdings durch die Gestaltung eines Bezuges für einen Gesellschafter-Geschäftsführer die Steuerlast verringern.

Welche Gebühren bei der Gründung einer GmbH anfallen
Die Gründung einer GmbH erfolgt grundsätzlich in Form eines Notariatsaktes. Dieser kostet im Schnitt rund 2.000 Euro. Bei gründungsprivilegierten GmbHs ist es jedoch deutlich weniger. Dazu kommen noch Gebühren für die Eintragung und Veröffentlichung der Gesellschaftsgründung. Wird erstmalig ein Unternehmen gegründet, kann man sich die Gebühren ersparen, wenn man vor dem Gang zum Notar eine sogenannte NEUFÖG-Beratung bei der Wirtschaftskammer in Anspruch nimmt. Für die Ein-Mann-GmbH ist eine sogenannte „vereinfachte Gründung“ möglich. Eine solche ist erheblich günstiger und kann über die Bank oder online abgewickelt werden.

Aufwand für die Liquidation einer GmbH ist hoch
Wie die Gründung ist auch die Auflösung einer GmbH nicht so einfach wie bei einem Einzelunternehmen. Eine GmbH kann aus gesetzlichen Gründen aufgelöst werden oder wenn es vertraglich vereinbart wurde. Dazu bedarf es zunächst eines Gesellschafterbeschlusses. Eine GmbH endet nicht mit einer formlosen Auflösung, sondern muss formell liquidiert und im Firmenbuch gelöscht werden.

Was eine Liquidation bedeutet
Zweck einer Firmen-Liquidation ist die Abwicklung der Geschäfte und die Verwertung des Vermögens der GmbH. Zu Beginn der Liquidation muss eine Liquidationseröffnungsbilanz erstellt werden. Der Liquidator (meist der frühere Geschäftsführer) ist verpflichtet, sämtliche Gläubiger zu informieren, deren Forderungen zu prüfen und die Schulden zu begleichen.

Wann ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden muss
Die Verteilung des Liquidationserlöses nach Befriedigung aller Gläubiger richtet sich, sofern nichts anderes vereinbart wurde, nach dem Verhältnis der Stammeinlagen. Stellt sich während des Liquidationsverfahrens heraus, dass die GmbH zahlungsunfähig bzw. überschuldet ist, muss ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden.

Welche Risiken eine Offene Gesellschaft birgt

Wenn zwei oder mehrere Personen relativ gleichberechtigt gemeinsam ein Unternehmen betreiben wollen, empfiehlt sich die Gründung einer Offenen Gesellschaft (OG). Allerdings nur, wenn diese auch bereit sind die Haftung für Betriebsrisiken mit ihrem gesamten privaten Vermögen in Kauf zu nehmen. Die Gesellschafter einer OG sind zur Geschäftsführung berechtigt und GSVG-pflichtversichert.

Wann eine Kommanditgesellschaft empfehlenswert ist

Wenn sich ein Gesellschafter beteiligt, der nur als Geldgeber fungiert und dieser nur bis zur Höhe seiner Einlage haften will, ist eine Kommanditgesellschaft (KG) empfehlenswert.

Kommanditisten können sozialversicherungspflichtig sein
Kommanditisten können, wenn sie mitarbeiten und unternehmerisches Risiko tragen, als neue Selbständige GSVG-pflichtversichert sein. Das kann verhindert werden, indem man sich in der KG nicht betätigt bzw. sich mit dem Gewinnanteil zufrieden gibt und für Verluste über die Einlage hinaus nicht haftet. Ein Arbeitsgesellschafter, der aktiv im Unternehmen tätig ist und nur eine geringe Beteiligung, also keinen nennenswerten Einfluss hat steht einem Dienstnehmer gleich und ist ASVG-pflichtversichert

Was ein stiller Gesellschafter ist

Als stiller Gesellschafter beteiligt man sich am Unternehmen eines anderen mit einer Vermögenseinlage, tritt nach außen hin aber nicht in Erscheinung. Der stille Gesellschafter ist am Gewinn des Unternehmens beteiligt, nicht aber an der Firmensubstanz bzw. am Firmenwert.

Weitere Informationen zu dem Thema erhalten Sie unter:

Wirtschaftstreuhandkanzlei
Dr. Günther Kriechbaum
Steuerberatung GmbH
Lehmanngasse 7
1230 Wien
Tel.: +43 (0) 1 / 865 21 21 / 0
Mail: office@steuerplusrecht.at
www.steuerplusrecht.at

Weitere aktuelle Informationen rund um Ihr Recht finden Sie zusammengefasst im Thema "Rechtstipps" sowie auf der Website der D.A.S. Rechtsschutz AG.


Über die D.A.S. Rechtsschutz AG:
Seit 1956 ist die D.A.S. Rechtsschutz AG mit Spezialisierung auf Rechtsschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen in Österreich tätig. Als unabhängiger Rechtsdienstleister bietet sie umfassenden Versicherungsschutz, fachliche Betreuung durch hochqualifizierte juristische Mitarbeiter und beispielgebende RechtsService-Leistungen wie die D.A.S. Direkthilfe® und D.A.S. Rechtsberatung an. Der Firmensitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Die rund 400 Mitarbeiter stehen Kunden in ganz Österreich zur Verfügung. Die D.A.S. Rechtsschutz AG agiert als Muttergesellschaft der D.A.S. Tschechien (seit 2014). In den vergangenen Jahren hat die D.A.S. Österreich ihre starke Marktposition als Rechtsschutzspezialist gefestigt und wird bereits seit 2009 jährlich mit einem stabilen A-Rating durch Standard & Poor’s bewertet.

Seit 1928 steht die D.A.S., das Original für Rechtsschutz, für Kompetenz und Leistungsstärke im Rechtsschutz. Heute agieren D.A.S. Gesellschaften in mehr als 10 Ländern weltweit. Sie sind die Spezialisten für Rechtsschutz der ERGO Group AG, einer der großen Versicherungsgruppen in Deutschland und Europa.

Haftungsauschluss:
Antworten auf Fragen und bereitgestellte Texte haben lediglich Informationscharakter. Sie wurden von den Rechtsexperten der D.A.S. bzw. durch deren Partneranwälte gründlich recherchiert. Trotzdem übernehmen trend online und die D.A.S. Rechtsschutz AG keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

Recht

Drohnen: Neue EU-Regeln für Private und Unternehmen

Rechtstipps

Offene Forderungen: So kommen Sie zu Ihrem Geld

Recht

Compliance-Regeln: Worauf es in der Praxis ankommt

Recht

Sommerhitze im Büro: Das sind Ihre Rechte