Behördenverfahren: Malaysien effizienter als Österreich

Behördenverfahren: Malaysien effizienter als Österreich

Semerit-Boss Fahnemann findet, dass Österreichs Behörden mit jenen von Malaysien nicht mithalten können: "Wie ein Rennen eines VW Golf gegen einen Ferrari"

Semperit-Vorstand Fahnemann ärgert sich über die langwierigen Prüf- und Bewilligungsverfahren in Österreich und erklärt warum in Zukunft immer mehr Werke in Billiglohnländern zusperren werden und wieder in Europa angesiedelt werden.

Thomas Fahnemann, Chef des Kautschuk- und Kunststoffproduzenten Semperit in Wimpassing erhöht den Druck auf die Politik, die Unternehmen bei Genehmigungsverfahren durch langwierige Verfahren zu entlasten. „Ein Behördenvorgang, der in Österreich zwei Jahre braucht, wird in Malaysia in drei Monaten abgehandelt“, so Fahnemann im Interview mit dem Industriemagazin.

"Wie ein Rennen eines VW Golf gegen Ferrari"

Der Grund dafür sei jedoch keineswegs, dass es in dem südostasiatischen Staat für ein Industrieunternehmen keine Prüf- und Bewilligungsverfahren gäbe oder diese lax gehandhabt würden, wie man mutmaßen könnte, im Gegenteil: „Eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Malaysia ist sogar schärfer als eine in Österreich“, erklärt Fahnemann. In dem tropischen Land, wo Semperit zurzeit die weltweit größte und modernste Fabrik zur Produktion von medizinischen Handschuhen hochfährt, würden Behörden- und Genehmigungsverfahren deutlich schneller ablaufen. „Das ist wie ein Rennen eines VW Golf gegen einen Ferrari“, zieht Fahnemann einen Vergleich, der dem Amtsschimmel in Österreich kein gutes Zeugnis ausstellt. Es glaubt, das es ein leichtes wäre durch Beschleunigte Prüfverfahren die Attraktivität des Standortes Wimpassing deutlich zu steigern, ohne dass die Prüfqualität leiden würde.

Hoffnung für Europa als Industriestandort hat er dennoch. "Die Rückkehr vieler abgewanderter Industriezweige wird durch die Digitalisierung und Automatisierung passieren und beschleunigt", so Fahnemann. Der Grund: Der Faktor Arbeit würde an Bedeutung verlieren,Personalkosten zu einem vernachlässigbarem Faktor. Die günstigen Kosten für Logistik sind derzeit zwar noch ein Grund für Fabriken weit weg von Europa, doch das werde sich in Zukunft aufgrund steigender Klimaschutzvorgaben ändern, ist Fahnemann überzeugt.

Semperit AG beschäftigt weltweit 7.000 Mitarbeiter


Die Semperit AG Holding erzeugt an weltweit 22 Produktionsstandorten Untersuchungs- und Operationshandschuhe, Hydraulik- und Industrieschläuche, Fördergurte, Rolltreppen-Handläufe, Bauprofile, Seilbahnringe und Produkte für den Eisenbahnoberbau. In Österreich beschäftigt das Unternehmen im Werk Wimpassing und in Wien mehr als 800 Mitarbeiter, global sind es über 7.000. Im ersten Geschäftshalbjahr 2016 hat die Semperit AG Holding einen Umsatz von 439 Millionen Euro erwirtschaftet. Das war ein Minus um drei Prozent gegenüber 2015.

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