Was für Manager 2018 auf der Agenda steht

Was für Manager 2018 auf der Agenda steht

Eine Onlinebefragung von Führungskräften zeigt, welche Themen aktuell die Topthemen für Manager sind und wo sie in Sachen Führung der Schuh drückt.

Als Berater und Unternehmer - er gründete einst die auf Kunden-und Mitarbeiterbefragungen fokussierte Eucusa - beschäftigt sich Harald Preyer seit Langem mit Feedbacksystemen. "Angesichts steigender Veränderungsdynamik müssen Befragungsergebnisse und Feedback heute sofort transparent und sichtbar sein, damit Ergebnissen vertraut wird und sofort Aktionen gesetzt werden können", sagt der Experte. Genau das setzt er in seinem neuen Unternehmen, der Beratergruppe Resonanz, mit seinen Partnern um. Mit einem von ihnen, Konrad Breit, der das System "More than Checks" für quantitatives und qualitatives Realtime Feedback via Web entwickelte, hat Preyer diesen Ansatz nun auch für eine neuartige Onlinebefragung von Führungskräften eingesetzt.

Harald Preyer und Konrad Breit

Harals Preyer (l.) und Konrad Breit (r.) erheben mit ihrem Onlinebefragungstool praktisch in Echtzeit die großen Themen und aktuellen Probleme der heimischen Führungskräfte.

Für dieses "Management-Echo", dessen Ergebnisse künftig auch im trend publiziert werden, kooperiert der Netzwerker Preyer mit dem Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF), dem größten unabhängigen Managernetzwerk Österreichs mit rund 3.000 Mitgliedern. Gleich in der ersten Auflage nehmen sich Preyer und Breit darin einer Reihe von brisanten Themen an, die in Managementzirkeln derzeit intensiv diskutiert werden. Hier einige der markantesten der von ihnen erhobenen Ergebnisse:

  • Ganz oben auf der Agenda der heimischen Führungskräfte im Jahr 2018 steht natürlich das Thema Digitalisierung mit einem Wert von 7,9 auf einer zehnteiligen Skala. Doch schon unmittelbar hinter diesem nunmehr voll angelaufenen, wohl umfassendsten Prozess der jüngeren Managementhistorie reihen sich als Dauerbrenner die Themen Kundengewinnung (7,53) und Kundenloyalität (7,52) praktisch gleichwertig ein. Mit Organisationsentwicklung (7,39) und Prozessoptimierung (7,38) folgen zwei weitere Punkte, die keinesfalls Moden oder kurzfristige Trends darstellen, sondern zu den Fixsternen im Managementuniversum gehören.
  • Am meisten störend bei ihrer Arbeit beurteilen fast die Hälfte aller befragten Manager, dass Mitarbeiter zu wenig Eigeninitiative zeigen würden. Mehr als ein Drittel beklagen in dieser Hinsicht unklare strategische Ausrichtung sowie Konsequenzlosigkeit bei Fehlverhalten. Ein knappes Drittel stößt sich insbesondere an einer verdeckten Kommunikationskultur in ihren Unternehmen.
  • Ein schlechtes Zeugnis für die Meetingkultur in den Unternehmen stellen die Rückmeldungen auf die Frage dar, wie viel Zeit sich durch Verbesserungen im Besprechungswesen einsparen ließe. Knapp 34 Prozent, so lautet die auf einen Durchschnittswert heruntergebrochene Einschätzung. Dabei sehen die meisten Manager zumindest zehn bis dreißig Prozent Einsparungspotenzial. Für rund ein Fünftel der Führungskräfte sieht es sogar so aus, dass etwa die Hälfte oder sogar noch mehr der Zeit in Sitzungen sinnlos vertan wird. "Meetingkultur ist ein ganz großes Thema in der Organisationsentwicklung", bestätigt Preyer. Aus seiner Beratungspraxis weiß er, dass schon ein paar kurze Fragen wie "Gibt es eine Meetingagenda?", "Wie sitzen Sie?", "Sitzen Sie unabhängig vom Zweck des Meetings immer gleich?" oder "Gibt es ein Protokoll?" häufig bereits eine gute Diagnose ermöglichen, und bietet mit seinem Unternehmen im Rahmen der Organisationsentwicklung auch auf diesem Gebiet Lösungs-und Verbesserungsansätze auf Basis innovativer Technologien an.
  • Großen Entwicklungsbedarf , bezogen auf ihre eigene Zunft, sehen die Manager beim Gestalten von Veränderungsprozessen. "Mut zur Veränderung, darum geht es, nicht so sehr um Methoden", kommentiert Preyer. Das ist auch jene Qualität, die neben emotionaler Intelligenz und Fokussierung auf das Wesentliche am häufigsten bei den Führungsqualitäten der Zukunft genannt wird. Als besonders entwicklungsfähig und -bedürftig in eigener Sache schätzen die Führungskräfte auch die Faktoren "Klartext sprechen" sowie die Übereinstimmung von Worten und Taten an.
  • 28 Prozent der Führungskräfte sind fehl am Platz - das sagen die Manager über ihre Kollegen beziehungsweise über die übrigen Führungsebenen in ihren eigenen Unternehmen. Ein harsches Urteil? Die Befragten sind offenbar ein kritisches Publikum, und zwar nicht nur beim Blick auf ihre Kollegen in den Führungsetagen, sondern auch bei sich selbst: Auf die Frage "Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie von Ihren Mitarbeitern als Führungskraft weiterempfohlen werden" ergibt sich ein Net Promotor Score (NPS; Kennzahl für die Weiterempfehlungsrate) von exakt null. Im Klartext: Genau gleich viele Manager halten das für äußerst wahrscheinlich und für unwahrscheinlich. Globale Toparbeitgeber erreichen einen NPS von 73.
Zeitproblem: "Etwa die Hälfte der Zeit wird sinnlos in Sitzungen vertan."

Zeitproblem: "Etwa die Hälfte der Zeit wird sinnlos in Sitzungen vertan."

Weitere Informationen: www.resonanz.wien


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 10/2018 entnommen.

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