Rollentausch meistern: Wenn der Kollege zum Chef wird

Ein Karrieresprung ist zwar etwas Erfreuliches, der Sprung vom Mitarbeiter zum Chef ist jedoch ein Rollenwechsel, der so manche Tücken birgt. Die wichtigsten Tipps, diese schwierige Phase des beruflichen Aufstiegs zu meistern.

Rollentausch meistern: Wenn der Kollege zum Chef wird

Plötzlich Chef: Für Mitarbeiter, die in eine Führungsposition befördert werden, ist der Rollentausch keine leichte Situation.

Sie werden erstmals Chef im Leben. Endlich! Die Bestätigung tut gut, der nächste Schritt auf der Karriereleiter und in der persönlichen Entwicklung darf kommen. Wer aber die Mitarbeiter künftig führen soll, mit denen man bisher als Kollegen zusammengearbeitet hat, erlebt oft einen holprigen Start in der neuen Rolle. Im gleichen Unternehmen, in dem einen alle als Kollegen kennen, muss man erst einmal auch als verantwortungsbewusster, durchsetzungs- und entscheidungsstarker Chef wahr- und ernst genommen werden. Keine leichte Sache.

Es wird kompliziert
Wie eng und kollegial soll das Verhältnis zu den Mitarbeitern nun sein? Wann muss man eher wieder den Chef rauskehren? Was tun, wenn einem der eine oder andere sehr persönliche Probleme anvertraut, was aber nie den Weg in eine Personalbeurteilung finden darf? Oder wenn bei bestimmten Personen plötzlich Schwächen offenkundig sind, die den Vorgesetzten in die Rolle als Coach bringen?

Mit der neuen Rolle auseinandersetzen
Wer die Arbeitsebene und somit auch die Führungsperspektive wechselt, sollte sich mit diesem Rollenwechsel auseinander setzen. Der Aufstieg verändert sowohl die Verantwortung als auch die persönliche Situation in der Unternehmenshierarchie. Im Grunde sind das beste Voraussetzungen, schließlich kennt man das zu führende Team als Mitarbeiter. Das erleichtert einiges. Abläufe, Produkte und vieles andere sind vertraute Größen, genau wie die beteiligten Menschen, also die ehemaligen Kollegen.

Kollegen unzufrieden mit der Wahl? -Sabotagen verhindern
Nicht selten starten aus dem Team hervorgegangene Chefs mit Vorschusslorbeeren. Doch mitunter gibt es Kollegen, die mit dieser Wahl unzufrieden sind. Womöglich wären sie selbst gerne Teamleiter geworden oder es ist purer Neid. Neben den vielen positiven Aspekten einer internen Beförderung liegen da die Gefahren: Entweder wird zu viel Nähe erwartet (nach dem Motto „er bleibt ja ein Kollege und ist einer von uns“) oder das Pendel schlägt auf die andere Seite, auf der sogar zu Sabotagehaltungen kommen kann (nach dem Grundsatz „das gönne ich jedem, nur dem nicht“).

Die besten Tipps für all jene, die vor einem Rollentausch und Karrieresprung stehen

Damit die neue Führungsaufgabe gelingen kann, erklärt der Schweizer Stefan Häseli, Kommunikationsexperte, der seit Jahren große Unternehmen begleitet, worauf ein beförderter ehemaliger Kollege besonders achten sollte:

Was kommt auf einen zu? Die Karte „everybody’s darling“ ist man los
Wer eine Führungsaufgabe übernimmt, muss sich darüber bewusst sein, dass die neue Rolle eine andere sein wird als die bisherige im Team. Es gilt, Verantwortung zu übernehmen, neben der fachlichen auch personelle. Das führt nicht selten dazu, dass man freundschaftliche Verhältnisse einbüßt. Die Karte „everybody’s darling“ gibt man mit dem neuen Job ab. Um den eigenen Standpunkt zu bestimmen, hilft es, sich Klarheit zu verschaffen: Was will ich in dieser Position erreichen? Was will ich nicht? Mit einer Führungsposition ist immer auch Macht verbunden. Der Begriff ist oft negativ besetzt. Wichtig ist eine gesunde und positive Einstellung dazu. Nur wer sich damit wohl fühlt, kann Macht annehmen und sie im positiven Sinn einsetzen.

Start vergeigt? Schwierige Wochen vorprogrammiert
Die richtige Kommunikation ist die Paradedisziplin für einen guten Start als Führungskraft. Der Einstieg lässt sich später nur schwer korrigieren – im positiven wie im negativen Sinn. Wer im Vorfeld und in der Anfangszeit klar kommuniziert, legt den Samen für eine blühende Zusammenarbeit. Wer den Start vergeigt, hat schwere Wochen und Monate vor sich. Aufklärungsarbeit mit den ehemaligen Kollegen und künftigen Mitarbeitern ist der zentrale Schlüsselfaktor für eine Erfolg versprechende Teamarbeit.

