Resilienz: Wer fürchtet sich vor der Digitalisierung?

Resilienz: Wer fürchtet sich vor der Digitalisierung?

Resilienz ist, wenn man es trotzdem macht: Hinfallen, aufstehen, abputzen, weitergehen

Was passiert, wenn uns die Digitalisierung am falschen Fuß erwischt? Wenn Geschäftsmodelle unterminiert und bewährte Strategien obsolet werden? „Resilienz“ ist das Schlagwort der Stunde: Widerstandsfähigkeit aufbauen, Herausforderungen bewältigen. Im Rahmen eines Business-Breakfasts wurden Wege und Methoden dafür diskutiert.


I. Entrée: Der Fall Kodak

Die Eastman Kodak Company war einer der ersten Konzerne, der von der Digitalisierung überrollt wurde. Dabei hatte der einst strahlende Foto-Gigant lange Zeit alles richtig gemacht. War weltweit erfolgreich, hatte Profis und Amateure als eingeschworene Community auf seiner Seite, ein herausragendes Produktportfolio, eine tadellose Unternehmensstruktur und erwirtschaftete Milliarden.

Auch bei der Forschung und Entwicklung hatte das Unternehmen den richtigen Riecher: 1974 entwickelte der Kodak-Mitarbeiter Steven J. Sasson die erste tragbare Digitalkamera. Wobei „tragbar“ aus heutiger Sicht relativ ist: Bei dem Ding handelte es sich um ein 3,6 Kilo schweres Trumm, das auf dem damals State-of-the-art CCD-Sensor aufbaute und eine Bildauflösung von 10.000 Pixel – 0,01 Megapixel - erreichte. Die Kamera war ein eigenartiges, archaisches Ding: Eine blaue Metallkiste, montiert auf einen Rahmen mit Leiterplatten und Elektronik. Das Objektiv stammte von einer Super-8-Kamera, als Datenspeicher war eine Audiokassette angeschraubt. Ein Foto zu speichern dauerte 23 Sekunden und um es anzeigen zu können musste die Kassette über ein Interface an einen Computer und der wiederum an einen Fernseher angeschlossen werden. Von der Alltagstauglichkeit war das meilenweit entfernt, aber es funktionierte.

Steven J. Sasson

Steven J. Sasson und die erste "tragbare" Digitalkamera der Welt (1974)

Doch da begannen die Probleme. Nach der Experimentierphase verließ den Konzern der Mut. Um das eigene Geschäft mit Filmrollen und Analog-Kameras nicht zu gefährden wurde Sassons Erfindung geheim und unter Verschluss gehalten. Kodak meldete zwar das Patent für die Technologie an und verdiente später Milliarden an Lizenzen, als das Unternehmen aber selber begann Digitalkameras zu bauen war der Vorsprung der Konkurrenz nicht mehr aufzuholen. Mit dem Unternehmen ging es rasant bergab. Bald darauf wurde die Produktion von Fotopapieren und Filmen eingestellt, zigtausende Mitarbeiter wurden entlassen und 2012 folgte die Insolvenz.


II. Wir wissen (nicht) was wir tun

Gut, besser, böse

Der Fall Kodak eine typische Wirtschaftsgeschichte von falschen Management-Entscheidungen, versäumten Optionen und dem verpasstem Wandel, an dessen Ende ein Imperium zu Fall kommt.

Fortschritt ist die einzige Konstante in der technologischen Entwicklung: Dem Neuen folgt immer wieder etwas Neueres, dem Guten etwas noch Besseres. Wer versucht, ihn aufzuhalten und aufhört, sich immer wieder neu zu erfinden, der hat schon verloren.

40 Jahre nach der Erfindung der Digitalkamera hat sich das Tempo der technologischen Entwicklung so beschleunigt, dass der nächste Level oft kaum mehr vorhersehbar ist. Angetrieben durch die durch die Möglichkeiten der Digitalisierung kommen neue Lösungen und Ideen in unvermuteter Gestalt mit disruptiver Kraft aus bisher ungeahnten Ecken, wobei die Karten wieder neu gemischt werden und oft genug nur noch Ratlosigkeit herrscht. Eine Ratlosigkeit, die zur Schockstarre werden kann: Weil man nicht weiß, was man tun soll, geschieht zunächst einmal gar nichts - was das Problem weiter verschärft.

