Studie: CEOs wechseln immer häufiger den Job

Studie: CEOs wechseln immer häufiger den Job

Besonders in der Finanzwirtschaft gibt es eine hohe Wechselquote von Vorstandsvorsitzenden.

Die CEO-Fluktuation im deutschsprachigen Raum steigt, Grund dafür ist die volatile Finanzwirtschaft. Laut „CEO-Success“-Studie von Strategy& sorgt zudem die technologische Disruption für neue, externe Kandidaten im Top-Management.

Trotz der stabilen Wirtschaft mussten im vergangenen Jahr mit einer Fluktuationsquote von knapp 17 Prozent deutlich mehr Vorstandsvorsitzende der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihren Hut nehmen als mit 10,3 Prozent im Vorjahr. Die Veränderungen in den Toppositionen der 2500 größten börsennotierten Unternehmen weltweit untersuchte die „2015 CEO Success“-Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PricewaterhouseCoopers (PwC).

Der deutschsprachige Raum liegt damit im weltweiten Durchschnitt (16,7 Prozent), während Westeuropa insgesamt eine höhere Quote von 18 Prozent aufweist. Knapp ein Drittel dieser CEO-Demissionen wurden vor Ablauf der vertraglich fixierten Amtszeit initiiert, beispielsweise wegen mangelnder wirtschaftlicher Performance. Die restlichen Neubesetzungen erfolgten in dieser Region wie geplant aufgrund auslaufender Verträge (58 Prozent) oder aufgrund von Übernahmen bzw. Fusionen (10 Prozent).

Als besonders volatil erwies sich 2015 allerdings die Finanzwirtschaft, die mit einer Wechselquote von 21 Prozent mehr als jeden fünften der in der Studie untersuchten Vorstandsvorsitzenden aus dem Bank,- Finanz- und Versicherungswesen austauschte.

Österreich hat die internationalsten Geschäftsführer

Die neuen CEOs im deutschsprachigem Raum waren zum Amtsantritt 49 Jahre alt und damit im Vergleich zum internationalen Median von 53 Jahren mit Abstand die jüngsten. Darüber hinaus waren sie auch die internationalsten, denn jeder dritte neue CEO der untersuchten deutschsprachigen Blue-Chips hat eine andere Nationalität als das Unternehmen, dem er vorsteht.

In Österreich sind es sogar 66 Prozent, während der Schnitt weltweit bei lediglich 17 Prozent und in den USA sowie Kanada bei 15 Prozent liegt. In Japan und China stammen nur drei bzw. 6 Prozent der neuen CEOs aus einem anderen Ursprungsland. Zudem haben 44 Prozent der neuen CEOs im deutschsprachigen Raum vor dem Sprung an die Spitze langjährige Auslandserfahrung in operativen Funktionen gesammelt. Im globalen Schnitt können das nur 28 Prozent von sich behaupten.

Auch erhöhte sich 2015 die durchschnittliche Verweildauer der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz leicht. Hier bleiben Vorstandsvorsitzende im Mittel 6,3 Jahre (2014: 6,0 Jahre) im Amt. In Westeuropa liegt dieser Wert bei 5,5 Jahren und im weltweiten Schnitt bei 7,5 Jahren. Im langjährigen Vergleich haben sich die Amtszeiten der CEOs im deutschsprachigen Raum allerdings klar verkürzt, so lag sie vor zehn Jahren noch bei 8,3 Jahren.

Technologische Disruption begünstigt Outsider-CEOs

Die Studie beleuchtet zudem den aktuellen Trend, dass Aufsichtsräte für die Spitzenjobs zunehmend externe Kandidaten („Outsider“) wählen. So beriefen die Aufsichtsräte im deutschsprachigen Raum 2015 immerhin 33 Prozent externe Kandidaten. „Insbesondere in Industrien, deren Geschäftsmodelle derzeit von einer technologischen oder strukturellen Disruption in Frage gestellt werden, schlägt aktuell die Stunde der externen Kandidaten“, so Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer von Strategy& Österreich.

„Weltweit setzen derzeit vor allem Unternehmen im Telekommunikations- und Gesundheitsbereich, sowie Energieversorger auf neue, externe CEOs, um den anstehenden strategischen Herausforderungen von der Digitalisierung bis zu staatlichen Regulierungen besser und vor allem kompromissloser begegnen zu können. Zudem fordern aktivistische Investoren konsequent die Einbindung in strategische Entscheidungen und forcieren über aktiv gemanagte Aufsichtsratsmandate den Trend zu externen CEOs, um eingefahrene Strukturen aufzubrechen.“

Daneben überzeugt aber auch die wirtschaftliche Performance der Outsider: Bereits das dritte Jahr in Folge können Unternehmen mit einem externen CEO an der Spitze jene Unternehmen die ‚interne‘ CEOs beschäftigen, im weltweiten Vergleich der Unternehmenswert- und Dividendenentwicklung deutlich abhängen.

Weibliche CEOs bleiben Ausnahmeerscheinung

Deutschsprachige Konzerne haben ihre ambitionierten Zielvorgaben für Frauen in Senior Management Positionen im vergangenen Jahr drastisch verfehlt: So sank die Quote der mit Kandidatinnen nachbesetzten CEO-Posten bei den deutschsprachigen Konzernen von 10,3 Prozent in 2014 auf die homöopathische Dosis von 2,2 Prozent. Der Anteil weiblicher Vorstandsvorsitzender, die 2015 auf eine Topposition berufen wurden, war jedoch nicht nur in der deutschsprachigen Region, sondern auch weltweit mit 2,8 Prozent äußerst überschaubar.


In den USA und Kanada erreichte die Quote weiblicher CEOs sogar im dritten Jahr in Folge einen neuen Tiefpunkt: Unter den 87 in dieser Region neu ins Amt berufenen CEOs war 2015 lediglich eine Frau. „Während deutsche Konzerne beispielsweise bei der Besetzung der Aufsichtsräte die gesetzlich geforderte Frauenquote teilweise bereits heute übererfüllen, bleiben sie auf Vorstands- und CEO-Ebene offensichtlich deutlich hinter ihren Möglichkeiten“, so das Fazit von Hölbling. „Mit dieser äußerst defensiven Diversity-Strategie auf Vorstands- und CEO-Ebene provozieren die Konzerne geradezu eine staatliche Regulierung und verschenken vor allem das enorme strategische Potenzial von gemischten Führungsteams.“

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