Was passiert, wenn der Chef freiwillig auf sein Gehalt verzichtet?

Was passiert, wenn der Chef freiwillig auf sein Gehalt verzichtet?

Dan Price, Mit-Gründer und CEO von Gravity Payments, verzichtete auf sein Millionengehalt, um jedem seiner Mitarbeiter mindestens 70.000 Dollar zu bezahlen. Damit hat er eine breite Diskussion losgetreten, inwiefern Geld motiviert und ob Profit als einziges Unternehmensziel ausgedient hat.

„Mein Ziel ist es, ein winziger Teil einer Revolution in der Businesswelt zu sein, die darin besteht, dass Unternehmen sich nicht mehr an Gier und Gewinn ausrichten, sondern an Werten und dem Nutzen für die Menschheit“, sagt Dan Price. Im Jahr 2015 kündigte der CEO von Gravity Payments an, in den kommenden drei Jahren jedem seiner Mitarbeiter mindestens 70.000 Dollar pro Jahr zu zahlen und im Ausgleich dafür sein eigenes Gehalt von über einer Million auf 70.000 Dollar zu senken. Auf die Idee sei er gekommen, als ein Mitarbeiter ihm vorgeworfen habe, er zocke ihn ab und denke nur an Profit. Zudem erlebte er im eigenen Freundeskreis, dass Menschen, die ebenso hart arbeiteten wir er, nicht wussten, wie sie finanziell über die Runden kommen sollten: „Die Gehälter unserer geringer bezahlten Mitarbeiter waren eine Bürde für mich.“

Ja, Geld macht glücklich - bis 75.000 Dollar

Als er sich über ein angemessenes Gehalt für seine Mitarbeiter Gedanken machte, erinnerte sich Price nach eigenen Angaben an eine Princeton-Studie von Angus Deaton und Daniel Kahneman aus dem Jahr 2010, wonach die magische Zahl für Wohlbefinden und Glück bei 75.000 Dollar Einkommen pro Jahr liege. Ein noch höheres Gehalt wirke sich nicht mehr stark auf die emotionale Gesundheit aus. „Manche Leute dachten, ich sei verrückt, als ich ihnen davon erzählte. Aber aus meiner Sicht hatte das alles einen positiven Einfluss – nicht nur auf unser Geschäft, sondern auch auf die Gesellschaft“, so Price.

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Die Zahlen des Unternehmens, die unter anderem ein Forscherteam der Harvard Business School untersucht, können sich sehen lassen: Die durchschnittliche Mitarbeiterzufriedenheit ist von 8,1 auf 9 von 10 gestiegen, sagt Dan Price, der kürzlich von seinen Mitarbeitern einen neuen Tesla als Dankeschön erhielt. „Natürlich war nicht jeder glücklich“, gibt der Gründer und CEO zu bedenken. Zwei Mitarbeiter seien gegangen, da sie störte, dass neue Leute genauso viel verdienten wie sie als langjährige Mitarbeiter. Inzwischen habe das Unternehmen jedoch eine so niedrige Fluktuationsrate wie nie zuvor: minus 18,8 Prozent im Vergleich zum sechs-Jahres-Durchschnitt. „Unser Team hat einen starken Unternehmergeist und wir konnten die Veränderungen meistern, ohne Servicequalität einzubüßen.“

Transparenz schafft Vertrauen

Probleme, sich an einen neuen Lebensstil zu gewöhnen, hatte Price offensichtlich nicht: „Die Geschäftsführergehälter in Amerika sind ein Witz,“ sagt er. Er habe kein so hohes Gehalt zum Leben gebraucht. Die Summe entspreche den vermeintlichen Kosten, um den CEO zu ersetzen.

„Meine Vorstellung von Transparenz geht weit über das Gehalt hinaus“, führt Price weiter aus. Eine Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2015 habe ergeben, dass 68 Prozent der Beschäftigten nicht wirklich engagiert bei der Arbeit seien. Um das zu ändern, gelte es, das Vertrauen der Belegschaft zu gewinnen und die Wahrheit zu sagen. „Unternehmen müssen heute generell transparenter werden.“ Über seine Erfahrungen mit dem eigenen Team, den Kritikern und Nachahmern und wie Dan Price noch zum Wandel der Businesswelt beitragen möchte, berichtet er in seinem Vortrag „What I learned from my Million-Dollar Pay Cut” am Mittwoch, 19. Oktober 2016, um 15 Uhr (mit Live-Übersetzung) auf der Messe Zukunft Personal in Köln.

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