ifo-Studie: Bildung zahlt sich aus - nicht für Generation 50plus

ifo-Studie: Bildung zahlt sich aus - nicht für Generation 50plus

Schnell studieren, schnell Geld einsammeln, um genug vom Baren ab 50 auf der hohen Kante zu haben - weil es dann gehaltsmäßig abwärts geht.

Das Bildungsniveau ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Das Einkommen steigt ebenso mit jedem höheren Bildungsabschluss um bis zu 64 Prozent. Allerdings: Bei den Über-50-Jährigen sinkt das durchschnittliche Einkommen - trotz hervorragender Bildung und Erfahrung.

Die gute Nachricht zuerst: Bildung wirkt sich auf das Gehalt geradezu als Turbo: zwischen 22 und 64 Prozent kann das Einkommen mit jedem höheren Bildungsabschluss gesteigert werden. Aber auch mit Blick auf die Chancen am Arbeitsmarkt zahlt sich der Aufwand für die Bildung aus. Das Risiko der Arbeitslosigkeit soll durch Bildung ebenso deutlich gesenkt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des ifo-Instituts München im Auftrag von Union Investment.

Die schlechte Nachricht: Wer 50 Jahre und älter ist hat gehaltsmäßig wenig zu lachen. Die 50plus-Generation, die noch ein gutes Drittel ihres Arbeitslebens eigentlich noch vor sich hat, muss mit durchschnittlich sinkendem Einkommen kämpfen. Ursache die Einkommenseinbuße ist vor allem die Verabschiedung der Über-50-Jährigen in den Vorruhestand. Die These, dass das Einkommen steigt, je höher die Bildung, wird bei dieser Altersgruppe durchbrochen.

„Dieser Effekt ist nicht nur bei gutverdienenden Akademikern festzustellen, die sich ein frühes Ausscheiden aus dem Berufsleben leisten können“, sagt ifo-Institut-Professor Ludger Wößmann. Diese Entwicklung sei überraschend, weil die Annahme vieler Beitragszahler entkräftet wird, dass sich das Einkommen bis kurz vor der Rente auf mindestens gleichem Niveau wie mit 50 Jahren bewegt. Bei der Planung der Altersvorsorge bliebe dieser denkbare Effekt meist unberücksichtigt.

Doch Bildung kostet nicht nur Zeit und Engagement, sondern auch Geld, wie die Studienautoren bekräftigen. Und gerade hier gibt es noch großen "Handlungsbedarf" vor allem bei Familien, die ihren Kindern eine gute Ausgangsposition für das Berufsleben schaffen wollen.

„Bildung und Wohlstand gehen Hand in Hand“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. "Doch das Sparen für eine bessere Bildung ist in vielen Familien allerdings noch kein Thema." Um für die Zeit nach dem 50. Lebensjahr die Einkommenseinbußen halbwegs auszugleichen, heißt es vorzusorgen.

Die in Deutschland durchgeführte Studie zeigt, dass das Bildungsniveau deutlich angestiegen ist. Der Anteil der 18- bis 65-jährigen Hochschulabsolventen hat sich demnach in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht. Die Zahl der Menschen mit einer Berufsausbildung hat ebenso kräftig zugenommen. Der Anteil der 18- bis 65-Jährigen ohne Berufsabschluss wurde zwischen den Jahren 1976 und 2013 mehr als halbiert (von 38 Prozent auf 16 Prozent). Gleichzeitig stieg der Anteil der Personen mit einer Lehre/Berufsausbildung um sechs Prozentpunkte auf 57 Prozent.

Bildung als Arbeitslosenversicherung

Bildung senkt laut ifo-Studie auch deutlich das Risiko der Arbeitslosigkeit. Während die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei Menschen ohne eine Berufsausbildung in den vergangenen knapp 40 Jahren um mehr als das Vierfache auf 19 Prozent gestiegen ist, nahm sie bei Menschen mit Lehre und Berufsabschluss nur von rund drei auf knapp sieben Prozent zu.

