Schule macht Wirtschaft: Der Sprung ins kalte Gründer-Wasser

Schule macht Wirtschaft: Der Sprung ins kalte Gründer-Wasser

Gefeierte Sieger. Die Schülerinnen und Schüler der Grazer HTL Bulme waren mit ihrem Unternehmen Pocketwingcard die "Schule macht Wirtschaft"-Bundessieger 2018.

Vor 100 Jahren wurden die Company-Programme in den USA ins Leben gerufen. Ihre Beliebtheit reißt nicht ab: In Österreich nehmen heuer so viele JUNIOR UNTERNEHMEN und Schüler wie noch nie bei der Initiative "Schule macht Wirtschaft" teil.

Ein richtiges "Gründergen" gibt es laut Jürgen Roth, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, zwar nicht, aber einige Grundvoraussetzungen tun Unternehmern und solchen, die es einmal werden wollen, durchaus gut: Dazu gehören laut Roth eine positive Einstellung, Ausdauer, der Glaube an sich selbst und der eiserne Wille, etwas zu bewegen (siehe auch => Interview mit WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth) .

Rund 3.700 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich haben heuer im Rahmen der Aktion "Schule macht Wirtschaft" die Gelegenheit, selbst auszuprobieren, wie sehr sie diese unternehmerischen Eigenschaften mitbringen und ob sie Spaß am eigenen Business haben. Der trend, die Wirtschaftskammer Österreich, das Junior-Programm des Vereins Junior Achievement Austria (JA Austria), der von den Volkswirtschaftlichen Gesellschaften (VWG) getragen wird, sowie die Partnerunternehmen Coca-Cola und Wien Energie unterstützen heuer insgesamt 343 Junior Unternehmen, die im laufenden Schuljahr an Österreichs Schulen gegründet wurden. Das sind um 14 Prozent mehr als im Vorjahr - und damit gleichzeitig ein neuer Rekord.

100-jähriges Jubiläum

"Dies zeigt, dass sich das praxisnahe Erlernen von unternehmerischem Handeln und Denken großer Beliebtheit erfreut", freuen sich die Veranstalter von JA Austria. Die meisten Junior Unternehmen wurden mit 81 in diesem Schuljahr in Niederösterreich gegründet, dahinter folgt Wien mit 76. In Salzburg und der Steiermark wurden jeweils etwas mehr als 40 JUNIOR Unternehmen gegründet.

International feiert das Company-Programm heuer bereits sein 100-jähriges Jubiläum. Damals wurde es zum ersten Mal an amerikanischen Schulen durchgeführt. Aus diesem Anlass wird auch die 1. Globale Alumni Konferenz organisiert, und zwar in Wien, denn das österreichische Alumni-Netzwerk hat sich bereiterklärt, vom 28. August bis 1. September 2019 Gastgeber für diese Premiere zu sein. In Österreich wurde das Company-Programm 1995 als Pilotprojekt mit drei Junior Companys lanciert. Seither haben insgesamt mehr als 40.000 Schüler an den Programmen von JA Austria teilgenommen.

Auf nach Lille

Pocketwingcard, die von Schülern aus der HTL Bulme in Graz gegründete betriebene Junior Company, konnte sich im vergangenen Schuljahr über den Österreich-Sieg bei "Schule macht Wirtschaft" freuen. Das Unternehmen überzeugte die Jury mit Werkzeugkarten für die Geldbörse. Die Gründer durften vergangenen Sommer nach Belgrad reisen, wo die europäische JA Company of the Year Competition stattfand.

Auch 2019 werden die Österreich-Sieger wieder zur europäischen Abschlussveranstaltung reisen, die dieses Mal von 4. bis 6. Juli im französischen Lille stattfindet. Aber zunächst wird bei der österreichischen Abschlussveranstaltung Ende Mai der Winner aus allen Bundesland-Siegern gekürt. Es wird spannend, welche Gründer in die Fußstapfen von Pocketwingcard treten können.

