Universitäten wollen Doktoratsstudien beschränken

Universitäten wollen Doktoratsstudien beschränken

Universitäten wollen bessere Betreuung von weniger Doktoranden.

Österreichs Universitäten wollen eine generelle Zugangsbeschränkung für Doktoratsstudien, derzeit gibt es diese nur bei PhD-Studien. Die Unterscheidung zwischen Doktorat und PhD-Studium soll in Zukunft fallen.

Aktuell unterscheidet das Universitätsgesetz (UG) zwischen Doktoratsstudien und "PhD-Doktoratsstudien". Während bei letzteren qualitative Zulassungsprüfungen vorgeschrieben werden dürfen (allerdings keine zahlenmäßige Beschränkung), sind in die "normalen" Doktoratsstudien alle Absolventen eines facheinschlägigen Diplom-oder Masterstudiums aufzunehmen. Künftig sollen "alle Doktorats-Curricula unter Berücksichtigung der vertikalen Durchlässigkeit des Hochschulsystems qualitative Zulassungsbedingungen vorschreiben können", heißt es in einem Positionspapier der Universitätenkonferenz (uniko). Die Unterscheidung solle "nicht länger aufrechterhalten werden", heißt es

Doktorat: Fokus Forschung

Im Doktoratsstudium selbst soll es dafür dann eine stärkere Konzentration auf den Forschungsaspekt und mehr Unterstützung geben. Die Curricula müssten dem Umstand Rechnung tragen, "dass Doktoratsstudien zu einem wesentlichen und großen Teil aus dem Dissertationsprojekt bestehen, welches stets individuellen Charakter hat". Es wird daher empfohlen, in den Studienplänen "ein geringes Ausmaß an zu absolvierenden Lehrveranstaltungen festzulegen und den Hauptteil des Arbeitspensums im Verfassen der Dissertation bzw. im Erstellen des Dissertationsprojekts festzulegen".

Weniger Doktoranden = bessere Betreuung

Die Unis müssten die Doktoranden außerdem als "Early Stage Researchers" bzw. (bei künstlerischen Studien) "Early Stage Artists" ansehen. "Es muss Aufgabe der Universitäten sein, Sorge dafür zu tragen, dass keine Doktorandin und kein Doktorand aufgrund mangelhafter Betreuung das Studium abbricht. Diese Verantwortung können Universitäten nur wahrnehmen, wenn es ihnen ermöglicht wird, dem internationalen Standard entsprechend nach Qualitätskriterien eine Auswahl zu treffen."

Qualitätssicherung und finanzielle Unterstützung geplant

Dazu soll es eine laufende Qualitätssicherung bei der Dissertation geben - von der Betreuungszusage über eine Dissertationsvereinbarung, Fortschrittsberichte, Betreuerentwicklung, flankierende Maßnahmen bis zur Ermöglichung von Mobilität etwa durch Auslandsaufenthalte. Außerdem sollen die Doktoranden in eine Gruppe von (Senior) Peers integriert werden, also im relevanten Forschungsgebiet tätige Wissenschafter. Schließlich sollten die Dissertanten während ihres Doktoratsstudiums auch finanziert werden - die zusätzlichen Mittel seien "von staatlicher Seite zur Verfügung zu stellen".

Unis wollen wieder Alleinrecht an Doktoraten

In Sachen Doktorat wollen sich die Universitäten grundsätzlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen: Erneut spricht sich die uniko im Positionspapier "entschieden gegen eine Aufhebung der Unterschiede innerhalb des Hochschulsektors aus". Zuletzt hatten die Fachhochschulen für sich auch das Promotionsrecht eingefordert.

"Das Promotionsrecht ist das Proprium der Universitäten", formuliert die uniko. Sie seien "aufgrund ihrer Profilierung in der Forschung/Entwicklung und Erschließung der Künste und ihrer entsprechenden Infrastruktur für Forschung/Entwicklung und Erschließung der Künste in der Lage, international übliche Qualitätsstandards zu gewährleisten". Die Wahrnehmung des Promotionsrechts zähle "zu unseren Kernaufgaben und ist ein klares Alleinstellungsmerkmal der Universitäten", so uniko-Präsidentin Sonja Hammerschmid in einer Aussendung. Kooperationen mit anderen Einrichtungen beim Doktoratsstudium sollen zwar möglich sein - eine Verpflichtung dazu lehnt die uniko aber ab.

Fachhochschulen und das Doktorat

Die Österreichische Fachhochschul-Konferenz verweist dahingegen zum wiederholten Male auf die Notwendigkeit von extern akkreditierten Doktoratsprogrammen an Fachhochschulen, um es dem angewandt forschenden akademischen Sektor zu ermöglichen, auch sein Lehr- und Forschungspersonal qualifiziert weiterzubilden.

Die Fachhoschulen fordern in einer Aussendung Chancengleichheit für angewandte Forschung gegenüber klassischen Universitäten und einheitliche Rahmenbedingungen.

Die Fachhochschulkonferenz hält dem dem geforderten Alleinrecht an Doktoratsstudien entgegen, dass sowohl das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria), die Donauuniversität Krems – eine Weiterbildungsuniversität ohne grundständige Studien - wie auch die Privatuniversitäten neben den öffentlichen Universitäten bereits Doktoratsstudien anbieten und es daher schon längst kein Alleinstellungsmerkmal der öffentlichen Universitäten mehr ist.

Qualitätssicherung für alle

Die Fachhochschulen fordern künftig zumindest die Chance ein, Doktoratsprogramme zur Akkreditierung einzureichen. So soll gewährleistet werden, dass eine wertfreie Beurteilung durch neutrale Experten darüber erfolgt, ob diese in der Lage sind, entsprechend hochqualitative Doktoratsprogramme zu etablieren. Es stellt sich dann jedoch auch die Frage, warum die Doktoratsstudien der Universitäten im Sinne der Qualitätssicherung nicht ebenso ein externes Verfahren obligatorisch durchlaufen müssen.

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