Schule macht Wirtschaft: Unkonventionelle Geschäftsideen

Schule macht Wirtschaft: Unkonventionelle Geschäftsideen

WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth: "Das Ziel ist, junge Menschen für die Selbständigkeit zu begeistern und Unternehmergeist zu vermitteln."

Bei "Schule macht Wirtschaft" gründen Schülerinnen und Schüler der österreichischen Oberstufenklassen Unternehmen. WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth erklärt, wie die Schüler dabei durch "Learning by doing" zu Unternehmern werden.

trend: Die Wirtschaftskammer ist seit vielen Jahren Partner der Aktion "Schule macht Wirtschaft". Wie hat sich das Projekt entwickelt?
Jürgen Roth : "Schule macht Wirtschaft" ist eine wichtige Aktion, um mehr Wirtschaftskompetenz ins Bildungssystem einbringen zu können. Das Projekt " Junior -Schüler/innen gründen Unternehmen" ist seit dem Start im Jahr 1995 stark gewachsen. An vielen Schulen ist es inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden, an den humanberuflichen Schulen konnte es sogar in den Lehrplan integriert werden. Im aktuellen Schuljahr nehmen 334 Junior Companys und mehr als 3.600 Schüler am Projekt teil, das ist ein absoluter Rekord.

Was sind Ihrer Einschätzung nach die drei wichtigsten Fähigkeiten, die Schüler lernen, wenn sie eine Junior Company gründen und betreiben?
Junge Unternehmerinnen und Unternehmer müssen Probleme gut erkennen und vor allem auch lösen können -die Fachkompetenz in einem bestimmten Bereich alleine genügt nicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, die nötige Ausdauer und Begeisterung mitzubringen, denn ein Unternehmen zu gründen, ein Produkt zu entwickeln, es zu produzieren und zu vertreiben, ist sehr zeitintensiv. Außerdem sollte man die sogenannten 21st Century Skills beherrschen: Kommunikationsfähigkeit, Zusammenarbeit, kritisches Denken und Kreativität -denn diese sozialen Fähigkeiten werden in Zukunft immer wichtiger. Die Grundzüge lernen die jungen Menschen bei Schule macht Wirtschaft mit ihren Junior Companys.

Wie wichtig ist es, sich schon früh als Unternehmer auszuprobieren und eine Junior Company zu gründen?
Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, den Unternehmergeist und das unternehmerische Denken zu fördern. Daher unterstützen wir als Wirtschaftskammer auch Jugendliche, in einer Junior Company unternehmerisch tätig zu werden und wichtige Erfahrungen möglichst früh zu machen. Hier werden über die Dauer eines ganzen Schuljahres ein innovatives Geschäftsmodell entwickelt, ein reales Unternehmen gegründet sowie Waren oder Dienstleistungen verkauft. Die Jugendlichen haben außerdem die Möglichkeit, an Handelsmessen oder Wettbewerben teilzunehmen. Das ist eine hervorragende Basis für das weitere Leben.


Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, den Unternehmergeist und das unternehmerische Denken zu fördern.

Gibt es so etwas wie ein Gründergen, also muss man das Unternehmertum im Blut haben, wenn man erfolgreich selbstständig sein will?
Unternehmertum hat vor allem mit einer positiven Einstellung zu tun: Dem Glauben an sich selbst und mit der Ausdauer und dem Willen, etwas zu bewegen. Diese Grundhaltung kann schon im familiären Umfeld vermittelt werden, ist aber selbstverständlich nicht "angeboren". Die Wirtschaftskammer bemüht sich, Wirtschaft in die Schule zu bringen. Projekte wie "Junior - Schüler/innen gründen Unternehmen" eignen sich hervorragend, um junge Menschen für die Selbstständigkeit zu begeistern. Anfang Februar wurde ich zum neuen Vorstand von Junior Achievement Austria gewählt. Mein Ziel ist es, dieses weltweit erfolgreiche Projekt in Österreich weiter zu forcieren und flächendeckend umzusetzen.

Welchen besonderen Herausforderungen müssen sich junge Unternehmer in der aktuellen Zeit stellen?
Besonders Digitalisierung und Globalisierung stellen den Wirtschaftsstandort vor neue Herausforderungen. Die Arbeit verändert sich, und es gibt eine große Nachfrage nach Zukunftskompetenzen. Innovationsfähigkeit ist in diesem Zusammenhang unerlässlich. Aber auch die zuvor erwähnten 21st Century Skills dürfen nicht vernachlässigt werden.

Ein Unternehmen zu führen, ist nicht immer leicht. Wie kann man sich für schwierige Zeiten rüsten?
Unsere Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer werden von Mentoren aus der Wirtschaft bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen begleitet. Sie stellen als Coaches kritische Fragen, geben wertvolle Tipps und vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. Die unbezahlbaren, in der Jugend gemachten Erfahrungen sind essenziell, um auch in schwierigen Zeiten ein Unternehmen zu führen.


Eine unbezahlbare Erfahrung für die vielfältigen Herausforderungen der zukünftigen Arbeitswelt.

Oft scheint es, dass es nichts Cooleres gibt als ein Start-up zu gründen. Wie viel Arbeit, Unsicherheiten, Höhn und Tiefen damit einhergehen, wird selten vermittelt. Was sollte jeder vorher wissen, der eine Geschäftsidee verwirklichen will?
Ein Start-up zu gründen, heißt auch, von einer Idee absolut überzeugt zu sein und dafür zu brennen. In der Anfangsphase bedeutet das meistens, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche für sein "Baby" zu arbeiten. Das Projekt "Junior- Schüler/innen gründen Unternehmen" basiert auf dem Prinzip "Learning by doing" und fördert die Eigeninitiative und den Unternehmergeist. Außerdem werden die nötigen Skills vermittelt, die die Selbstständigkeit der Zukunft in einer digitalen und globalisierten Welt verlangt. Aber auch wenn ein "Junior"- Teilnehmer später nicht sofort den Weg in die Selbstständigkeit einschlägt, ist das Projekt für ihn eine Horizonterweiterung und wird ihm einen Hauch unternehmerischen Spirits mit auf seinen Lebensweg geben. Das ist eine unbezahlbare Erfahrung, um für die vielfältigen Herausforderungen der zukünftigen Arbeitswelt gewappnet zu sein.

Was lernen die Schülerinnen und Schüler von den Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaftskammer und von den Unternehmerinnen und Unternehmern - und umgekehrt?
Die Wirtschaftskammer gibt den Jugendlichen Tipps und Empfehlungen mit auf den Weg. Unsere Mitglieder und Funktionäre agieren dabei als Vorbilder und Coaches. Wir versuchen, Eigeninitiative und Unternehmergeist zu fördern. Es können jedoch auch erfahrene Unternehmer viel von den Jugendlichen lernen, etwa den ungezwungenen, kreativen Zugang zum Problemlösen oder die oft unkonventionellen Geschäftsmodelle.

Zur Person

Jürgen Roth , 45, ist Eigentümer und Geschäftsführer der Tank Roth GmbH mit Sitz in Graz, Aufsichtsrat der Erdöl-Lagergesellschaft in Lannach, der ICS Internationalisierungscenter Steiermark, des Steirischen Exportservice und des Verbunds. In der Wirtschaftskammer Österreich ist er Vizepräsident und Obmann Fachverband Energiehandel.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 8/2019 vom 22. Februar 2019 entnommen.

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