Stephan Eberharter: "Man muss sich quälen, um etwas zu erreichen"

Stephan Eberharter

Ex-Skirennläufer Stephan Eberharter: "Enttäuschungen gehören zum Leben dazu."

Stephan Eberharter ist eine Legende des Alpinen Skisports. Wohl auch, weil er gezeigt hat, wie mit Engagement, Willenskraft und Leidenschaft Resilienz entsteht; die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und für weitere Entwicklungen zu nutzen. Auf der Personal Austria wird er im Rahmen einer Keynote Einblicke in die Denkweise von Siegertypen geben.

Winter 1991, Alpine Skiweltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm: Der damals 21 Jahre alte Stephan Eberharter wird Doppelweltmeister im Super G und in der Kombination. Österreich feiert den Tiroler als Helden und wählt ihn im gleichen Jahr auch zum "Sportler des Jahres".

Auf den schnellen Aufstieg folgte der tiefe Fall: 1992, kurz vor den Olympischen Spielen in Albertville begann Eberharters Verletzungspech, danach verletzte er sich bei einem Sturz in Gröden schwer, musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen und seine Rennfahrer-Karriere hing an einem seidenen Faden. Die Freude am Skifahren und die Überzeugung, dass es weitergehen wird, haben ihn zur Fortsetzung seiner Karriere motiviert. Und das hat sich gelohnt. In der Saison 1997/98 war Eberharter wieder an der Weltspitze angelangt und hielt sich dort bis zum Karriereende im Jahr 2004.

"Auf Krisen habe ich mich mit gesundem Menschenverstand mental vorbereitet. Schon bis zu meinen ersten Erfolgen Anfang der Neunzigerjahre war es ein langer Weg. Dadurch war mir frühzeitig bewusst, dass es im Sport Höhen und Tiefen gibt", sagt er und ergänzt: "Enttäuschungen gehören zum Leben dazu."

Management-Lehren aus dem Sport

Im Laufe ihres Berufslebens werden auch Arbeitnehmer und Führungskräfte mit vielen Enttäuschungen konfrontiert, beispielsweise das gestrichene Projekt, die nicht gewährte Gehaltserhöhung oder die ausbleibende Beförderung. Welche Tipps hat Eberharter für einen konstruktiven Umgang mit diesen Emotionen? "Wichtig ist, nach Enttäuschungen rational zu reflektieren und daraus zu lernen, um die eigenen Stärken weiterzuentwickeln. Das ist der erste konkrete Schritt in Richtung des nächsten Erfolgs."

In den Vereinigten Staaten werden CEOs inzwischen zunehmend als "Chief Educational Officer" mit Trainern verglichen. Eberharter sieht darin die Verpflichtung für Führungskräfte, ihre Mitarbeiter mental zu unterstützen: "Als Geschäftsführer oder als Angestellter mit Personalverantwortung sind Sie für Ihr Team verantwortlich. Sie sollten in der Lage sein, verschiedene Charaktere zu motivieren und hinter einem Ziel zu vereinen."

Der Vorgesetzte müsse das Verhalten, das er von seinem Team wünscht, authentisch vorleben. Dazu gehören Tugenden wie hohe Motivation und ehrliches Interesse an Menschen, ebenso wie gegenseitiges Vertrauen und konstruktive Kritik.

Leidenschaft ist ambivalent

Viele Manager stehen heute unter enormem Leistungsdruck und erwarten von ihren Mitarbeitern überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft. Das Stichwort "Belastbarkeit" findet sich aktuell in jeder Stellenausschreibung unter den mitzubringenden persönlichen Voraussetzungen. Auch die Skisport-Legende teilt die Einschätzung, dass man "für etwas brennen muss, damit es auf Dauer funktioniert". Dabei sei "Leidenschaft" ein ambivalenter Begriff, dessen tatsächliche Bedeutung oft in den Hintergrund gerate. Eberharter: "Es bedeutet Leiden und Schaffen - durchhalten und sich quälen, um ein Ziel zu erreichen."

Doch wie Hochleistungssportler brauchen auch Mitarbeiter Regenerationsphasen. "Die Kunst erfolgreicher Führung besteht darin, die Stärken und Schwächen sowie die Leistungsfähigkeit seiner Teammitglieder richtig einschätzen zu können", erklärt Eberharter. "Nicht jeder ist gleich belastbar. Hier ist aktives Management gefragt."

Siegertypen schaffen es, "eine große Leidenschaft und Leidensfähigkeit" zu vereinen, meint Eberharter. Sie brächten gesunden Ehrgeiz und gleichzeitig Rationalität mit. Der 48-Jährige ist davon überzeugt, dass man sich für nachhaltigen Erfolg täglich neu motivieren und engagieren muss: "Der kommt nicht, wenn man auf der Couch liegt."


Stephan Eberharter ist Keynote-Speaker auf Österreichs größter HR-Fachmesse Personal Austria, die vom 8. bis 9. November 2017 in der Halle A der Messe Wien stattfindet. In seinem Vortrag gibt Eberharter Einblicke in die Denkweise von Siegertypen.

Personal Austria ist Produktschau, Informationsquelle, Trendbarometer, Treffpunkt und Impulsgeber für den HR-Bereich. Präsentiert werden Produktinnovationen und Trends zur Lösung aktueller Herausforderungen im Personalmanagement - von Organisationsentwicklung und Führung über HR-Software, Recruiting und Arbeitsrecht bis zu E-Learning, Weiterbildung und Training. Ein Markenzeichen der Messe ist ihr hochkarätiges Programm auf Kongressniveau. Geschäftsführer und Personalisten verschaffen sich auf der Personal Austria einen Marktüberblick und nutzen die Plattform zur Vernetzung mit HR-Experten und Berufskollegen.

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