Schule macht Wirtschaft: "Die Besten vor den Vorhang holen"

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl

Warum Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die Aktion "Schule macht Wirtschaft" auch 2018 wieder unterstützt und welche JUNIOR Companies ihn besonders beeindrucken.

trend: Die Wirtschaftskammer unterstützt "Schule macht Wirtschaft" schon seit vielen Jahren. Was bewegt Sie, auch 2018 mit der Initiative fortzufahren?
Christoph Leitl: Wir alle wissen, dass Hans sich beim Lernen viel schwerer tut als Hänschen. Auch Unternehmergeist und unternehmerisches Denken müssen schon früh gefördert werden. Unternehmerisches Tun hat viel gemein mit Kreativität, Innovation und Motivation. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Grundlagen für Motivation, Durchhaltevermögen, Konfliktfähigkeit und verantwortliches und selbstbestimmtes Handeln - und das sind alles wichtige Eigenschaften eines Unternehmers - schon früh durch projektorientiertes Lernen legen können und müssen.

trend: Oft entsteht der Eindruck, im digitalen Zeitalter kann jeder mit wenigen Klicks ein Unternehmen gründen und die Weichen für einen Weltkonzern legen. Wenn das so einfach ist, warum braucht der Nachwuchs dann noch Wirtschaftswissen und Unternehmergeist?
Leitl: Schauen Sie sich die innovative Start-up-Szene an. Da haben Sie ungewöhnliche, kreative Lösungsansätze und Geschäftsmodelle, die oft verblüffend gut funktionieren. Profunde IT-Kompetenzen wie zum Beispiel das Beherrschen aktueller Programmiersprachen reichen allerdings nicht für die Unternehmensgründung. Dazu braucht es auch das Erkennen von Problemen und das Aufspüren von Möglichkeiten, gepaart mit Innovationsgeist und einem funktionierenden Geschäftsmodell. Die Jugend von heute muss dazu befähigt werden, sich schnell ändernden Bedingungen anzupassen und sowohl flexibel als auch konstruktiv zu reagieren.

trend: Und wer schon in jungen Jahren eine JUNIOR Company gründet, kann früh herausfinden, wie gut seine unternehmerischen Anlagen sind und wie gut er sein Gründer-Potenzial nützen kann.
Leitl: Das Projekt "JUNIOR - Schüler/innen gründen Unternehmen" ist das beste Beispiel für projektorientiertes Lernen. Ich freue mich, dass wir mit der Aktion "Schule macht Wirtschaft" gemeinsam mit dem trend die besten der besten JUNIOR Companies und ihre Lehrerinnen und Lehrer vor den Vorhang holen.

trend: Welche Eigenschaften sollen Jungunternehmer mitbringen. Und inwieweit kann man diese erlernen?
Leitl: Gleich, ob jemand ein Jungunternehmer und Gründer einer JUNIOR Company oder ein alter und erfahrener Unternehmer ist - alle Unternehmer brauchen Ausdauer und Begeisterung für ihre Unternehmensidee, Neugier und Freude an ungewöhnlichen Lösungen, ein gutes Maß an Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz, um Schwierigkeiten und eventuelle Durststrecken zu überstehen, sowie Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit. All das kann man nur durch Erfahrung lernen - und das ist auch schon während der Schulzeit möglich, durch Learning-by-Doing im Rahmen eines JUNIOR-Projekts.

trend: Was können die Mentoren aus ihrem täglichen Arbeitsalltag in der Wirtschaft den Gründern mitgeben? Und wo liegen die Grenzen des Mentorings, weil die Gründer eigene Erfahrungen machen müssen?
Leitl: Mentoren begleiten die JUNIOR-Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Sie stellen kritische Fragen und geben wertvolle Tipps zu diversen Themen wie zum Beispiel Produktentwicklung und Preisgestaltung, Marketing, Verhandlung mit Lieferanten und Umgang mit Kunden. Mentoren verstehen sich als Coaches und geben Hilfe zur Selbsthilfe.

trend: Ein Unternehmen zu gründen, gilt derzeit als total hip. Doch ein Unternehmen aufzubauen, ist eine Herausforderung - besonders im digitalen Zeitalter mit Konkurrenz aus aller Welt. Was gibt "Schule macht Wirtschaft" dem Gründernachwuchs diesbezüglich mit auf den Weg?
Leitl: Das Projekt "JUNIOR -Schüler/innen gründen Unternehmen" basiert auf dem Konzept Learning-by-Doing und fördert nachweislich Eigeninitiative und Unternehmergeist. So erwerben Schüler unter realitätsnahen Bedingungen genau die Eigenschaften, wie sie in einer digitalen, globalisierten Welt gefordert werden. Dazu gehören Disziplin und Ausdauer, Innovationsgeist und Kreativität, die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und zu lösen, sowie Selbstständigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Idealerweise werden diese Eigenschaften durch digitales und wirtschaftliches Know-how ergänzt.

trend: Es wird auch heuer wieder spannend, welche innovativen Ideen die Nachwuchsunternehmerinnen und -unternehmer in die Tat umsetzen. Welche JUNIOR Company aus dem Vorjahr ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Leitl: Besonders beeindruckt haben mich beim vergangenen JUNIOR-Österreich-Wettbewerb die Jungunternehmer 5pm mit ihren ungewöhnlichen Teemischungen und löslichen Teetabs. Hier haben junge Menschen eine kreative Lösung für ein Problem unserer Zeit gefunden: Wir alle haben wenig Zeit, wollen alles schnell und möglichst ohne Arbeitsaufwand. Und wir wollen trotzdem nicht auf gute Qualität verzichten. Mit den Teetabs können besonders Eilige schnell ein Glas Tee aufgießen. Das mühsame Entsorgen eines Teebeutels entfällt, da sich die Teetabs rückstandslos auflösen. Bravo! Diese JUNIOR Company hat eine innovative Idee gehabt und diese im Team bis zur Marktreife gebracht.

trend: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Tipp, den junge Unternehmensgründer beachten sollten, um erfolgreich zu sein?
Leitl: Fangt bei der Ideenfindung im nächsten Umfeld an! Wo liegen Chancen, wo gibt es Missstände, die man beheben kann? Holt euch Know-how von Unternehmern aus der Umgebung, verfolgt eure Ziele konsequent! Es kann aber auch sein, dass ihr eine gute Idee nicht umsetzen könnt, da hilft es dann, einen Plan B zu haben.


Zur Person

Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, ist begeistert von den JUNIOR-Companies, die jedes Jahr in vielen Schulen des Landes gegründet werden. Die jungen Gründer brauchen vor allem Neugier, Ausdauer, Begeisterung und Freude an ungewöhnlichen Lösungen, so der erfahrene Unternehmer.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 1-3/2018) vom 19. Jänner 2018 entnommen

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