An einem Strang ziehen

Das Besondere an den Junior Unternehmen ist, dass Schüler durch "Learning by doing" und den Sprung ins kalte Gründer-Wasser erfahren, was unternehmerisches Denken und Handeln bedeutet. Dabei werden sie einerseits intensiv von ihren betreuenden Lehrkräften unterstützt und andererseits von jenen Unternehmern, die sich schon lange in der Praxis beweisen und als Mentoren dem Nachwuchs Feedback geben und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie, einem der Partnerunternehmen von Schule macht Wirtschaft , betont, welche neuen Herausforderungen der aktuelle technologische Fortschritt für Unternehmen mit sich bringt: "Schule und Wirtschaft müssen an einem Strang ziehen, denn die Herausforderungen der Zukunft betreffen uns gleichermaßen. Wenn Maschinen schneller lernen und arbeiten, müssen wir Menschen überlegen, was wir besser können." Diese Frage beschäftige nicht nur die Energiebranche, sondern sei zentral für das Weiterkommen unserer Gesellschaft. "Und das beginnt in der Schule. Während Roboter und künstliche Intelligenz im Vormarsch sind, müssen wir uns auf unsere menschlichen Fähigkeiten besinnen."

Diese Fähigkeiten sind Strebl zufolge eigenständiges Denken, Teamarbeit und Kreativität: "Diese Attribute gilt es auszubilden und klug in der Zukunft einzusetzen. Jede Initiative, die unsere Kinder in diese Richtung fördert und ideenreicher macht, ist klar zu begrüßen."

Philipp Bodzenta, Unternehmenssprecher von Coca-Cola Österreich, stellt die diesjährige Partnerschaft mit Schule macht Wirtschaft unter das Motto "Miteinander!" Dies ist heuer auch der Slogan von Coca-Cola Österreich anlässlich seines 90-jährigen Jubiläums. Bodzenta erklärt: "Nur, wenn eine Gesellschaft, ein Unternehmen oder auch eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern 'miteinand' arbeitet, kann das beste Ergebnis dabei entstehen." Coca-Cola unterstütze Schule macht Wirtschaft sehr gerne, "weil die Jugendlichen von heute die Entscheidungsträger von morgen sind, die unsere Gesellschaft und nicht zuletzt auch unsere Wirtschaft prägen werden."

Coca-Cola war schon in den Vorjahren Partner von "Schule macht Wirtschaft". Philipp Bodzenta gefällt besonders das realitätsnahe unternehmerische Denken, das die Jugendlichen an den Tag legen, sei es in Bezug auf Produktionskosten, Vertriebsmöglichkeiten oder das Optimieren von Prozessen für einen maximalen Output. "Wir haben in den letzten Jahren ausgezeichnete Projekte präsentiert bekommen und dabei beeindruckende Persönlichkeiten unter den Schülerinnen und Schülern kennengelernt, die Entrepreneurship leben und ihren Weg sicher gehen werden."

Gelegenheit für Werbung

Schon bald haben die Junior Unternehmer die Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen unter realen Bedingungen zu verkaufen, dabei ihre Kompetenzen zu trainieren und sich auch gleich mit anderen Teams auszutauschen: Am 9. März findet der JA Marketplace Vienna statt, die österreichische Handelsmesse im Rahmen des Junior-Company-Programms, zu der Teilnehmer aus ganz Europa erwartet werden. 48 Junior-Teams mit mehr als 200 Schülern werden dabei sein. 16 Teams davon reisen aus dem Ausland an, konkret aus der Türkei, Russland, Tschechien, Deutschland, Italien, Norwegen, Dänemark, Litauen und Schweden.

Das ist eine wunderbare Gelegenheit, die Werbetrommel für das eigene Geschäft zu rühren und damit einen wichtigen Baustein für die unternehmerische Tätigkeit zu setzen. Denn nur wer es schafft, sich einen Namen zu machen, kann auch sein Geschäft in Schwung bringen.



Die Geschichte ist der trend-Ausgabe 8/2019 vom 22. Februar 2019 entnommen.

Teamwork

Karrieren

Die 9 größten Flow-Killer in der Führung

Interview
Doris Hofmeister, Partnerin und Director International Business Mercuri Urval

Karrieren

"Eine konservative, von Männern geprägte Gesellschaft"

Junior Handelsmesse am 9. März 2019 in Wien Mitte "The Mall"

Schule macht Wirtschaft

Schüler zeigen unternehmerische Klasse