Coronavirus: Passagier-Rechte bei Flugausfällen und Umbuchungen

Fluglinien streichen im Lichte des Coronavirus immer mehr Flüge. Die Rechte der Passagiere bezüglich Umbuchung, Kostenerstattung und Ausgleichszahlungen haben.

Coronavirus: Passagier-Rechte bei Flugausfällen und Umbuchungen

Das Coronavirus hat die Luftfahrtbranche schwer getroffen. Zahlreiche Fluglinien haben auf Beschränkungen im Flugverkehr und in der Folge auf die Rückgänge beim Passagieraufkommen mit der Streichung von Flügen reagiert. Alleine bei der Austrian (AUA) sind im März von Wien nach Mailand, Venedig, Bologna, Florenz, Rom und Neapel sowie bis Ende April Peking, Shanghai und Teheran betroffen (siehe Artikel: Reisefrust: Coronavirus trifft Luftfahrt-Branche und Aktien).

Der ÖAMTC rät nun allen Reisenden, die Flüge in betroffene Destinationen gebucht haben, sich rasch mit der jeweiligen Fluglinie oder dem entsprechenden Reisebüro in Verbindung zu setzen. Aufgrund weiterer möglicher Flugausfälle auch in andere Destinationen ist den Passagieren außerdem zu raten, sich vor einer Reise zu erkundigen, ob der jeweilige Flug planmäßig durchgeführt wird oder ob gegebenenfalls eine Umbuchung erforderlich ist.

Viele Airlines nehmen in dem Fall auch per E-Mail mit den Reisenden Kontakt auf, weshalb auch die entsprechenden Posteingang-Ordner sowie vorsichtshalber auch die Spam-Ordner überprüft werden sollten.

Kostenfreie Umbuchung oder Annullierung

"Passagiere, die bereits Flüge in diese Destinationen gebucht haben, sollten sich rasch mit der Airline oder dem Reisebüro in Verbindung setzen", rät ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. "Gemäß den EU-Fluggastrechten müssen Passagieren im Fall einer Annullierung eine kostenfreie Umbuchung angeboten oder – wenn der Flug hinfällig geworden ist – die Ticketkosten rückerstattet werden."

Das Recht auf Umbuchung oder Erstattung des Ticketpreises besteht allerdings nicht, wenn der Passagier den Flug von sich aus storniert - gleich aus welchen Gründen.

Zusätzlich zu den Ticket-Kosten können im Falle eines Flugstornos die anteiligen Steuern und Gebühren zurückgefordert werden. Die Arbeiterkammer bietet auf ihrer Website einen Musterbrief zur Rückforderung von Steuern und Gebühren bei Stornierung einer Flugreise an.

"Außergewöhnlicher Umstand"

Ob den Flugpassagieren darüber hinausgehende Ausgleichszahlungen zustehen, ist fraglich oder wäre der Juristin zu Folge im Einzelfall zu prüfen. Dabei wäre unter anderem der Zeitpunkt der Information über die Flugannullierung relevant: Die Airline entgeht der Pflicht der Ausgleichszahlung, wenn sie die Passagiere nachweislich mehr als zwei Wochen vor dem Flugdatum persönlich über die Annullierung informiert hat.

Auch in diesem Fall ist eine Information per E-Mail ausreichend.

Keine Ausgleichszahlungen müssen geleistet werden, wenn eine Annullierung auf "außergewöhnliche" Umstände zurückzuführen ist, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. Solche Umstände muss das Luftfahrtunternehmen wiederum nachweisen, beispielsweise anhand von Ereignismeldungen.

"Ob die Corona-Epidemie allein als 'außergewöhnlicher' Umstand gilt, ist aber sehr fraglich. Dass sich das Virus mittlerweile weltweit verbreitet, bedeutet noch nicht, dass die Airline sich generell für jeden Flugausfall damit entschuldigen kann", betont Pronebner. "Die Airline wird sich unter Berufung auf 'außergewöhnliche' Umstände nur von der Ausgleichszahlung befreien können, wenn der Flug in ein betroffenes Gebiet führt, für das eventuell sogar eine Reisewarnung des Außenministeriums vorliegt oder gar der anzufliegende Flughafen gesperrt ist und trotz der Bemühungen der Airline keine Alternative möglich war."

Die Regelungen aus dem Flugverkehr gelten auch für Bahn- oder Linienbusreisende auf Strecken von mehr als 250 Kilometer Länge.

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