Agil, hypernervös, resilient

Agilität ist in vielen Unternehmen das Zauberwort, um nicht unter die Räder zu kommen: Flexibel, proaktiv, antizipativ und initiativ sein. Keine Abzweigung zu einem entscheidenden Entwicklungssprung verpassen. Doch das löst Stress aus und macht nervös. Denn wie agil kann man sein, ohne sich aufzureiben, wie viele Sprints kann man hinlegen, ohne sich komplett zu verausgaben? Und was ist, wenn etwas nicht klappt? Einmal unter Druck geraten lassen sich Fehlentwicklungen und Fehlschläge noch schwerer verkraften.

Und wie bereitet man sich vor, wenn einen die Digitalisierungslawine erwischt? Wenn - wie Sabine Hoffmann, Chefin der Agentur Ambuzzador als Beispiel anführt - etwa einer der besten Kunden plötzlich zum Konkurrenten wird? Wie zum Beispiel im Falle der Post, die sich damit arrangieren muss, dass Amazon damit begonnen hat, Pakete selbst zuzustellen?

Wie kann man Handlungsstrategien entwickeln und nach einem Rückschlag wieder zurück zu alter Form kommen? Vor allem wenn man die potenziellen Risiken noch nicht kennt und neue Technologien die Strategien von gestern zunichtemachen. Wie kann man das Mindset verändern und psychologische Sicherheit in einem Team, in einem Unternehmen schaffen? Wie in den Experimentiermodus kommen, das eigene Ökosystem nutzen, um einen anderen Blickwinkel auf alltägliche Herausforderungen zu bekommen?

Teilnehmer am Resilience Business Breakfast

Teilnehmer am Resilience Business Breakfast

Diese Fragen wurden Auf Einladung von Sabine Hoffmann, Gründerin der auf Digitslisierungsprozesse spezialisierten Agentur Ambuzzador, im Rahmen Business-Breakfasts in einer bunten Runde diskutiert. Die Impulse kamen dabei von Annika Wolf, Professorin für Unternehmens- und Projektfinanzierung und Unternehmertum an der Hochschule Emden –Leer, Claudia Winkler, Gründerin von Goood, Gerhard Kürner, Geschäftsführer Lunik2, der Energie-Expertin Jennifer Djongow, dem Leiter des ÖAMTC-Personalmanagements Herwig Kummer und dem Steuerberater Peter Pilz, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO.


III. Es gibt kein "Richtig" und kein "Falsch"

Annika Wolf

Annika Wolf: "Wir müssen neue Autobahnen im Kopf bauen."

Annika Wolf

Annika Wolf, früher Risikomanagerin bei der Commerzbank, unterrichtet seit 2017 an der Universität Emden/Leer- Corporate Finance, Project Finance and Entrepreneurship. Mit der Herausforderung, Studierende auf die digitale Arbeitswelt vorzubereiten und gleichzeitig notwendige Lerninhalte umzusetzen. Sie setzt dabei auf freies Experimentieren. Denn wie sonst, meint sie, solle man 20-jährige Studenten eine Welt vorzubereiten, deren Mechanismen und Regeln noch weitgehend gänzlich unbekannt sind?

Wolf selbst war im September 2008 Commerzbank gekommen, genau zu dem Zeitpunkt als diese die Dresdner Bank übernahm und erlebte die Fusionierung der beiden Insititue aus der ersten Reihe. "Nach 1.000 Tagen wurde unsere interne Integration abgeschlossen. Es hieß damals die Digitalisierung ist fertig", erinnert sie sich. "Das fand ich spannend. Ich stellte mir die Frage: Ist das der richtige Weg? Den Kopf in den Sand stecken, es zieht vorbei? Das war dann auch der Grund für meinen Exit. Ich glaube nicht, dass es der Weg für nachhaltige Geschäftsmodelle ist, die Digitalisierung einfach zu ignorieren."

Seither habe sich die Situation zwar etwas geändert, aber Wolf sieht die Banken-Branche immer noch im Dunkeln tappen: "Wir haben in den letzten zehn Jahren gesehen, dass die Banken eine Menge machen. Die Frage ist nur, ob das noch zukunftsträchtig ist. Oder ob man nicht einfach Wasser aus dem vollgelaufenen Schiff schüttet", sagt sie.


