2020: Die Trends im Recruiting und bei Gehältern

2020: Die Trends im Recruiting und bei Gehältern

Spannungsfeld Rekruting: Die Digitalisierung fordert bei der Einstellung neuer Mitarbeiter mehr Zusatzqualitfikationen, bei gleichzeitig geringerer Auswahl.

Mit welchen zusätzlichen Angeboten Unternehmen neue Mitarbeiter erfolgreich rekrutieren und langfristig bindet. Worauf es beim Einstellungsverfahren im Kampf um Fachkräfte verstärkt ankommt. Welche Jobs in Finanz- und IT-Abteilungen besonders gefragt sind und für welche am meisten gezahlt wird.

2020 spitzt sich nach Ansicht von Personalrekruter Robert Half der Kmapf um Fachkräfte weiter zu. Personaldienstleister Robert Half, größter Personaldienstleisters für Fach- und Führungskräfte präsentiert in einer aktuellen Studie die Trends beim Recruiting, worauf es Unternehmen bei der Auswahl von Mitarbeitern im Finanz- und Rechnungswesen und in der IT-Branche derzeit besonders ankommt, welche Fehler beim Recruiting-Verfahren generell gemacht werden, was Mitarbeitern im Job wichtig ist, die gefragtesten Jobs in diesen Branchen im Finanz- und Rechnungswesen und in der IT-Branche und was je nach Ausbildung und Erfahrung gezahlt wird.

Stellensuchende haben die Wahl
Dass die Nachfrage nach Jobs größer als das Angebot belegt auch eine Studie unter Bürofachkräften. So haben laut einer Robert Half Studie unter 500 Bürofachkräfte in Österreich 36 Prozent aller Bewerber bei der letzten Jobsuche oft oder immer mehr als ein Stellenangebot bekommen. Der große Bedarf und zu wenig verfügbare Mitarbeiter, etwa bei IT-Fachkräfte und bei Mitarbeitern in Finanzabteilungen lassen die Gehälter seit Jahren steigen. Dieser Trend wird sich laut Robert Half auch 2020 fortsetzen. 71 Prozent der von Robert Half befragten Teilnehmer der Gehaltsstudie glauben, es wird in den kommenden fünf Jahren etwas oder sogar deutlich schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden

Rasche Antwort wird erwartet
Wie wettbewerbsintensiv der Markt um Kandidaten ist, zeigt die Studie unter 500 Büroangestellten ebenso: Mehr als die Hälfte der Bewerber erwartet, innerhalb von zwei Wochen nach einem Vorstellungsgespräch eine Antwort. "Geschieht das nicht, ist der Wunschkandidat mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit anderen Unternehmen im Gespräch", weiß Emine Yilmaz, Direktor bei Robert Half Wien. Eine gute Planung des Einstellungsprozesses und das frühzeitige Einholen von internen Genehmigungen und das Festlegen von Verhandlungsspielräumen sei daher notwendig.


Immer häufiger springen im Rekrutierungsprozess selbst vermeintlich sichere Kandidaten im letzten Moment ab

stellt Sven Hennige, Europa-Chef des Personalrecruiters Robert Half fest. Kunden des Personalprofis berichten vermehrt von Bewerbern, die nicht erscheinen oder wenige Tage nach dem Einstieg wieder kündigen, weil sie ein attraktiveres Angebot erhalten haben. "Umso wichtiger werden Maßnahmen der Unternehmen, die das verhindern. Bewerber entscheiden sich für einen Arbeitgeber, der eine Marke geschaffen hat, eine Vision hat, zukunftsfähig ist und dem Job einen Sinn verleiht", weiß Hennige.


Ein weitere Herausforderung für Unternehmen, die immer öfter dazukommt: Die Wechselbereitschaft qualifizierter Fachkräfte hat stark zugenommen. "Somit steht die Mitarbeiterbindung mittlerweile ganz oben auf der Agenda von Unternehmen", so Hennige.

Anforderungen an Mitarbeiter steigen - deren Jobauswahl steigt
Es gibt gerade bei qualifiziertem Person eine hohe Nachfrage, die oft zwischen mehreren Jobangeboten wählen können. "Arbeitgeber müssen deshalb deutlich mehr Aufwand betreiben, um Wunschkandidaten von sich zu überzeugen. Gleichzeitig stehen sie vor der Schwierigkeit, Kandidaten mit den geeigneten Fähigkeiten und dem entsprechenden Potenzial zu finden, damit sie auch in neue Rollen hineinwachsen können", erläutert Personalvermittler Yilmaz.

Zahl der neuen Berufe wird in kurzer Zeit stark steigen
Steigende und neue Anforderungen an den Beruf wird zudem die Zahl der Berufe steigen lassen. Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums, wird die Zahl der neu entstehenden Berufe weltweit von 16 Prozent auf 27 Prozent ansteigen.

Was zählt, um Mitarbeiter zu gewinnen und halten zu können
Besonders qualifizierte Fachkräfte mit digitalen Kompetenzen sind schwer zu finden. Sie sind besonders wichtig, da die Digitalisierung zunehmend in alle Unternehmensbereiche einzieht. Während größere Unternehmen Spielraum für Gehaltserhöhungen haben, können kleinere und mittelständische Unternehmen mit Flexibilität und Kreativität punkten. „Flexible Arbeitszeiten stehen bei Fach- und Führungskräften hoch im Kurs. Neben einer ausgeglichenen Work-Life-Balance sind für Mitarbeiter aber auch Rentenpakete, Fortbildungsmöglichkeiten und gesundheitsfördernde Programme wichtig", sagt Robert Half Direktor Yilmaz. So sehen 41 Prozent der Angestellten in Österreich flexible Arbeitsbedingungen als einen der Hauptgründe für ihre Jobzufriedenheit. Es wird auch erwartet, dass Fortbildungsprogramme in den Joballtag integriert werden. Als Reaktion hierauf setzen Unternehmen vermehrt auf On-the-Job-Trainings – gerade für neue Mitarbeiter.


