Warum es digitale Talente in den Finanzbereich zieht

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastkommentar von Stefan Leber, Horváth & Partners Österreich über die Digitalisierung in den Unternehmen, die infolge der Corona-Krise eine ungeahnte Dynamik bekommen hat.

Thema: Management Commentary
Warum es digitale Talente in den Finanzbereich zieht

Lockdown, Home Office und Videokonferencing sind nur die sichtbarsten Veränderungen. Einigermaßen überraschend sind die Folgen für den künftigen Arbeitsmarkt. Geht es nach den Führungskräften, so wird sich der Finanzbereich zu einem noch attraktiveren Arbeitsplatz entwickeln.

„Wo Geld ist, da ist der Teufel“, heißt es in einem deutschen Sprichwort. Doch „wer mit dem Teufel speist, braucht einen langen Löffel“. Es sind vor allem die digitalen Skills, die jetzt gebraucht werden und bei etablierten Finanzern oft noch fehlen. Denn mit der Digitalisierung wird die Steuerung der Finanzagenden nicht nur effizienter und qualitativ besser, sondern auch komplexer. Das wird den Finanzbereich auch zu einem attraktiveren Arbeitsplatz machen, sagen zwei von drei Führungskräften.

Gutes Klima, ansprechende Herausforderungen, digitale Kompetenzen – das dürfte vor allem jungen Talenten gefallen, die ins Berufsleben starten. Sie haben den Vorteil, dass sie mit den neuen Apps & Tools aufgewachsen sind und nicht mehr davor zurückschrecken, wenn Innovationen beim ersten Anlauf fehlschlagen. Trial & Error gehören mit zum digitalen Geschäft. Dass sich Mut zum Erfolg und Risiko zu Scheitern in der Bezahlung niederschlagen müssen, versteht sich von selbst.

Treiber der Transformation

Vier wesentliche Faktoren stehen hinter dem Transformationsdruck hin zum digitalen CFO und Finanzbereich. Diese zentralen Treiber sind es auch, die „Digital Nerds“ am meisten anlocken, weil sie wissen – da bleibt kein Stein auf dem anderen, das ist eine echte Chance, sich bei etablierten Finanzern durchzusetzen.

Es zählt dabei für die Talente

  1. die Datenverwertung
  2. die damit veränderte Unternehmenssteuerung,
  3. den weiter wachsenden Effizienzdruck
  4. die veränderten Rollen und Kompetenzen.

Kurzum: Disruption und Change Management am laufenden Band – und da mitzuwirken sind junge Talente ja durchaus bereit.

Was Datenspezialisten wissen

Was in früheren Jahrzehnten die Vertriebsleute waren, sind heute die Datenspezialisten – unverzichtbar für den Erfolg eines Unternehmens, und damit wohl bald auch deutlich besser bezahlt. Schon während ihrer Studien- und Ausbildungszeit konnten die Neueinsteiger ja spielend damit lernen und umgehen, Daten recherchieren, sammeln und verwerten. Daten an sich haben ja keinen Wert, erst durch ihre unternehmens- und wertschöpfungsübergreifende Speicherung, Sortierung, Verknüpfung und Steuerung werden sie relevant.

Das wissen digitale Talente nur zu gut: Werthaltige Daten und ihre intelligente Aufbereitung sind die beste Voraussetzung für das Management, die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn auch die Unternehmenssteuerung wird künftig gänzlich anders funktionieren, nicht mehr reaktiv-analytisch, sondern vermehrt proaktiv-prognostizierend. Algorithmenbasierte Datenauswertung, Machine Learning und künstliche Intelligenz etwa sind neue Methoden, um Geschäftsentwicklungen vorherzusagen und in die Zukunft gerichtete Entscheidungen vorzuschlagen. Dazu braucht man digitales Know-how.

Wie sich Routinen verändern

Doch mit den verbesserten Data Science Möglichkeiten wird auch der Effizienzdruck in den Unternehmen weiter steigen. Das bedeutet: Routineprozesse werden radikal verschlankt, Entscheidungsregeln weiter standardisiert. Der Aktivitäten-Split von bisher manuellen Arbeiten hin zu roboter- bzw. algorithmenbasierten Tätigkeiten wird zunehmen. Freiwerdende Ressourcen können damit abgebaut oder in wertschöpfendere Prozesse überführt werden.

Klar ist, dass damit auch die Rollen und Kompetenzen im Finanzbereich andere werden – was wiederum jungen Talenten zugute kommt. Zur Bewältigung der
digitalen Transformation braucht es ein Arbeitsumfeld, in dem sie ihre digitalen Fähigkeiten und ihr technologisches Wissen einbringen und erweitern können. Neue Rollenprofile wie „Data Science“ werden im Finanzbereich aufgebaut, während bestehende Rollen wie „Governance“ ausgeweitet werden, um einheitliche Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung zu schaffen.

Fazit: Intelligente Unternehmen nutzen die Digitalisierung gezielt für sich, digitale Talente im künftigen Arbeitsmarkt aber auch. Es muss im Interesse beider Seiten sein, die Voraussetzungen für ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Datenspezialisten wie Finanzverantwortliche im Sinne des Unternehmens erfolgreich agieren können. Grundvoraussetzung dafür ist eine digitale Strategie und Roadmap, im Idealfall ganzheitlich und zielbildorientiert.



Der Autor


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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