Konfliktpotential offen ansprechen
Im offenen Gespräch mit der ganzen Gruppe lässt sich die neue Rolle anschaulich vorstellen. Es gilt, deutlich zu artikulieren, dass man innerhalb der neuen Funktion eben nicht mehr nur Kollege, sondern auch Vorgesetzter ist. Dass die Führungsposition Konfliktpotenzial mit der Kollegenrolle in sich birgt, sollte offen angesprochen werden und auch, dass es Situationen geben wird, in denen unliebsame Entscheidungen getroffen werden müssen. In der Verantwortung dem Unternehmen gegenüber wird es nicht ausbleiben, dass auch Maßnahmen umgesetzt oder kommunizieren werden müssen, die wenig kollegial wirken.

In Einzelgesprächen klären, was den anderen erwartet
Möglichst früh sollten Einzelgespräche mit allen Teammitgliedern stattfinden. Später gibt es kaum mehr die Chance, die gegenseitigen Erwartungen so offen mitzuteilen und über die gemeinsame Zukunft zu reden. Einzelgespräche vor dem Dienstantritt als Chef sollten insbesondere mit Teammitgliedern geführt werden, denen man in engerer Freundschaft verbunden ist. Das gleiche gilt für diejenigen Personen, deren Loyalität fraglich ist. Ein ehrlicher Dialog kann sie ins Boot holen, während alles, was nicht auf den Tisch kommt, die künftige Arbeit unbequem begleiten und belasten wird. Auch eine Grüppchenbildung wird dadurch eher vermieden. Doch nicht nur die eigene neue Rolle soll klar dargestellt werden. Ebenso wichtig ist es, auch den anderen gut zuzuhören, um wahrzunehmen, was sie erwarten.

Im Team dürfen keine Zweifel an neuen Führungsrolle aufkommen
Am besten ist es, gemeinsam einen Weg zu finden, diese anspruchsvolle Situation zu meistern. Allerdings darf im Team kein Zweifel an der neuen Führungsrolle aufkommen. Das lässt sich durch festgelegte Spielregeln unterstützen. Zeichnet sich dennoch eine unlösbare Situation ab, braucht es zielgerichtete und lösungsorientierte Handlung, bevor sie unerträglich wird und dauerhaften Schaden anrichtet. Zu den unangenehmen Anfangsaufgaben gehört es, unter Umständen bereits klare Entscheidungen zu fällen. Wer wartet und die Klärung hinausschiebt, macht es für alle Beteiligten nur schwieriger.

Nicht gleich alles auf den Kopf stellen
Gemessen wird die neue Führungskraft schlussendlich an Handlungen. Es ist also nicht ratsam, am Anfang gleich alles auf den Kopf zu stellen. Zu leicht passiert es, dass Unerfahrene sich in die Nesseln setzen. Besser ist es, die gute Arbeit des Teams unter dem Wirken des Vorgängers offen anzuerkennen und als Basis für Verbesserungen heranzuziehen. In der ersten Phase geht es darum, einen Überblick zu gewinnen, danach lassen sich Änderungen umso sorgfältiger umsetzen. Gerade weil der gute Draht zu den Mitarbeitenden bereits besteht, können diese frühzeitig und maßvoll in Entscheidungen mit eingebunden werden, ohne die Führungsrolle zu beeinträchtigen.

Bei Feierabend-Bier auf dienstliches verzichten
Auch im Alltag ist das eigene Rollenverständnis von Bedeutung. Wer zum Feierabendbier mitgeht, sollte auf dienstliche Gespräche verzichten. Die Chefrolle kann getrost an der Unternehmenspforte zurückgelassen werden. In geselliger Runde nach Dienstschluss ist der Kollege dabei, nicht der Chef.

Rollen nicht vermischen
Es irritiert mehr als es nützt, wenn sich die Rollen vermischen. Unter Umständen ist es aber sinnvoll, nicht bei jedem Anlass dabei zu sein, den Besuch von Festen etwas einzudämmen und erst recht nicht mehr unter den Letzten zu sein, die ein privates Fest verlassen. Müssen dem Team Entscheidungen aus der Führungsrolle mitgeteilt werden, sollte das gerade in der Anfangszeit klar deklariert werden. Zum Beispiel kann eine Ansage so lauten: „Auch wenn ich euch schon lange kenne, ich rede jetzt zu euch als euer Chef.“ Als nützlich erweist sich ein regelmäßig eingeholtes Feedback von gut bekannten und offen kommunizierenden Mitarbeitern. Das hilft, die neue Chefrolle zu justieren, bis sie eines Tages alltäglich und gewohnt für alle Beteiligten ist.

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