Das Wissen der letzten 200 Jahre hat nichts damit zu tun, was in fünf Jahren sein wird.

Mit der Erfahrung aus ihrer vorangegangenen Karriere versucht sie nun, Studenten Mut zum Experimentieren zu geben. Was nicht immer einfach ist. Denn selbst beim Prototyping haben Studenten mitunter die Sorge, ob sie man auch alles richtig machen. "Dabei gibt es aber kein "Richtig“ und kein „Falsch“. Das ist der Sinn des Ausprobierens", sagt sie. Und dabei zu lernen, dass etwas nicht funktioniert ein essenzieller Teil.

Das Problem: Man wird von der Schule an darauf getrimmt, lösungsorientiert zu denken, dass es eine Lösung gibt, auf die man hinarbeiten muss."Wir müssen neue Autobahnen im Kopf bauen", fordert Wolf daher. Lösungskompetenz lernen, Empathie, Verstehen des Anderen. Fragen stellen, damit man lernt, wo man hin will. Und dabei - ganz im Sinne der Resilienz - auf sich vertrauen. Auf das, was wir lernen. Nicht nur auf die Inhalte, sondern vor allem über sich selbst. Darauf zu vertrauen, dass wenn das Chaos kommt nicht alles infrage zu stellen sondern mit der Einstellung anzutreten: „Ich bin hier, stehe mit beiden Beinen im Leben und ich komme zurecht.“

Die Einstellung „Das haben wir immer so gemacht“ lässt Wolf dabei nicht gelten. Und sie fordert ihre Studenten heraus, in ganz anderen Bahnen zu denken. "Das Wissen der letzten 200 Jahre hat nichts damit zu tun, was in fünf Jahren sein wird. Von dem wir nicht wissen, wie es aussieht. Aber selbst wenn man sich auf ein Problem wahrscheinlich nicht vorbereiten könne, zählt es für Wolf, Resilienz zu beweisen: "Man kann zumindest sagen: Ich für mich – habe eine grandiose Ausbildung, spreche ein paar Sprachen und es gibt immer etwas, das ich machen kann – und wenn es ist, in einer Kneipe am Ende der Welt zu arbeiten."


IV. Das eigene Spiel spielen

Claudia Winkler

"Goood" CEO Claudia Winkler: "Jede Entscheidung kann der Tod, das Ende sein."

Claudia Winkler

Claudia Winkler war lange eine Ausnahmeerscheinung in der Corporate-Welt. Als junge Frau machte sie in der Telekom Austria Group Karriere und wurde dort internationaler Marketingvorstand. "Das Thema Resilienz im täglichen Leben ist mir daher sehr, sehr bekannt", sagt sie heute dazu.

2017 hatte sie genug davon und beschloss, sich mit "goood Mobile" selbstständig zu machen. "Unser Ansatz war, etwas zu tun, bei dem der gesellschaftliche Impact im Vordergrund steht, und das Tool, das zu tun ist der Mobilfunk", erklärt sie den Hintergrund. Selbst sieht sie sich auch nicht als Gründerin eines Telekommunikationsunternehmens, sondern als Social Business Gründerin, die eine nachhaltige, soziale Wirkung haben will - wobei das Unternehmen nicht auf Förderungen angewiesen sein soll, sondern sich selbst finanzieren soll.


Ich weiß jeden Tag, dass ich es schaffen werde, weil ich es schon ein paar Mal geschafft habe.

Zehn Prozent aller Einnahmen gehen an karitative Einrichtungen, wobei die Kunden selbst bestimmen können, welcher Einrichtung das Geld zugute kommen soll.

