WKÖ-Vizepräsident Roth: "Unternehmer sind keine One-Man-Show"

WKÖ-Vizepräsident Roth: "Unternehmer sind keine One-Man-Show"

WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth

Im Team zu arbeiten und Verantwortung für eine Gruppe zu übernehmen - das sind nur zwei Aspekte, die Schülerinnen und Schüler bei "Schule macht Wirtschaft" lernen. WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth weiß, worauf die Jugendlichen bei der Gründung eines Unternehmens achten müssen.

trend: Als Partner von "Schule macht Wirtschaft" animiert die Wirtschaftskammer Schüler dazu, im Rahmen des Unterrichts ein Unternehmen zu gründen. Mit Erfolg?
Jürgen Roth: Wir haben es geschafft, Unternehmergeist und Wirtschaftswissen stärker in den Schulen zu verankern. Das Projekt "Junior-Schülerinnen und Schüler gründen Unternehmen" ist deutlich bekannter als früher. Trotzdem ist jetzt nicht die Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Wir möchten die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft weiter stärken.

Kann man Unternehmertum tatsächlich in der Schule erlernen oder muss man es nicht vielmehr im Blut haben?
Roth: Ich glaube fest daran, dass man Unternehmergeist lernen kann. Genau das machen wir ja mit unseren Projekten: Wir unterstützen die Kinder und Jugendlichen dabei, ihre Ideen umzusetzen, und geben ihnen dabei wertvolle Tipps. Die nötige Leidenschaft ist aber eine große Hilfe, denn selbstständig zu sein erfordert viel Ausdauer, Zeit und Energie. Deswegen ist es ganz wichtig, dass man mit Herz und Seele sein eigenes Projekt vorantreibt. Unternehmertum zu lernen ist, wie eine Sprache zu lernen: Je früher man sich damit auseinandersetzt, desto besser. Ich persönlich finde es aber immer wieder faszinierend, wie professionell die Beiträge der Junior Companys bei den Wettbewerben schon sind. Die können sich sehen lassen und durchaus mit "den Großen" messen.



Wer früh auf eigenen Beinen steht und in der Welt zurechtkommt, kann alles erreichen.

Welche Skills lernen die Jugendlichen bei "Schule macht Wirtschaft", um später selbst zu diesen "Großen" zu gehören?
Roth: Sie lernen vor allem Selbstständigkeit. In der heutigen Welt ist das ganz wichtig: Denn wer früh auf eigenen Beinen steht und in der Welt zurechtkommt, kann alles erreichen. Die Kinder können aber auch ihre Kreativität entfalten, indem sie ihre eigenen Ideen in die Tat umsetzen. Das finde ich das Schönste am Unternehmersein. Trotzdem sind Unternehmer keine One-Man- oder One-Woman-Show. Die Kinder lernen, im Team zu arbeiten und Verantwortung für sich und eine Gruppe zu übernehmen. Und zu guter Letzt beschäftigen sich unsere jungen Unternehmer auch mit ihrem beruflichen Werdegang, was ebenfalls eine wertvolle und wichtige Erfahrung ist.

Auf welche Herausforderungen müssen sich die Unternehmer von morgen vorbereiten?
Roth: Die Digitalisierung verändert unser Leben, nicht nur im Privatbereich, auch die Arbeitswelt. Die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens hängt davon ab, ob es sich in diesem Umfeld, das von ständigem Wandel geprägt ist, anpassen und neu erfinden kann. Flexibel zu sein wird also immer wichtiger. Da hilft es Unternehmern, wenn sie offen für neue Erfahrungen und Herangehensweisen sind. Auch Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung sind komplexe Themen, denen sich alle stellen müssen. Wenn ein Unternehmen Probleme in diesen Bereichen löst, genießt es einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Und auch die klassischen unternehmerischen Tugenden wie Mut, Risikobereitschaft und die Bereitschaft, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen, werden in Zukunft wichtig bleiben und wohl noch wichtiger werden.

Start-ups sind in aller Munde, und es macht den Eindruck, dass jeder den schnellen Erfolg haben kann. Doch worauf müssen junge Gründer achten?
Roth: Die Kunden möchten, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung ein Problem löst oder ihnen ganz einfach Freude bringt. Deswegen muss immer der Nutzen im Vordergrund stehen. Ich rate den Jugendlichen daher immer, dass sie mit möglichst vielen Menschen über ihre Ideen sprechen. Holt euch so viel Feedback wie möglich! Sucht einen Partner und behaltet immer auch die Finanzen im Auge. Wenn die Qualität stimmt, kommen die Kunden und vor allem bleiben sie dann auch.

Oft bleiben die Kunden aber auch aus. Wie kann man solche schwierigen Zeiten überstehen?
Roth: Ein Unternehmen muss Qualität bieten, egal ob es Produkte herstellt oder eine Dienstleistung anbietet. Das zeichnet das österreichische Unternehmertum aus. Gerade auch im internationalen Vergleich sind wir ein gefragter Partner, weil wir mit Qualität punkten. Deswegen haben wir so viele Nischenplayer. Das Ziel ist es, als Unternehmen zu überzeugen und anderen Menschen Nutzen zu bringen.

Wie profitieren die Schüler von den Unternehmern der Wirtschaftskammer, welche die Aktion begleiten?
Roth: Schülerinnen und Schüler erhalten im Gespräch mit Unternehmen Tipps aus dem unternehmerischen Alltag, hilfreiche Dos and Don'ts, Ideen zur Produktentwicklung oder Produktgestaltung, Feedback bei den Präsentationen oder Hilfe bei der Kalkulation. So lernen Schüler, die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser zu verstehen, und gewinnen wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt. Unternehmer wiederum profitieren von den frischen Perspektiven der Jugendlichen, von deren inspirierenden Ideen. Vielleicht lernen sie sogar zukünftige Mitarbeiter kennen und erweitern ihr regionales Netzwerk.

Ihre drei wichtigsten Tipps an die Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen?
Roth: Lösungen für bestehende Probleme vieler Menschen zu finden, gehört zu den erfolgreichsten Konzepten für eine Neugründung. Dazu zählt auch die Verbesserung von bestehenden Produkten, Dienstleistungen oder Services. Wichtig ist es, von Anfang an die Kunden und User miteinzubeziehen, die ihr Feedback inzwischen in Echtzeit geben. Denn wer Verbesserungspotenzial erkennt, kann daraus neue Ideen entwickeln. Der Glaube an die eigene Idee ist dabei unerlässlich. Entscheidend dabei ist, dass man sich nicht beirren lässt und an seinen Visionen festhält. Probiert also eure Ideen aus, anstatt euch gar nicht erst zu trauen. Denn auch die Erfahrung des Scheiterns kann unglaublich lehrhaft sein. Und natürlich brauchen wir alle die nötige Ausdauer und Motivation. Denn das Unternehmertum kann sehr intensiv sein -man muss lieben, was man tut! Das ist ein ganz wesentlicher Schritt zum Erfolg.



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