El-Gawhary: „Ägypten ist gefährlicher geworden“

Die TPA Horwath lud im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Face-to-Face“ ORF-Nahost-Korrespondenten Karim El-Gawhary zum Talk ins Wiener Palais Todesco. Lesen Sie, wie Ägypten nach dem Arabischen Frühling seiner Einschätzung nach da steht, welche Fehler Europa im Nahen Osten gemacht hat, wie man Flüchtlingen begegnen sollte und für welche Flüchtlingspolitik er plädiert.

Gastgeber Leopold Brunner, TPA Horwath und Nahost-Experte Karim El-Gawhary bei der Veranstaltungsreihe Face-to-Face.

Gastgeber Leopold Brunner, TPA Horwath und Nahost-Experte Karim El-Gawhary bei der Veranstaltungsreihe Face-to-Face.

Karim El-Gawhary, Nahost-Experte, ORF Korrespondent und Journalist des Jahres 2013 schilderte bei der Veranstaltungsreihe des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens TPA Horwath seine Einschätzungen und Erfahrungen zum Thema „Völker auf der Flucht – eine Zerreißprobe für die Politik“.

In Ägypten heute wirtschaftlich schlechtere Situation als 2011

Über die Auswirkungen des Arabischen Frühlings in Ägypten meinte El-Gawhary: „Seit fünf Jahren erlebt Ägypten eine Achterbahnfahrt“. Er schätzt die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation Ägyptens heute deutlich schlechter ein als vor dem Arabischen Frühling. Die Zukunft des Landes sei schwer zu prognostizieren: „Ich kann nicht einmal sagen, wie es in Ägypten in sechs Monaten aussehen wird.“ El-Gawhary erzählte, dass sein Job seit dem politischen Umsturz schwieriger und gefährlicher geworden ist. Aber nicht nur für ihn als Journalisten ist die aktuelle Situation in Ägypten heikler und angespannter, sondern für die gesamte Bevölkerung.

Europa Teil des Problems

Fehler sieht er auch in Europa, was die Konflikte in der arabischen Welt betrifft. „Europa ist immer auch Teil des Problems.“ Europa habe viel zu lange Diktaturen in der arabischen Welt unterstützt. Sei es nun mit militärischen Waffen oder mit finanziellen Mitteln, weil Europa „seine Tankstelle“ brauche.

Flüchtlingsstrom richtig managen

Die Frage sei nicht, wie man die sogenannte Flüchtlingswelle stoppen könne, sondern wie
Europa gedenkt, diese zu managen. Europa müsse reagieren und sich dieser Aufgabe stellen und zwar gemeinsam. Es ist kein österreichisches, deutsches oder italienisches Problem – es ist ein europäisches und globales Problem, so El-Gawhary. Er übte vor allem Kritik an der nicht vorhandenen europaweiten und globalen Solidarität. Es gäbe derzeit „eine Krise der Flüchtlingspolitik“, so El-Gawhary.

„Flüchtlingen nicht von oben herab begegnen“

Für die erfolgreiche Integration braucht es seiner Einschätzung nach vor allem Bildung, Sprache und Toleranz. „Flüchtlinge sind oft Menschen mit dramatischen Einzelschicksalen, denen man auf Augenhöhe begegnen sollte und nicht von oben herab“, plädiert El-Gawhary.

Renommierte Gäste als Zuhörer

An der Diskussion im Anschluss und beim Netzwerken beteiligten sich unter anderem Ex-Golfprofi Markus Brier, Bruno Demol, Eurofoam, Christine Dietz, Binder Grösswang Rechtsanwälte, Wolfgang Fischer, Wiener Stadthalle, Norbert Griesmayr, VAV Versicherung, Ex-ORF Nachrichtensprecher Gerald Groß, gross:media, Helmut Hardt, Wiener Privatbank, Claudia Steegmüller, Taylor Wessing, Walter Thiem, Müller Martini Eastern Europe, Günther Thumser, Henkel Central Eastern Europe, Hans Zavesky, Schrack Seconet.

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