Vorstandsetagen: Männerclubs mit weiblicher Staffage

Vorstandsetagen: Männerclubs mit weiblicher Staffage

Desaströser Frauenanteil: Nur neun von 186 Vorständen in den WBI-Unternehmen sind Frauen.

Trotz aller Diskussionen um Frauenquoten sind weibliche Führungskräfte in Österreich immer noch eine Seltenheit. Dem Mixed Leadership Barometer des Beratungsunternehmens EY zufolge ist der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der börsenotierten Unternehmen Österreichs weiter zurückgegangen.

186 Vorstandsmitglieder gibt es in den 63 im Wiener Börsen Index (WBI) gelisteten Unternehmen. Und nur neun davon sind Frauen. Der Anteil der Frauen in den Vorstandsetagen dieser Unternehmen ist damit gegenüber dem Vorjahr weiter zurückgegangen. Anfang 2019 liegt der Frauenanteil bei nur noch bei 4,8 Prozent.

„In Österreich gibt es weiterhin keine Fortschritte auf dem Weg zu einem ausgewogenen Verhältnis von Frauen und Männern in den Chefetagen. Im Gegenteil, die Anzahl der weiblichen Vorstände ist hierzulande sogar wieder gesunken. Frauen sind in heimischen Vorständen immer noch die Ausnahme“, kommentiert Helen Pelzmann, Partnerin und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich, das ernüchternde Resultat der neuesten Mixed Leadership Barometer Analyse des Beratungsunternehmens. Ihr Schluss daraus: Österreichs Unternehmen schaffen es trotz des gesetzlichen Auftrags, im Corporate Governance Code anzugeben, welche Maßnahmen zur Förderung von Frauen im Vorstand, Aufsichtsrat und in den leitenden Stellungen der Gesellschaft gesetzt wurden, nicht gut und schnell genug, talentierte Frauen in die oberste Etage zu bringen.

Standortfaktor

Pelzmann warnt, dass der insgesamt immer noch geringe Frauenanteil in den Top-Etagen der heimischen Wirtschaft zu einem Problem für den Standort Österreich werden kann – dann nämlich, wenn er die Innovationsfähigkeit der österreichischen Unternehmen beeinträchtigt: „Es mag zunächst etwas anstrengender sein, in gemischten, heterogenen Teams zu arbeiten – aber das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sichtweisen, Ideen und Fähigkeiten führt eben auch oft zu neuen Lösungen, zu mehr Innovationskraft und wird so auch ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg. Zudem werden jene Unternehmen, die keine Frauen in Führungspositionen setzen, für Frauen immer unattraktiver werden und daher den Kampf um die besten Köpfe, der künftig aufgrund des demografischen Wandels immer härter werden wird, verlieren“, so Pelzmann.

Helen Pelzmann, EY Österreich

Helen Pelzmann, EY Österreich: "Unternehmen ohne Frauen in Führungspositionen werden verlieren."

Die meisten Frauen gibt es aktuell in den Chefetagen von Handelsunternehmen, wo ihr Anteil bei 14 Prozent liegt. An zweiter und dritter Stelle folgen die IT- (11 Prozent) und Finanzbranche (10 Prozent). Keine einzige Vorständin gibt es in den im WBI gelisteten Unternehmen, die den Branchen Automobil, Energie, Immobilien, Rohstoffe, Telekommunikation und Transport zugeordnet werden.

Immerhin drei der insgesamt neun Frauen in Vorstandsetagen leiten das jeweilige Unternehmen auch als CEO: Herta Stockbauer bei der BKS Bank, Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller Gurktaler und Elisabeth Stadler bei der Vienna Insurance Group. Fünf Frauen stehen dem Finanz-Ressort vor.

Frauen im Aufsichtsrat

Etwas besser steht es um den Frauenanteil, in den Aufsichtsräten. Dort zeigt die verpflichtende Frauenquote Wirkung. Seit dem 1. Jänner 2019 liegt die gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten bei 30 Prozent. "Allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht, mehr als jedes vierte verpflichtete Unternehmen, also sieben von 25, erfüllt die Frauenquote noch nicht“, beklagt Pelzmann. Die Folge: Der Anteil der Frauen in den WBI-Aufsichtsräten liegt aktuell bei 23,2 Prozent.

Am höchsten ist der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder derzeit in der Telekommunikationsbranche (33 Prozent), aus der allerdings nur ein Unternehmen, die Telekom Austria, im WBI notiert ist. Ähnlich hoch ist der Anteil in der Finanz- (30 Prozent), Energie- (28 Prozent) und Transportbranche (26 Prozent).

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