Robin Lumsden über "Die Macht der Bilder"

Der Wiener Wirtschaftsanwalt Robin Lumsden hat für den trend von seinen Studien an der US-Eliteuni berichtet. Auch zurück in Wien hält er Kontakt zu den Professoren und beschreibt diesmal, wie in Stanford die Allausflüge von Jeff Bezos und Richard Branson gesehen und die dabei produzierten Emotionen zu Geld gemacht werden.

Robin Lumsden über "Die Macht der Bilder"

Jeff Bezos nach der erfolgreichen Landung seines Raumschiffs New Shepard, das ihn in eine Höhe von 107 Kilometer über der Erde katapultierte.

Große Neuigkeiten im Silicon Valley: Nach "Virgin"-Pionier Richard Branson (er startete als erste Privater ins Weltall) hat nun auch Tech- Legende und Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seinem Raumschiff den Schritt ins Weltall gewagt - kurz nach Branson, aber dafür ein Stück höher. Bei beiden Unternehmen arbeiten Stanford-Jahrgangskameraden von mir an diesen Projekten.

Auch der Raumfahrtkonzern SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk wächst so stark, dass seine Raketen künftig auch von umgebauten Erdölplattformen im Meer abheben sollen. Bereits 2022 sei eine erste Mission geplant.

Die begehrten Sitzplätze in die Schwerelosigkeit wurden von Bezos (er rangiert derzeit als reichster Mensch der Welt) zuvor im Rahmen einer Auktion für gut betuchte Interessierte versteigert. Ein großer Schritt für die gesamte Menschheit und der Beginn der kommerziellen Raumfahrt oder nur ein gigantischer, umweltschädlicher Egotrip von Milliardären?

An der Stanford University diskutiert man die Rolle der Rakete "New Shepard" sehr gegensätzlich. Man zweifelt dabei aber nicht an der Wichtigkeit der Raumfahrt: Dass in diesem Bereich geforscht und investiert wird, gebietet der technologiegetriebene Fortschrittsgeist. Viele Wissenschaftler zweifeln aber an der Sinnhaftigkeit privater Allausflüge ohne Forschungszweck. Im Tesla-affinen Kalifornien sind vor allem die Emissionen einer solchen Rakete heftig umstritten.

Eines ist man sich aber sicher: Die dabei erzeugte Macht der Bilder ist gigantisch. Das Unternehmen Blue Origin wird wohl mit Jeff Bezos an der Spitze als erster kommerzieller Raumfahrtanbieter in die Geschichte eingehen, global garniert mit einer perfekten PR-Story und gefolgt von einem Millionenpublikum auf YouTube. Mein Stanford-Professor Jeffrey Pfeffer, Autor des Bestsellers "Paths to Power", würde dies wohl als milliardenwertvollen, gelungenen PR-Stunt analysieren.


Auch beim Sportsponsoring ist die Macht der Bilder von zentraler Bedeutung.

Es sind bloß Emotionen, die diese Bilder produzieren, die sich letztendlich in Marktanteile und Wertschöpfung umwandeln. Glaubt man den Gerüchten hier im Silicon Valley, soll der nächste Trip ins All bereits in Zusammenarbeit mit großen Marken stattfinden, sodass Tech-Unternehmen wie Uber, Tesla oder Facebook über derartige Aktionen einen millionenschweren Werbewert generieren.

In einer der letzten Ausgaben [=>LINK] hatten wir von der Wichtigkeit von Sportsponsoring berichtet und erklärt, wie wichtig dieses für das Branding erfolgreicher Unternehmen ist. Dabei kommt auch der Macht der Bilder eine zentrale Rolle zu. Stanford hat schließlich eine große Tradition an erfolgreichen Sponsoring-Partnerschaften - Millionenschwere Bündnisse zwischen Sportlern und Unternehmen (so ist zum Beispiel Nike ein Hauptsponsor der Uni und hat die Business School gestiftet) stehen hier an der Tagesordnung.

VERTRAG MIT DEM WELT-BESTEN TENNISSPIELER. Novak Djokovic bei der Unterzeichnung des Sponsoringvertrags mit dem neuen RBI-Marketingchef Christoph Kullnig (l.) und unserem Autor in der Mitte.

Vor Kurzem habe ich eines der wertvollsten Sportsponsorings dieses Jahres eingefädelt: den Deal zwischen Tennisstar und Nummer eins der ATP-Weltrangliste Novak Djokovic (gewinnt momentan fast alles) und der Raiffeisen Bank International. Für Raiffeisen hätte diese Partnerschaft nicht zu einem besseren Zeitpunkt kommen können: Novaks beispiellose Erfolgsserie, der Sieg in Wimbledon, im Hintergrund das Raiffeisen-Logo, Novaks Team vor gelb-schwarzen Giebelkreuzen. Ein millionenschwerer Werbewert für Raiffeisen, der für 2021 bislang einzigartig ist und in der Sportwelt schon eifrig analysiert wird.

Die Daten als Rohstoff für Analysen

Nach jedem Spiel von Novak konnte man über Google-Trends einen sprunghaften Anstieg der Suchanfragen für "Raiffeisen" oder "Partnership Raiffeisen and Djokovic" registrieren. Im datengetriebenen Silicon Valley ist Google meist einen Schritt voraus, die Suchanfrage gilt als logische Vorstufe zu einer stärkeren Corporate Brand. Langfristig könnte die Partnerschaft für die österreichische Bank zur absoluten Goldgrube werden, Novak gilt schließlich vor allem in den Kernländern von Raiffeisen als die generell bekannteste Persönlichkeit.

Wichtigste Voraussetzungen bei solchen Partnerschaften ist aber immer eine sorgfältige datengetriebene Analyse: Durch Datenanalysen kann eine monetäre Wertschöpfung geschaffen werden, ein Zugang, den ich auch in meinem Brotberuf als Wirtschaftsanwalt regelmäßig anwende.

In wenigen Tagen werde ich für aktuelle Stanford-MBA-Studenten mit meinem Professor Jeffrey Pfeffer dazu eine Veranstaltung halten.

Ein Thema wird auch der Deal zwischen Raiffeisen und Novak Djokovic sein; gemeinsam mit Data-Science-Experten und Silicon-Valley-trainierten Profis werden wir dieses Bündnis analysieren. Denn jede gute Ausbildung sollte aus meiner Sicht auch Datenanalyse, Regressionsrechnungen und das professionelle Anwenden von Daten beinhalten. Mir hilft dies, um in meiner Branche Entscheidungen fundierter begründen zu können.


Die interaktive Kolumne

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Zum Autor

Robin Lumsden ist Anwalt in Wien, New York und Washington. Zwei Jahre verbrachte er an der US-Eliteuniversität Stanford. Seine Arbeit als Anwalt und die dort gewonnenen Erfahrungen verarbeitet er jetzt dieser Kolumne.



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