Brustimplantate: Urteil gegen Hersteller PIP gefällt

Implantate von PIP sollen Krebs erzeugen. Regressforderungen sind schwierig, denn der Hersteller ist pleite.

Implantate von PIP sollen Krebs erzeugen. Regressforderungen sind schwierig, denn der Hersteller ist pleite.

Ein Berufungsgericht in Frankreich bestätigt Entscheidung des Erstgerichts: Silikon-Implantate-Hersteller PIP ist schuldig, krebserregende Implantate hergestellt zu haben. Doch PIP ist insolvent. Österreicherinnen können nur einen Teil des Schadens abgegolten erhalten.

Im Strafprozess rund um Brustimplantate des französischen Herstellers PIP wurden in Aix en Provence die Schuldsprüche des Erstgerichts bestätigt. Der Gründer von PIP, Jean-Claude Mas, wurde wegen vorsätzlicher Täuschung und Betrug für schuldig erkannt und zu vier Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Vier leitende Angestellte erhielten (teil-) bedingte Haftstrafen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Entschädigung bis zu 3.000 Euro

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI), der 69 Geschädigte aus Österreich beim Verfahren in Frankreich vertritt, begrüßt die Berufungsurteile und wird nach Rechtskraft der Urteile Schadenersatzansprüche bei einem französischen Fonds für Verbrechensopfer anmelden. So kann zumindest bis zu einem Höchstbetrag von 3.000 Euro für die Österreicherinnen Entschädigung erlangt werden.

Mit 69 Frauen ist die Gruppe der Österreicherinnen die größte Gruppe ausländischer Frauen, die sich dem französischen Strafverfahren gegen PIP angeschlossen haben. In Summe geht es für die österreichischen Geschädigten um rund 570.000 Euro, erklärte der VKI.

"Die Entscheidung des Berufungsgerichts ist für die betroffenen Frauen zunächst einmal eine Genugtuung. Es zeigt, dass Praktiken wie bei PIP nicht ungestraft bleiben", meinte VKI-Juristin Ulrike Wolf, die gemeinsam mit der französischen Rechtsanwältin Sigrid Preissl-Semmer die Urteilsverkündung in Aix-en-Provence mitverfolgte.

Die aus den mangelhaften Prothesen entstandenen Schäden könnten die Betroffenen gegen den Hersteller geltend machen. Doch PIP ist insolvent. Aus heutiger Sicht sei für die Geschädigten dort nichts zu holen, erläuterte der VKI.

Antrag über Fonds SARVI

Nach Rechtskraft der Entscheidungen können die Geschädigten über den französischen Fonds SARVI (Service d"aide au recouvrement en faveur des victimes d'infractions) Anträge auf Entschädigung einbringen. Da sich die Täter als vermögenslos deklariert hatten, bleibt nur dieser Weg, um zumindest einen Teil des Schadens ersetzt zu bekommen.
"SARVI ersetzt Höchstbeträge bis zu 3.000 Euro. Bei Schadenssummen, die sich im Einzelfall zwischen 4.000 und 20.000 Euro bewegen, ist das zwar nur ein Teil, aber jedenfalls mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", wurde Ulrike Wolf in der VKI-Aussendung zitiert.

Die Zivilverfahren des VKI gegen den Haftpflichtversicherer der PIP – die Allianz Versicherung in Paris – und gegen den TÜV Rheinland (Deutschland) und TÜV Frankreich, die die Implantate zertifizierten, sind dagegen weiterhin anhängig.

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