Studie: Millenials und Generation Z als Krisenverlierer

Die Einkommen der 20- bis 39-Jährigen sind seit der Wirtschaftskrise 2008 hinter denen der seither Älteren zurückgeblieben. Die demographische Entwicklung und die Corona-Pandemie lasten weiter auf den Schultern der jüngeren Generationen.

Studie: Millenials und Generation Z als Krisenverlierer

Jüngere Menschen der Millennial Generation sind überproportional von den jüngsten Wirtschaftskrisen und ihren Folgen betroffen: In sieben von neun untersuchten europäischen Ländern, darunter Österreich, sanken oder stagnierten die Einkommen der heute 20 bis 39 Jahre alten Millennials seit der Wirtschaftskrise 2008. Gleichzeitig profitierten ältere Personen von steigenden Erwerbsquoten und höheren Pensionen. Die Corona-Pandemie und die bevorstehenden Pensionierungen der "Baby Boomer" verschärfen das Problem weiter, auch für die Generation Z.

Zu diesen für die jüngeren Generationen wenig aufbauenden Ergebnissen kommen die Wiener Demographen und Ökonomen Bernhard Hammer und Alexia Prskawetz (Österreichische Akademie der Wissenschaften / TU Wien) und Sonja Spitzer von der Universität Wien in ihrer Studie "Age-Specific Income Trends in Europe: The Role of Employment, Wages, and Social Transfers", die im Fachjournal "Social Indicators Research" veröffentlicht wurde.

Jüngere fallen zurück

Die Folgen der sich immer weiter öffnenden Gehaltsschere: Aufgrund der zunehmend schwierigen Situation für die junge Bevölkerung sehen die Forscher auch langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft und verweisen etwa auf die im gleichen Zeitraum stark gestiegenen Immobilienpreise. Der Erwerb eines Eigenheims und der Aufbau von Vermögen würden dadurch für junge Menschen immer schwieriger. Stagnierende oder sinkenden Einkommen gingen auch mit hohen Armutsrisiko von jungen Erwachsenen und ihren Familien einher.

Üblicherweise werden Wirtschaftskrisen anhand des Bruttoinlandsproduktes (BIP) untersucht. "Doch dieses Maß sagt wenig über die mittelfristige Entwicklung der Haushaltseinkommen aus und vor allem nichts über Unterschiede zwischen Altersgruppen", erklärt Studienautor Bernhard Binder-Hammer vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Deshalb hat er gemeinsam mit Sonja Spitzer von der Uni Wien und Alexia Fürnkranz-Prskawetz von der Technischen Universität (TU) Wien basierend auf EU-Statistiken die altersspezifische Einkommensentwicklung von 2008 bis 2017 analysiert und auch die Gründe für die Unterschiede angesehen.

Europaweite Bürde

In der Analyse zeigten sich länderübergreifende Trends: In Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Schweden, Slowenien und Spanien haben sich die Einkommen der 20- bis 39-Jährigen ungünstiger entwickelt als jene der 40- bis 59-Jährigen und der über 60-Jährigen. Dagegen sind in Estland und Polen die Einkommen der jüngeren Jahrgänge relativ zur älteren Bevölkerung gestiegen.

Dabei sind die Unterschiede beachtlich. In Italien etwa sind die durchschnittlichen Einkommen der 20- bis 39-Jährigen um 17 Prozent gesunken, jene der 40- bis 59-Jährigen gingen um neun Prozent zurück. Dagegen konnte sich die Generation 60-plus über einen Einkommenszuwachs von vier Prozent freuen. Ganz ähnlich war die Entwicklung in Spanien . In Griechenland haben alle Altersgruppen verloren, die 20- bis 39-Jährigen allerdings mit minus 43 Prozent viel mehr als die über 60-Jährigen (minus 24 Prozent).

In Österreich sind zwischen 2008 und 2017 die Einkommen sowohl der 20- bis 39-Jährigen als auch der 40- bis 59-Jährigen stagniert, während jene der über 60-Jährigen um elf Prozent stiegen. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch in Frankreich und Slowenien . In Schweden haben die 20- bis 39-Jährigen um vier Prozent mehr verdient, die beiden älteren Altersgruppen konnten sich dagegen um 16 bzw. 14 Prozent mehr Geld am Konto freuen.

Ursachen der Entwicklung

Als Hauptursachen für diese altersspezifischen Unterschiede in der Einkommensentwicklung nennen die Wissenschaftler in ihrer Arbeit drei Gründe: Die Beschäftigungsquoten und das Einkommen der 20-39-Jährigen gingen zurück oder stagnierten. Dagegen stiegen die Erwerbsquoten in den beiden älteren Altersgruppen. Zudem kam es zu einem starken Anstieg der Sozialleistungen für die über 60-Jährigen. Dabei sei der Anstieg von Beschäftigung und Einkommen in der älteren Bevölkerung hauptsächlich auf eine höhere Erwerbsbeteiligung und höhere Pensionen für Frauen zurückzuführen.

Die Verluste bzw. den geringeren Zuwachs beim Einkommen der jüngeren Generation führen die Experten darauf zurück, dass die Einstiegsgehälter und Lohnsteigerungen für Neuankömmlinge auf dem Arbeitsmarkt weniger großzügig seien. Ältere Arbeitnehmer seien davon weniger stark betroffen. Zudem seien Transfereinkommen wie Pensionen von kurz- und mittelfristigen Einkommensentwicklungen unabhängig. In Griechenland, Italien und Spanien würden hohe Arbeitslosenzahlen unter der jüngeren Bevölkerung das Durchschnittseinkommen zusätzlich belasten.

Bei den über 60-Jährigen sehen die Forscher die Hauptgründe für das Einkommensplus in steigenden Erwerbsquoten und steigenden Pensionen. Von beiden Effekten profitieren dabei Frauen stärker als Männer.

Düsterer Ausblick

Die wirtschaftliche Situation beeinflusst aber auch die demographische Entwicklung. Die Forscher haben daher die Altersgruppe der jüngeren Bevölkerung, also die 20- bis 39-Jährigen, so definiert, dass sie jene Lebensphase repräsentieren, in der üblicherweise Haushalte und Familien gegründet werden. "Wenn es die ökonomische Situation nicht zulässt, werden das Ausziehen aus dem Elternhaus und die Gründung einer Familie aufgeschoben", so Binder-Hammer. Die Forscher sehen darin einen maßgeblichen Grund für die niedrige Geburtenraten in südeuropäischen Ländern.

Die Wissenschaftler sehen auch keinen Silberstreif am Horizont für die Einkommenssituation der Jüngeren: Der Pensionsantritt der Baby-Boomer erfordere hohe und möglicherweise steigenden Beiträge zum Sozialsystem. Und auch von der Corona-Pandemie erwarten sie überproportionale Belastungen für junge Menschen: "Für viele junge Europäer verschlimmert die Pandemie ihre ohnehin schon prekäre wirtschaftliche Lage", schreiben sie in ihrer Arbeit.

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