Ihren Neustart als Start-up-Gründerin beschreibt sie mit einem Zitat eines Airbnb-Gründers: „Es ist wie in einem Computerspiel. Man kommt in einen Level und bemüht sich dort, alle Drachen zu besiegen. Um dann in den nächsten Level zu kommen, wo die Drachen noch größer und gefährlicher sind.“

Dabei ist Durchhaltevermögen gefragt. Und es ist wichtig, das eigentliche Ziel, möglichst viele Mittel für gemeinnützige Organisationen zu generieren, nicht aus den Augen zu verlieren. "Wir sind jetzt zwei Jahre am Markt, arbeiten mit mehr als 250 Non-Profit-Organisationen und haben viele Drachen gesehen", sagt Winkler. "Wir versuchen mit den Drachen zu kuscheln. Zu schauen, ob man gemeinsam mit ihnen eine Burg bauen kann. Resilienz heißt für mich, damit umzugehen. Jeden Tag zu wissen, dass ich es schaffen werde, weil ich es schon ein paar Mal geschafft habe."

Bei allem bleibt die Herausforderung, immer wieder neue Lösungen zu finden. "Ich sehe es als Lernreise. Jede Phase – so schwer sie ist – als Lernen und wieder einen Schritt weiterzugehen. Wobei das Wissen, dass ein Scheitern jederzeit möglich ist, immer im Hinterkopf ist. "Für uns als Start-up kann jede Entscheidung sofort der Tod, das Ende sein. Da braucht man auch entsprechenden Zukunftsoptimismus, denn sonst hört man nach zwei Wochen wieder auf."


V. Positiv denken

Gerhard Kürner

Gerhard Kürner, Lunik2: "Wenn man will kann man alle Prozesse positiv durchdenken und auch ausprobieren."

Gerhard Kürner

Auch der 49-jährige Gerhard Kürner hat in seiner beruflichen Karriere sowohl Corporate- als auch Start-up Erfahrung gesammelt. Der frühere Unternehmenssprecher der voestalpine hat sich 2015 mit der Marketingagentur Lunik2 und dem Motto "Sinn Marketing Macher" selbstständig gemacht. Sein Ansatz: Marketing macht nur dann Sinn, wenn die Menschen auch mit relevanten Botschaften bewegt werden.

"Mein ganzes Leben ist eine einzige Geschichte der Resilienz", sagt Kürner, "das kann man zu einem gewissen Maß trainieren."

Positiv in Prozessen denken, Respekt und Empathie gegenüber der Problemstellung zu haben, verschiedene Patterns lernen, alles ausprobieren, und auch mal scheitern - das ist für ihn der Schlüssel, das grundsätzliche Thema. "Man muss sich trauen. Dabei tun sich viele schwer", sagt er und bekennt, durch eine weitere, wichtige Eigenschaft immer wieder in die Resilienz-Falle geraten zu sein: Neugierde. "weil ich immer alles ausprobieren musste, was nicht immer gut gelungen ist."


Es war noch nie so einfach wie heute, mit Produkten und Services ein Geschäft zu machen.

Mit einem positiven Ansatz könne man aber zu nahezu jedem Thema einen Business-Case bauen. Auch wenn ein Sechsjähriger zum Mond fliegen will. "Als klassischer erwachsener Mensch würde man darauf sagen: „Spinnst du? Du fliegst garantiert nicht zum Mond. Wie willst du denn da überhaupt hinkommen?“ Ein positiver Prozesszugang wäre hingegen: Wir machen ein Social Projekt wie bei der Ice Bucket Challenge , da kommen ein paar Millionen zusammen. Dann könnte das klappen. "Es könnte sein, dass ich dann wieder Resilienz brauche, weil es nicht funktioniert. Aber es einfach zu machen, sich zu trauen, ist eines der wichtigsten Themen", sagt Kürner.

In etablierten Unternehmen, in der Corporate-Welt, sieht Kürner das Handicap, dass dort stets die Risikovermeidung im Vordergrund steht. Was allerdings wieder ein Risiko ist, denn Start-ups suchen das Risiko, probieren aus, lernen daraus und werden besser. Auch wenn sie mitunter nur lernen, dass ein Ansatz nicht funktioniert. Und Kürner ermahnt, Unternehmen immer wieder zu überlegen, ob sich das eigene Geschäftsmodell so verändern kann, dass einer der größten Kunden zum Mitbewerber wird

"Wir leben in einer unglaublichen Zeit. Es war noch nie so einfach, mit Produkten und Services ein Geschäft zu machen", sagt Kürner und mahnt Offenheit ein: "Was auf mich zukommt kann schlecht, gut oder neutral sein. Ich muss die Dinge ausprobieren." Wobei allerdings immer strukturiertes Denken und Bodenhaftung gefragt ist. "Ich brauche Kontakt zu meiner Zielgruppe, um zu wissen, was die Menschen treiben, was sie bewegt.


