Schule macht Wirtschaft: Eine Idee für Jahrzehnte

Bei der Aktion "Schule macht Wirtschaft" starten Schüler vom Schulhof direkt ins Unternehmertum. Und profitieren davon sogar noch viele Jahre später.

Schule macht Wirtschaft: Eine Idee für Jahrzehnte

SIEGER 2019. Das Klagenfurter Jungunternehmen "Stodtbluamlan" gewann den bundesweiten JUNIOR-Österreichwettbewerb 2019.

Diese Idee hat ihn einfach nicht mehr losgelassen. Und das mehr als zehn Jahre lang. Gemeinsam mit drei Mitschülern hat Bernhard Hofer im Jahr 2002 an der HTL Innsbruck ein Projekt gestartet, bei dem sich Schüler gegenseitig beim Lernen unterstützen.

Nach Jahren des Studiums und Jobs bei unterschiedlichen Unternehmen hat Hofer 2014 gewagt, daraus das Start-up Talentify zu gründen. Über diese Lernplattform wird Peer-to-Peer-Nachhilfe unter Schülern organisiert, und Schulabgänger werden dabei unterstützt, Perspektiven zu entwickeln. "Die Grundidee ist eins zu eins dieselbe von der Schulzeit, nur haben wir sie stark erweitert", erklärt der Unternehmer.

Keine virtuelle Spielerei

Für Hofer bildete seine Schulzeit die Basis für seine Karriere als heutiger Start-up-Gründer. Noch heute könne er "alle Kompetenzen, die wir im projektorientierten Unterricht gelernt haben", einsetzen, so Hofer. Gemeint ist in erster Linie das JUNIORCompany-Programm, bei dem 15- bis 19-jährige Schülerinnen und Schüler ihr eigenes, real wirtschaftendes Unternehmen gründen und führen - wie damals auch Hofer. Also keine virtuelle Spielerei, sondern ein richtiger Einstieg ins Wirtschaftsleben mit echtem Geld, Kunden und natürlich auch Produkten und Dienstleistungen.

Seit dem Start des Programms vor 25 Jahren haben mehr als 45.000 Jugendliche bereits rund 3.800 Junior Companys gegründet. Im Rahmen der Aktion "Schule macht Wirtschaft" begleitet der trend die jungen Gründer auch heuer wieder gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich und Junior Austria.


Sich nicht einschüchtern lassen und sein Ding durchziehen.
Bernhard Hofer / Doris Hofer
Talentify

Was die jungen Entrepreneure derzeit in den Schulen gerade erleben, weiß Annalena Petschacher ganz genau. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen an der WI'MO Klagenfurt (Höhere Lehranstalt für Wirtschaft und Mode) hat die 19-jährige Schülerin die "Stodtbluamlan" gegründet. Mit durchschlagendem Erfolg: Sie wurden nicht nur Kärntner Landessieger, sondern gewannen auch den bundesweiten Bewerb. Ihre Erfolgsidee sind Schmuckstücke, die mit "Bluamlan" bestickt sind. Der besondere Hingucker ist dabei der selbst kreierte Stoff, den die Jungunternehmerinnen für ihre Produkte verwenden. Dieser zeigt den Stadtplan von Klagenfurt und erinnert gleichzeitig an das 500-jährige Jubiläum der Kärntner Hauptstadt.

Von Null auf Hundert

Was Ina Pichorner - sie hat sich in der Junior Company um das Rechnungswesen gekümmert - bei der ganzen Aktion am meisten überrascht hat, war der Erfolg. Und damit meint sie nicht einmal die Bewertungen der Jurys beim Landes- und Bundeswettbewerb, sondern den tatsächlichen unternehmerischen Erfolg: "Die Nachfrage nach unseren Schmuckstücken war von Anfang an da, wir sind von null auf hundert gestartet."

Ob die Klagenfurter Schülerinnen ihr Unternehmen weiterführen werden, ist noch offen. Derzeit werden die Produkte zwar immer noch verkauft, aufgrund der Maturavorbereitungen steht die Produktion jedoch. "Wir haben schon darüber geredet, weiterzumachen", sagt Petschacher, "wir haben ja eine fertige Geschäftsidee, und es wäre schade, diese zu verschwenden."

Das erste Mal Geschäftsführerin

Keine Verschwendung war auf jeden Fall die Zeit, die die Jungunternehmerinnen in das Projekt investiert haben. "Ich habe mich weiterentwickelt und weiß nun, wie es ist, in einer Führungsposition zu sein", so die Schülerin, die als Geschäftsführerin der "Stodtbluamlan" agiert. Auch die erlernten Fähigkeiten rund um Organisation, Zeitmanagement und Teamarbeit schätzt Petschacher als wichtige Erfahrungen.

Für WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth sind damit schon sehr wichtige Ziele erreicht: "Das Programm ,Junior-Schüler-Innen gründen Unternehmen' vermittelt alle Fähigkeiten, die für ein erfolgreiches Unternehmen wichtig sind. Darüber hinaus fördern wir speziell die Kreativität, die Fähigkeit zur Innovation und das ,Thinking outside the Box'. Denn das hilft enorm bei der Präzisierung des Alleinstellungsmerkmals."

Aus Fehlern lernen

Auch Hofer hat damals überlegt, sein Unternehmen noch während der Schulzeit weiterzubetreiben. Doch ihm hat nicht nur das notwendige Geld dafür gefehlt, sondern auch die Unterstützung seitens der LehrerInnen. "Uns haben zu wenige Leute bestärkt. Das Wort ,Start-up' gab es zu dieser Zeit noch gar nicht", erinnert sich Hofer. Was er den GründerInnen von morgen daher vor allem rät, ist eines: "Sich nicht einschüchtern lassen und sein Ding durchziehen!" Und auch dann weiterzumachen, wenn Fehler passieren. "Fehler sind etwas Positives, man lernt daraus", ist Hofer überzeugt.

Und welche Branchen sind besonders zukunftsträchtig? "Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche", sagt WKÖ-Vizepräsident Roth, "die Liste der Zukunftsbranchen ist dementsprechend lang: Von der Abfallentsorgung und dem Individualverkehr über Pflege und Umwelttechnologie gibt es eine Vielzahl von Bereichen, für die es innovative, unternehmerisch denkende Menschen braucht."

Auch Spass ist wichtig

Wichtig sei es aber vor allem, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden. "Ich rate jedem Gründer und jeder Gründerin, die vor dem Schritt in die Selbstständigkeit stehen, sich diese Frage zu stellen: ,Was unterscheidet uns von unseren Mitbewerbern? Und wieso sollte ein Kunde zu uns gehen und nicht zum Mitbewerber?'", so der WKÖ-Vizepräsident. Ein weiterer wichtiger Schritt sei, sich ein Netzwerk aufzubauen. Roth: "Auch als Unternehmer ist man Teamplayer. Dieses Netzwerk gilt es, aufzubauen, zu pflegen und auszubauen."

Was neben den wertvollen Erfahrungen und erlernten Skills bei den Junior Companys aber auf keinen Fall vergessen werden darf, da ist sich Talentify-Gründer Hofer mit dem Team der "Stodtbluamlan" einig: "Man muss es einfach ausprobieren und vor allem Spaß daran haben."



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