Bei Universitätsabsolventen erhöhte sich die Arbeitslosenquote am moderatesten von 1,5 Prozent auf 2,5 Prozent. „Bildung senkt das Arbeitslosigkeitsrisiko deutlich und ist daher die beste Arbeitslosenversicherung. Bildung ist mehr denn je die Grundvoraussetzung für beruflichen Erfolg“, sagt ifo-Institut-Professor Wößmann.

Die lohnenden Kosten für Bildung

Obwohl ein Großteil des deutschen Bildungssystem im Vergleich zu anderen Ländern vom Staat gratis zur Verfügung gestellt werden, würden privaten Aufwände (wie Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe) meist unberücksichtigt bleiben. „Man spart zwar allgemein für die Kinder – aber die Ausbildung oder das Studium haben dabei die wenigsten vor Augen“, sagt Union Investment Vorstand Reinke. Immerhin beliefen sich die durchschnittlichen Kosten eines Studiums auf rund 30.000 Euro.

Daher Reinkes Rechnung: Wer 100 Euro monatlich in einen Fondssparplan einzahlt, erzielt bei einem Ertrag von vier Prozent nach 18 Jahren einen Betrag von 31.441 Euro und damit mehr als die Summe, die das Studium eines Kindes heute kostet.

Der Zeit- und Kostenaufwand für die Ausbildung in eine höhere Qualifikation schreckt aber immer noch viele Menschen aber. Was aber zu kurz gedacht ist. Laut ifo-Studie liegt das Lebenseinkommen mit einer abgeschlossenen Lehre durchschnittlich 143.000 Euro netto über dem von Menschen ohne Berufsausbildung. Gegenüber einer Ausbildung erzielt ein Meister oder Techniker durchschnittlich 129.000 Euro netto mehr, ein Fachhochschulabsolvent 267.000 Euro und ein Universitätsabsolvent 387.000 Euro.

Der programmierte Millionär

Stellt man die zunächst durch ein Studium entgangenen Einnahmen den späteren höheren Einkommen gegenüber, so lässt sich eine Ertragsrate auf die Investition in ein Studium berechnen. Diese beträgt für einen Hochschulabschluss (Fachhochschule und Universität) auf dem ersten und zweiten Bildungsweg jeweils rund zehn Prozent. „Bei einem Studium werden die aufgewendeten Studienkosten über das gesamte Erwerbsleben mit durchschnittlich zehn Prozent im Jahr verzinst“, sagt ifo-Professor Wößmann. Er rät mit dem Studium "frühzeitig anzufangen und es straff durchzuziehen", was schließlich auch zu einem höheren Lebenseinkommen führt. Pro gespartem Jahr erhöht sich das Einkommen laut Wößmann um durchschnittlich rund 20.000 Euro“.

Gravierende Unterschiede gibt es freilich bei Akademikern und Nichtakademikern sowie unterschiedlichen Berufszweigen. Nicht jedes Studium ist per se lohnender als etwa der Weg über eine Lehre zum Meister oder Technikerabschluss. „Wir beobachten deutliche Unterschiede bei den Einkünften zwischen den Berufszweigen und der Studienrichtung“, sagt Wößmann. Rein vom Einkommen betrachtet sind bei den Akademikern die Mediziner die Bestverdiener. Ein Mediziner verdient über das gesamte Erwerbsleben durchschnittlich bis zu 983.000 Euro mehr als ein Mensch mit Lehrabschluss. Ein Absolvent im Bereich Sozialarbeit kommt gegenüber einem Menschen mit Lehre nur zu einem Plus von 20.000 Euro.

Auch bei einer Meister- oder Technikerausbildung gibt es erhebliche Unterschiede. So kann das Lebenseinkommen eines Meisters mit gut laufendem Betrieb das eines Hochschulabsolventen deutlich übersteigen. Auch regional und geschlechterspezifisch unterscheiden sich die Erträge zum Teil deutlich.

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