VI. Vorausschauen und planen

Jennifer Djongow

Jennifer Djongow: "Man kann sich nicht vorbereiten."

Jennifer Djongow

Als Umwelt- und Energieexpertin brachte Jennifer Djongow einen besonderen Aspekt in die Diskussion ein: Was, wenn das große Blackout kommt? Nicht nur ein Stromausfall, sondern ein Strom- und Infrastrukturausfall. Da geht dann nichts mehr. Kein Licht, kein Wasser, keine Kommunikation. Unternehmen stehen still, der Verkehr steht still. Und Österreichs Privathaushalte sind besonders schlecht für ein solches Worst-Case-Szenario ausgerüstet: "Es gibt Studien, nach denen die Österreicher mehr Wein als Wasser zuhause haben", sagt Djongow.


Das Stromnetz ist das Netz, das alles und alle miteinander verbindet.

Man könne sich nicht darauf vorbereiten, schon gar nicht, wenn sich ein solches Blackout nicht auf Österreich beschränkt, sondern europaweite Ausmaße annimmt. "Als Betrieb bereitet man sich gerne auf die Risiken vor, die man kennt – aber was ist mit den Risiken, die man nicht kennt? Das Stromnetz ist das Netz, das alles und alle miteinander verbindet. Was, wenn es ausfällt?", fragt sie.

Resilienz sollte daher schon bei der Prävention ansetzen. Man dürfe nicht abwarten, bis ein Zustand eintritt, sondern müsse vorher rechtzeitig Schritte und Maßnahmen setzen, um von den Ereignissen nicht überrollt zu werden. Strategien im Köcher haben und vorausplanen.


VII. Neue Wege finden

Herwig Kummer

Herwig Kummer, Leiter Personalmanagement ÖAMTC: "Den Kopf hinhalten."

Herwig Kummer

Nur ungern erinnert sich der ÖAMTC-Personalmanager Herwig Kummer an ein persönliches Waterloo: Im Rahmen eines großen Digitalisierungsprojekts wurde beschlossen, die Mitarbeitergespräche für 300 Führungskräfte und 2000 Mitarbeiter des Autofahrer-Clubs zu digitalisieren. Was im Testbetrieb einwandfrei funktioniert hatte entpuppte sich als ein gewaltiger Flop: Die aufgezeichneten Daten waren nicht auffindbar oder nicht freigeschaltet oder zum Teil auch wirklich verschwunden.

"Nicht alles war auf meinem Mist gewachsen, denn ich bin auch abhängig von der IT, der Infrastruktur usw. Aber es war ein Personalthema. Also musste ich den Kopf hinhalten", sagt er. Letztlich habe er viel daraus gelernt, besonders was Infrastruktur und Abhängigkeiten von anderen betrifft. Und sie es ist, vor 70 Führungskräften stehen und die Situation erklären zu müssen.


Wenn ein Weg nicht zum Ziel führt, dann muss man eben einen anderen finden.

"Es könnte jederzeit wieder passieren, durch einen Hacker-Angriff oder einen Stromausfall. Die Dinge sind nicht planbar", ist sich Kummer bewusst und. beschreibt seine Strategie, an der er seither festhält: Man muss sich überlegen, wofür man etwas macht, wo es hinführen soll. Kummer: "Wenn es mich zaubert, kann ich es besser verkraften, wenn ich weiß, wo ich in der Zukunft hin will, denn ein Ereignis ist nur eine Etappe. Vielleicht hat ein Weg nicht zum Ziel geführt, dann muss man eben einen anderen finden."


VIII. Das Chaos wird kommen

Peter Pilz, BDO

Peter Pilz, BDO: "Das Geschäft wird wegfallen."

Peter Pilz

Mit 25 Jahren Berufserfahrung ist der Steuerberater Peter Pilz, Partner bei BDO, ein Experte und gefragter Mann auf seinem Gebiet. Und doch trägt er seit geraumer Zeit Zweifel an seinem Tun mit sich, denn die Digitalisierung und standardisierte Prozesse drohen Steuerberater und Buchhalter überflüssig zu machen. "Die Situation für unseren Berufsstand ist relativ komplex", sagt er.

