Richtiges Timing: So kommen Sie zu mehr Gehalt

Richtiges Timing: So kommen Sie zu mehr Gehalt

Für Arbeitnehmer gibt es keinen Zeitpunkt, an dem man nicht über Gehaltserhöhungen sprechen könnte. Für Arbeitgeber dagegen keinen Zeitpunkt, der sich dafür eignet. Wer mehr Geld für seine Arbeit möchte, sollte daher gut argumentieren können und bei dem Termin auch die Gunst der Stunde nutzen. Sieben Tipps, damit Sie als Mitarbeiter bei Gehaltsverhandlungen gut aussteigen.

Mehr Geld für die gleiche Arbeit - das wünschen sich klarerweise viele Arbeitnehmer. Ihnen gegenüber stehen jedoch oft Arbeitgeber, die überzeugt sind, dass ihre Mitarbeiter sehr gut entlohnt werden, und zum Teil sogar überbezahlt sind.

Doch gibt es etliche Anlässe, zu denen es sich lohnt, mit dem Dienstgeber die G-Frage zu verhandeln. Etwa wenn man zusätzliche Projekte übernommen hat, sich der Verantwortungsbereich vergrößerte, gute Leistungen anerkannt werden sollen oder schlichtweg nur das aktuelle Gehalt nicht mehr den marktüblichen Standards entspricht.

Doch wann ist für Mitarbeiter eigentlich der beste Zeitpunkt, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen? Dieser Frage ist der Personaldienstleisters Robert Half nachgegangen, der für seine Arbeitsmarktstudie 2016 100 CFOs in Österreich befragt hat.

Die Studie zeigt, dass der Zeitpunkt, den Wunsch nach einem Gehaltsplus zu äußern, unabhängig von den dahinter stehenden Motiven gut gewählt sein sollte. Die österreichischen Finanzchefs sehen demnach das Mitarbeitergespräch (22 Prozent) und den Beginn von größeren Projekten oder der Übernahme von mehr Verantwortung (20 Prozent) als ideale Momente, um über das Gehalt zu sprechen.

Gesprächstermin vereinbaren

„Gehaltsgespräche sollten nicht spontan zwischen Tür und Angel stattfinden. Vorgesetzter und Mitarbeiter sollten einen konkreten Termin vereinbaren, in dem das Gehalt Thema ist“, rät Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half. „Gehaltsverhandlungen sind für beide Seiten eine Herausforderung. Für Mitarbeiter bedeutet eine Gehaltserhöhung zumeist die Wertschätzung ihrer Arbeit. Führungskräfte müssen für einen Ausgleich der Mitarbeiter- und Unternehmensinteressen sorgen. Im Idealfall sollten sie das Gespräch zu einem Win-Win-Ergebnis führen.“

Nicht immer sind jedoch die unternehmerischen Voraussetzungen gegeben, um Gehaltswünsche erfüllen zu können. Von sich aus würden 41 Prozent der österreichischen CFOs eine Gehaltserhöhung dann anbieten, wenn das Unternehmen sich in einer Expansionsphase befände. Auch die Unternehmensleistung und das wirtschaftliche Klima sind für jeweils mehr als ein Drittel (je 38 Prozent) ausschlaggebend für Angebote seitens des Unternehmens. Trotz eines Fachkräftemangels sieht aber nur etwas mehr als jeder zehnte Finanzmanager (13 Prozent) in der schwierigen Mitarbeitersuche und -bindung einen Grund für ein höheres Gehaltsangebot.

„Mitarbeiter, die ein höheres Gehalt verhandeln möchten, haben bessere Erfolgsaussichten, wenn sie die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens berücksichtigen und einen Moment mit niedrigerem Stresspegel bei ihrem Vorgesetzten wählen. Dennoch ist es wichtig, eine Gehaltsforderung gut zu argumentieren und eine Exit-Strategie parat zu haben. Wenn die finanziellen Wünsche nicht oder nicht ganz erfüllt werden können, sind Sachleistungen oder Benefits oft eine gute Alternative“, ergänzt Hennige.

Tipps für erfolgreiche Gehaltsverhandlungen

  1. Individuelle Erfolge nachweisen: Zeigen Sie auf, wie sich Ihr Verantwortungsbereich erweitert hat oder welche Projekte Sie erfolgreich beendet haben. Hierzu können Sie zur Unterstützung Ihrer Argumente etwa Ihren Arbeitsvertrag, Zielvereinbarungen oder Protokolle von Mitarbeitergesprächen heranziehen.
  2. Teamerfolg belegen: Hat Ihre Abteilung ein besonders erfolgreiches Jahr unter Ihrer Leitung oder seit Ihrem Antritt als Teamleiter gehabt? Ziehen Sie messbare Verbesserungen als Argumente heran, beispielsweise gestiegene Kunden-, Umsatz- oder Ertragszahlen.
  3. Persönliche Motivation aufzeigen: Intrinsische Motivation des Mitarbeiters ist das A und O: Haben Sie konkrete Ziele, die Sie (zum Wohle des Unternehmen) erreichen wollen oder Projekte, die Sie gerne umsetzen würden? Hiermit etablieren Sie sich als Business-Partner Ihres Vorgesetzten und beweisen Ihr Engagement.
  4. Gute Vorbereitung: Neben guten Argumenten für eine Gehaltserhöhung sollten Sie ein Gefühl dafür entwickeln, wie hoch ein für Ihre Position angemessenes Gehalt liegt. Hierfür bietet zum Beispiel die Gehaltsübersicht 2016 von Robert Half wertvolle Anhaltspunkte. Neben einem höheren Gehalt können Sie auch andere Zusatzleistungen in die Waagschale werfen, wie mehr Urlaub oder Home-Office.
  5. Hartnäckig bleiben: Lassen Sie sich keine Unsicherheit in der Gehaltsverhandlung anmerken. Wenn Sie die Argumente auf Ihrer Seite haben, können Sie diese auch selbstbewusst vertreten. Wenn nach dem Gespräch die ausgehandelte Gehaltserhöhung oder Zusatzleistungen nicht realisiert werden, fragen Sie höflich, aber bestimmt nach, und suchen Sie ein zweites Gespräch.
  6. Dont's: Privatausgaben, besser verdienende Kollegen und Kündigung: Führen Sie keine privaten Gründe oder besser verdienende Kollegen in einer Gehaltsverhandlung an – hier geht es ausschließlich um berufliche Aspekte und Ihre persönliche Leistung. Drohen Sie Ihrem Vorgesetzten auch nicht mit einer Kündigung, falls Sie keine Gehaltserhöhung bekommen. Das kann sich negativ auf die Zusammenarbeit und die Stimmung im Team auswirken.
  7. Der richtige Zeitpunkt: Generell gilt es, einen Termin zur Gehaltsverhandlung zu vereinbaren, damit beide Parteien sich auf das Gespräch vorbereiten können. Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Chef in einer Phase ansprechen, in der er ausreichend Zeit hat und nicht zu stark unter Stress steht. Der Anlass kann das Jahresgespräch oder die Übernahme eines anspruchsvollen Projekts sein. Auch gibt es in manchen Unternehmen festgelegte Zeitspannen, innerhalb derer Gehaltsrunden stattfinden.
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