Der Risiko-Faktor: Unternehmer zu sein ist auch eine Frage der Gene

WU-Professor Nikolaus Franke

Nikolaus Franke ist Akademischer Direktor des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation der WU Executive Academy und Leiter des Instituts für Entrepreneurship & Innovation an der WU Wien.

Muss man zum Entrepreneur geboren werden, oder kann man Unternehmertum erlernen? Die Resultate neuer Studien weisen auf eine genetische Prädisposition hin. Nikolaus Franke, Professor an der WU Wien, zieht aber den Vergleich mit Sportlern oder Musikern, bei denen auch gilt: "Ohne Fleiß kein Preis."

"Wenn ich in einem Kurs mit 100 Entrepreneurship-Studierenden die Frage stelle, wer mindestens ein Elternteil hat, das beruflich selbständig ist oder war, heben regelmäßig über die Hälfte der Anwesenden die Arme. Die Selbständigenquote in Österreich beträgt aber nur neun Prozent", erklärt Nikolaus Franke, Professor an der WU Wien, der sich angesichts dieser empiristischen Feststellung mit der Frage beschäftigt, ob es ein Unternehmer-Gen gibt und ob es vielleicht vorbestimmt ist, ob man Untenehmer wird oder nicht.

Der hohe Anteil an Unternehmer-Nachkommen in der Entrepreneurship-Ausbildung der WU Wien korrespondiert mit zahlreichen internationalen Statistiken. Daraus, könne jedoch noch nicht geschlossen werden, dass die Neigung und die Fähigkeit zum Unternehmertum vererbt wird, betont Franke. Natürlich kämen Kinder selbstständiger Eltern früh und intensiv in Kontakt mit Selbständigkeit als Option für eine spätere Karriere. Die Eltern sind wichtige Rollenvorbilder und Vermittler von zentralen Werten und können die Berufswahl ihrer Kinder auch durch Ressourcen beeinflussen.

Zur Untersuchung Berechnung der Vererbbarkeit, der Heritabilität von Entrepreneurship, bieten sich daher Zwillings- und Adoptivstudien an. Damit kann ermittelt werden, ob eine Eigenschaft vererbt oder durch Umwelteinflüsse bedingt ist. Ein Wert von 0 bedeutet, dass die Eigenschaft ausschließlich auf Umwelteinflüsse zurückgeht, ein Wert von 1 bedeutet, dass sie rein genetisch bedingt ist. In der Wissenschaft bedeuten Werte zwischen 0,01 und 0,15 eine geringe, von 0,2 bis 0,4 eine mittlere und über 0,45 eine hohe Heritabilität.

Es gibt kein Entrepreneurship-Gen

Verschiedene Studien aus den USA, Großbritannien und aus Schweden zeigen, dass die Fähigkeit, Geschäftsgelegenheiten (Opportunities) überhaupt zu erkennen, eine hohe Vererbbarkeit von 0,45 aufweist. Die tatsächliche Entscheidung, Entrepreneur zu werden, hat Heritabilitätswerte zwischen 0,4 und 0,6. Erbanlagen spielen demnach für Entrepreneurship tatsächlich eine große Rolle.

Dennoch will Franke die genetische Prädisposition nicht überbewerten. "Sicher ist, dass es nicht „das“ Entrepreneurship-Gen gibt und auch keinen Determinismus, wie es etwa bei manchen Erbkrankheiten vorkommt", hält er fest. Die Forschung nach den genauen Wirkmechanismen stecke noch in den Kinderschuhen. Die meisten Theorien zur Vererbbarkeit von Entrepreneurship besagen aber, dass bestimmte Fähigkeiten wie Intelligenz und Eigenschaften wie Akzeptanz von Risiken genetisch geprägt sind. Eine deutliche Ausprägung begünstigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person unternehmerisch aktiv wird.

"Anders gesagt: genetisch angelegt ist ein Teil - und nur ein Teil - des Entrepreneurship-Potenzials. Ob es realisiert wird, hängt wiederum stark vom Umfeld ab. Die Aufgabe von Bildung und Weiterbildung im Bereich Entrepreneurship ist es, das Potenzial gezielt zu fördern", sagt Franke und zieht den Vergleich zu Sportlern oder Musikern, bei denen für Spitzenleistungen sowohl eine außergewöhnliches Talent als auch ein entsprechendes Training notwendig sind: "Wer keine Grundsportlichkeit oder Musikalität hat, wird trotz bester Ausbildung nicht über ein mittelmäßiges Niveau hinauskommen. Umgekehrt gibt es jedoch auch keinen Weltklassesportler und Musikstar, der nicht immens von Training und Ausbildung profitiert hat. Und genauso ist es auch mit Entrepreneurship."

Karrieren

Jobsuche: Bewerber, bitte warten!

Recht

Arbeiter und Angestellte: 10 Fragen und Antworten zur Gleichstellung

Markus Albers ist Autor, Berater und Unternehmer in Berlin.

Karrieren

Digitale Erschöpfung: Raus aus dem Hamsterrad