Strategien für den Mittelstand: Neue Führungsaufgaben

Viele Unternehmen stellen derzeit ihre gesamte Strategie auf den Prüfstand - auch und gerade im Mittelstand. Dabei zeigt sich: Nachhaltige Erfolgsstrategien bedeuten weit mehr als das Erfüllen bloßer Kennzahlen.

Strategien für den Mittelstand: Neue Führungsaufgaben

Veränderungen beginnen im Kopf. Gerade im Management, das eine besondere Vorbildwirkung hat, gilt es daher, bei Paradigmenwechseln Signale zu setzen. Denn in Krisenzeiten trennt sich die Spreu vom Weizen - daher sind Führungskräfte besonders gefordert. Sie müssen Managementqualitäten zeigen und dürfen selbst unter schwierigsten Rahmenbedingungen nicht zum Spielball der äußeren Einflussfaktoren werden. Dazu kommt, dass im Unternehmen vorhandene Defizite, die bei einer Hochkonjunktur vom guten Geschäftsverlauf verdeckt werden, sofort sichtbar werden, wenn der Weg holpriger wird. Währungskrisen, Finanzkrise, Klimawandel - kein Unternehmen ist gegen wechselnde Rahmenbedingungen gefeit. Damit ist auch die Pandemie eine von vielen Herausforderungen: Sie erfordert eine individuelle Herangehensweise, doch die alten Rezepte werden nicht automatisch ungültig. Faktoren wie Flexibilität, Authentizität, Geschwindigkeit und Kompetenz sind nach wie vor wichtig - denn wenn die Reise stürmisch wird, zeigt sich, wer Ruhe bewahrt und wer letzten Endes bloß ein "Schönwetterkapitän" war.

Mittelstand zeigt Resilienz

Als Musterschüler erweisen sich oft Vertreter des Mittelstands. Denn bei Unternehmen aus diesem Sektor stellen meistens die Gründer oder Mehrheitseigentümer das Topmanagement. Und während Milliardenkonzerne in der öffentlichen Wahrnehmung stärker sind und daher oft kurzfristig denken, gilt im Mittelstand der Spruch "In der Ruhe liegt die Kraft" - oft seit Generationen. Statt auf das Erfüllen kurzfristiger Erfolgskennzahlen zu setzen, liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit. Nicht jedes Investment muss sich bereits im nächsten Quartal oder Halbjahr rentieren, nicht jeder Auftrag geht statt an den Bestbieter automatisch an den Billigstbieter.

Das Denken über die Saison hinaus, zugleich aber kurze Informationswege und Mut zum Risiko: Das sind Faktoren, die den Mittelstand erfolgreich machen. Ein Spirit, der in Krisenzeiten zum Vorteil gereicht. Während Großkonzerne oft auf Entscheidungen von der Zentrale - oft im Ausland - warten, haben kleine Unternehmen bereits agiert. In einem Umfeld, wo Lieferketten bröckeln, Grenzen geschlossen werden und Mitarbeiter Existenzängste haben, erweist sich dieser Zugang als goldrichtig. Zumal ein Unternehmen, das in seiner Region fest verankert ist, naturgemäß auf "act local" setzt, die Strukturen vor Ort nützt - und damit die lokale Wertschöpfung sichert.

Authentische Führungskultur entscheidend

Ob klein oder groß: Unternehmen befinden sich insbesondere in einer Krisenperiode in einem verschärften Wettbewerb. Seit dem Ausbruch der Pandemie im Vorjahr wurde vielen eindrucksvoll vor Augen geführt, wie essenziell gute Führungsarbeit in der Bewältigung von unvorhergesehenen neuen Herausforderungen ist. Das setzt eine authentisch gewachsene Führungskultur voraus, die zielgerichtet gepflegt wird. Denn in schwierigen Zeiten sind eine starke Führung und ein vorbildhaftes Verhalten entscheidend, um sich auf wechselnde Gegebenheiten einzustellen und Veränderungen proaktiv voranzutreiben. Untersuchungen haben gezeigt: Es gibt eine Reihe von Faktoren, die alle betreffen, sagt Friedrich Wiesmüllner, Partner bei Deloitte in Wien (siehe Interview). "Dazu gehört der Fokus auf das Wesentliche - eine klare Leadership-Aufgabe", so Wiesmüllner. "Flexibilität zu bewahren, ist ebenfalls wichtig, weil sich die Rahmenbedingungen ändern und noch niemand genau sagen kann, wie die Welt 2022 und danach genau aussehen wird. In der Kommunikation gilt es daher für alle, die Stakeholder stärker einzubinden. Auch Bad News darf man nicht verstecken: Transparenz ist in Krisenzeiten wichtiger denn je."

Der Blick von außen hilft

Deloitte-Experte Albrecht Rauchensteiner, der in seiner Praxis vor allem mittelständische Unternehmen betreut, ist überzeugt: Erst der Blick von außen bringt die notwendige Distanz, um das Bild deutlich zu erkennen. Um ein valides und umfassendes Bild zu erhalten, setzt Deloitte auf Workshops mit dem Topmanagement zur Detailanalyse der Schwerpunktbereiche. Welche Hausaufgaben Unternehmen machen müssen, ist dabei individuell unterschiedlich. Doch es hilft stets, die Zeit bis zur Wiederaufnahme der vollen Kapazität zu nutzen, um die Strategie neu auszurichten und zu validieren sowie dabei auch die Belegschaft ins Boot zu holen -denn engagierte Mitarbeiter entscheiden darüber, wie gut das Unternehmen in und nach der Krise aufgestellt sein wird. Rauchensteiner meint: Auch in diesem Bereich hat der Mittelstand seine Resilienz unter Beweis gestellt. "Die Herausforderung lautet jetzt, die neuen Strukturen in ein langfristiges Modell zu integrieren und die richtigen Schwerpunkte für die Zeit nach der Krise zu setzen", sagt er.

Nicht jedes Unternehmen ist heute bereits ein Musterschüler. Das Mindset wird sich vielerorts noch ändern müssen - und der Community-Gedanke oder der interne Spirit wird trotz der neuen Strukturen in der Arbeitswelt nicht verschwinden, sondern sogar noch gestärkt werden müssen. Der Erfolg löst sich immer mehr vom reinen "Kennzahlendenken" - und so sollte es bei den am besten geführten Unternehmen Österreichs auch sein.


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