So sehen Sieger aus

So sehen Sieger aus

Erfolg. Die Schüler der Grazer HTL Bulme überzeugten die Jury mit einer Karte, die 17 praktische Funktionen hat. WKÖ-Vizepräsident Roth freute sich mit ihnen über den Österreich-Sieg.

Rekordbeteiligung bei der trend-Aktion "Schule macht Wirtschaft" und ein denkwürdiges Siegerteam aus Graz: Pocketwingcard produziert Werkzeuge im Scheckkartenformat für jede Hosentasche und Geldbörse.

Heute seid ihr die Stars des Abends", zeigte sich Jürgen Roth, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, bei der Abschlussveranstaltung zu "Schule macht Wirtschaft" von den unternehmerischen Leistungen der Finalisten beeindruckt. Und er gratulierte zweifach: "Erstens, weil ihr an einem so tollen Programm teilgenommen habt, das schon 1920 in Amerika erfunden wurde. Und zweitens, weil ihr es unter die Besten der Besten von ganz Österreich geschafft habt." Das ist besonders bemerkenswert, weil es im Schuljahr 2017/18 mit insgesamt 300 Junior Companies und 3.000 Schülerinnen und Schülern eine Rekordbeteiligung in Österreich gab.

Entsprechend hatte sich bei den Teams, die zur Preisverleihung nach Wien angereist waren, einen ganzen Tag lang angespannte Nervosität mit freudiger Aufregung gepaart. Die Junior Companies, welche in ihrem jeweiligen Bundesland als Landessieger hervorgegangen waren, präsentierten ihre Produkte in den Räumen der Wirtschaftskammer Österreich in Wien-Wieden sowohl auf der Bühne als auch an Ständen im Foyer, die professionellen Messeständen das Wasser reichen konnten. Am Abend ließ die Anspannung endlich nach, als die Jury verkündete, wen sie zur besten Junior Company Österreichs gewählt hatte.

Sieger ist die steirische Junior Company Pocketwingcard, die Werkzeugkarten für die Geldbörse produziert. "Wir waren alle schwer beeindruckt", sagte Georg Houska, Vertreter der Fachjury und Managing Director von Accenture. Die Unternehmer von Pocketwingcard waren bei der Verkündung ihres Sieges, gelinde gesagt, aus dem Häuschen. Von 16. bis 19. Juli dürfen sie noch einmal hoffen und bangen, denn sie vertreten Österreich bei der europäischen Abschlussveranstaltung JA Company of the Year Competition und haben die Chance, zu Europas bester Junior Company gekürt zu werden.

Platz zwei erreichte diesmal das Team von Time2Design aus der Modeschule Hallein, das mit seinen formschönen Trinkflaschen und Karaffen aus Glas dazu beitragen will, dass weniger Plastikmüll auf der Welt anfällt. Bei ihrer Abschlusspräsentation wiesen die Schülerinnen darauf hin, dass jede Person im Raum pro Jahr im Durchschnitt 207 Plastikflaschen verbraucht.

Über den dritten Platz freute sich ebenfalls eine Junior Company mit Umweltbewusstsein: Die Produkte von Broken Sticks sind Eishockey-Fanartikel bestehend aus alten und gebrauchten Eishockey-Utensilien. Außerdem ließen die Schüler aus Vorarlberg ihre Produkte von Langzeitarbeitslosen produzieren. Unternehmerisches Denken liegt ihnen offenbar im Blut, denn sie denken weiter und sind in Gesprächen mit einem Unternehmen, das Broken Sticks womöglich im nächsten Jahr übernehmen wird.

Thomas Hrastnik, Geschäftsführer der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft für Wien und Niederösterreich, die mit ihrem Verein Junior Achievement Austria (JA Austria) Initiator des Wettbewerbs ist, ist seit 20 Jahren bei Junior engagiert und von der Entwicklung seither beeindruckt: "Die Schülerinnen und Schüler haben sich unheimlich vorwärtsbewegt -in ihren Präsentationsfähigkeiten, in der Art und Weise, wie sie ihre Produkte vermarkten, und auch wie sie mit der Digitalisierung umgehen und sich mit neuen Medien präsentieren. Das wäre so vor fünf oder zehn Jahren noch nicht denkbar gewesen."

WKÖ-Vizepräsident Roth setzte in seiner Rede auch besonderes Augenmerk auf die Leistung der Lehrerinnen und Lehrer, welche die Junior Companies tatkräftig unterstützen. Heuer wurde auch zum ersten Mal eine Junior-Lehrkraft des Jahres gekürt wurde. Wie sehr sich Lehrkräfte und Schüler weiter professionalisieren, wird sich im kommenden Schuljahr zeigen, wenn die nächsten jungen Businessprojekte an den Start gehen und daran arbeiten, weitere Rekorde aufzustellen.

Pocketwingcard

SCHULE: HTL Bulme Graz
BUSINESS: Werkzeugkarten

"Dein Werkzeug für unterwegs" lautet das Motto von Pocketwingcards. Die Werkzeugkarten des diesjährigen Siegerteams passen in jede Hosenoder Geldtasche. Die selbst entwickelten Produkte sind kleine Alleskönner im Scheckkartenformat aus zwei Millimeter dünnem Edelstahl. Das Sortiment umfasst fünf Toolcards: "Ingenieur", "Bike","Outdoor","Classic" und "Golf". Die Karten haben bis zu 17 Funktionen, zum Beispiel Flaschenöffner, Orangenschäler, Zirkel, Sechskantschraubenschlüssel, Einkaufswagenchip und auch Handyhalter.

Time2Design

SCHULE: Modeschule Hallein
BUSINESS : Kreative Glasflaschen

Die Junior Company Time2Design holte zuerst den Landessieg für Salzburg und jetzt auch noch den zweiten Platz für Österreich. Die Schülerinnen beeindruckten die Jury mit ihren kreativen Glasflaschen in verschiedenen Formen und Größen mit selbst designten Motiven, die in das Glas eingraviert sind. Auch Flaschen mit eingravierten Logos für Unternehmenskunden bieten die jungen Unternehmer an. Hauptmotivation der Gründerinnen sind Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit und - konkret -Plastikmüll einzudämmen.

Broken Sticks

SCHULE: BHAK/BHAS Feldkirch
BUSINESS: Fanartikel

Platz drei konnte sich die Vorarlberger Junior Company Broken Sticks sichern. Aus Eishockey- Sticks bauen die Gründerinnen Wohnaccessoires, aus getragenen Eishockeyshirts nähen sie Kissen, Federschachteln mit integrierten Powerbanks und Baggies. Die Geschäftsidee entstand aus eigener Begeisterung: Die Gründerinnen sind selbst eingefleischte Eishockeyfans und bringen mit ihrem Business ihre Leidenschaft in fünf "abgefahrenen" Produkten zum Ausdruck.

Lehrkraft des Jahres

PREMIERE. Erstmals wurde eine Junior-Lehrkraft des Jahres ausgezeichnet. Katharina Zelenka (Mitte) freute sich über den Sieg. Sie betreute Woodart, das Landessiegerprojekt von Niederösterreich.


Die Geschichte ist im trend 28-29/2018 erschienen

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