In Australien gibt es bereits ein vollkommen digitalisiertes Rechnungswesen und für Pilz ist es eine Frage der Zeit, wann es die Bundesregierung schafft, dass alle Eingangsrechnungen einheitlich sind, dann wäre auch in Österreich ein vollautomatisches, digitales Rechnungswesen möglich. Mit horrenden Auswirkungen auf seinen Berufsstand: "Wenn die Unternehmensbesteuerung geändert wird, sodass zum Beispiel nur noch Entnahmen besteuert werden und die Steuer automatisch über Blockchain einbehalten wird, dann braucht man gar keine Steuerberater mehr", sagt er.


Man kann Veränderungen nicht ausweichen.

Die Strategie sein nun als Steuerberater Consulting-Dienstleistungen und höherwertige Beratung anzubieten. Aber Pilz macht sich nichts vor: Die großen Organisationen wie eine BDO, die aktuell in Österreich noch über 500 Mitarbeiter hat, werden zusammenschrumpfen. Und der Beruf des Steuerberater, eine sichere Bank bis zur Pension? "Das bezweifle ich heute", sagt Pilz. Alls Steuerberater müsse er sich heute darüber freuen, dass das österreichische Steuersystem so komplex ist. Aber, warnt Pilz: "In der Branche wollen viele nicht sehen, dass man den Veränderungen nicht ausweichen kann. Das Chaos wird kommen."


IX: Sortie: Neue Leadership

Sabine Hoffmann, Ambuzzador

Sabine Hoffmann, Ambuzzador: "In den Menschen und Organisationen Mut wecken."

Sabine Hoffmann

Als Conclusio aus den Impulsen zieht Gastgeberin Sabine Hoffmann den Schluss: "Die Digitalisierung hat uns an einen Punkt gebracht, wo der einzelne Mensch in einem Unternehmen nichts mehr bewegen kann. Es verändert die Notwendigkeit, wie Unternehmen geführt werden. Die Illusion, dass es eine Person gibt, die Entscheidungen trifft, ist eben maximal noch eine Illusion."

Es müsse zu einer Umstrukturierung der Unternehmen kommen, denn die sind heute mit maximaler Arbeitsteilung aufgestellt, wobei jeder Mitarbeiter eine klare Aufgabe hat und die hierarchisch höher gestellten immer den noch höher gestellten berichten. Was einem Stille-Post-Spiel, gleicht, bei dem das Top-Management, das letztlich Entscheidungen trifft, kaum mehr weiß´, was an der Basis wirklich passiert.


Man bekommt für jeden Fehler eines auf die Finger.

"Die große Frage ist, wie man Leadership neu angeht. Wie schaffen wir es, die einzelnen Mitarbeiter dazu zu bringen, dass sie sich trauen, etwas auszuprobieren, wo man vom Kindergarten an gelernt hat, dass man für jeden Fehler den man begeht eines auf den Finger bekommt?", sagt Hoffmann. Die einzelnen Menschen könne man schnell antriggern. Das Momentum in ein starres System zu bringen, in dem die Ziele, die KPIs, auf die vorherrschenden, alten Geschäftsmodelle ausgerichtet sind ist eine immense Herausforderung. Und um die zu bewältigen braucht man ein gehöriges Maß an Resilienz - ein persönliches Immunsystem, das es einem ermöglicht, Rückschläge wegzustecken und - das Ziel vor Augen - immer wieder einen neuen, strategisch durchdachten Anlauf zu starten.


Veranstaltungshinweis

Resilience Round Table

Das von Sabine Hoffmann (Ambuzzador) initiierte Business-Breakfast war die Auftaktveranstaltung zu einer Diskussionsreihe zum Thema Resilienz. Als nächste Runde folgt ein Resilience Round Table zum Auftakt der Wirtschaftsgespräche beim Europäischen Forum in Alpbach.

Christine Antlanger-Winter (CEO Google Austria), Sabine Hoffmann und weitere Experten bringen unterschiedliche Perspektiven zum Aufbau eines psychologischen Immunsystems im Kontext der Digitalisierung.

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