Unternehmen, die kein flexibles Arbeiten oder Home-Office anbieten, können sich am Großteil des Kandidatenmarktes nicht mehr bedienen

Top 5 Faktoren für Zufriedenheit im Job
Eine weltweite Arbeitsmarktstudie von Robert Half zeigte auch, dass gute Beziehungen am Arbeitsplatz und ein guter Mix an Mitarbeitern zu den wichtigen Faktoren zählt, die die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöht. An oberster Stelle steht für 58 Prozent eine interessante Aufgabe (58 Prozent), gutes Teamwork (54 Prozent), Bezahlung stimmt (46 Prozent), flexible Arbeitsbedingungen (41 Prozent) und sinnvolle Tätigkeit (27 Prozent). 20 Prozent der Mitarbeiter haben einen Job ausgeschlagen, weil das angebotene Gehalt zu niedrig war.

Strikte Einstellungskriterien abschaffen
Die bei Einstellungen geforderten Qualifikationen ändern sich jedoch schneller als je zuvor. "Eine erfolgversprechende Personalauswahl muss laut Studie nicht nur die momentanen Fähigkeiten berücksichtigen, sondern zunehmend auf das Potenzial eines Kandidaten achten. Vermittler Robert Half empfiehlt daher strikte Einstellungskriterien abzuschaffen und durch ein Mindset zu ersetzen, das die Weiterbildung talentierter Kandidaten fördert. So vergrößert sich die Anzahl möglicher Bewerber und verkürzt den Einstellungsprozess deutlich.

Trend 2020: Spezialisierung und Soft Skills
Finanz- und IT-Abteilungen agieren im Unternehmen vernetzter mit anderen Abteilungen als je zuvor. Sie müssen nahtlos mit anderen Bereichen zusammenarbeiten. Daher achten Unternehmen bei der Einstellung darauf, dass neue Mitarbeiter zur Unternehmenskultur passen. Diese legen deshalb besonders Wert auf Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und Flexibilität. Bei Finanzexpertin wird neben reinen Zahlenjonglieren zudem auch immer mehr Geschäftssinn und auch emotionale Intelligenz wichtiger.

Diese Finanz-Jobs sind am begehrtesten
In der Finanzbranche am gefragtesten sind derzeit laut der Gehaltsstudie von Robert Half Bilanzbuchhalter, Controller, Lohn- und Gehaltsbuchhalter, Steuerexperten und Debitoren-/Kreditorenbuchhalter.

Spezielle Software-Kenntnisse erforderlich
Mit der Digitalisierung geht aber auch eine Spezialisierung der Fachkräfte einher. In den Finanz-Abteilungen sind vor allem Fachkräfte mit Erfahrung in SAP, IFRS und Steuern gefragt. Im IT-Bereich zählen Software-, Java- und Web-Entwickler zu den am häufigsten gesuchten Experten. „Spezialisierung wird 2020 zu einem Kernthema, denn sowohl Finanz- als auch IT-Projekte werden zunehmend komplexer“, sagt Yilmaz. „Die Unternehmen benötigen dafür Spezialisten mit Erfahrung. Das dafür benötigte Fachwissen wird dann auch entsprechend honoriert.“

Diese IT-Fachkräfte sind am gefragtesten
In der Rangliste der am stärksten gesuchten Techniker stehen IT-Security, IT-Management, Business Intelligence, Data Management und IT-Netzwerke am weitesten oben. Bei ihren Kenntnissen zählen vor allem Systemintegration, Softwarentwicklung, iOS/Android, Windows 10, Windows Server und Active Directory.

Projektarbeiten stärker gefragt
In Hinblick auf die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt steigt im Finanz- und Rechnungswesen die Nachfrage nach zeitlich befristeten Projektmitarbeitern.

Interne Prüfer werden derzeit von Firmen für Jobs in der Finanz- und Rechnungswesen-Abteilung im Schnitt in Österreich am besten entlohnt. In IT-Abteilungen liegen Systembetreuer bei Gehältern am weitesten vorne. In die Gehaltsberechnungen nicht eingerechnet wurden Boni, Benefits und andere Zusatzleistungen, da diese stark variieren. Diese sind laut Studie jedoch wichtige Anreize, um Top-Kandidaten zu überzeugen. Angaben sind in Brutto-Jahresgehälter.

Was die Perzentil-Gehaltsstufen bedeuten

Die Angaben der Gehaltsstudie werden in Perzentile unterteilt. Lesen Sie was das jeweilige Perzentil bedeutet. Welches Gehalt für welche Bewerber welcher Qualifikation und Berufserfahrung angemessen ist.

Die Markteinschätzung erfolgt anhand der Erfahrung der Personalberater von Robert Half. Zudem wurden in mehreren repräsentativen Arbeitsmarktstudien weltweit über 6.075 Führungskräfte und 251 Bürofachkräfte aus Österreich von einem Marktforschungsinstitut zu Arbeitsmarkt- und Karrieretrends befragt.

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