Recruiting: Warum die Pharma-Personaler schwitzen

Recruiting: Warum die Pharma-Personaler schwitzen

Meike Bork, Horváth & Partners

Die Pharmaindustrie war viele Jahre Schlaraffenland für Personaler wie Mitarbeiter. In keiner anderen Branche wurden so üppige Gehälter bezahlt und attraktive Benefits verteilt. Kein Wunder, dass die Bewerber Schlange standen. Doch nun wird alles anders: HR-Abteilungen müssen sich neu aufstellen. Gastkommentar von Meike Bork, Horváth & Partners Düsseldorf

Digitalisierung, forcierte Rationalisierung und steigender Kostendruck, regulatorische Maßnahmen und schlechte Imagewerte haben der Pharmaindustrie zuletzt gehörig zugesetzt. In der einst verwöhnten Branche fehlt der Nachwuchs und vielfach das Know-how zur Anpassung der Organisation. Warum, wird klar, wenn man sich die Personalabteilungen ansieht. Während sich diese noch immer vorrangig auf Kosten und Effizienz in der Verwaltung konzentrieren, sind die Anforderungen längst andere. Doch wie umgehen mit einer Welt zunehmender Komplexität?

Wettbewerb wird rauer

Die Herausforderungen für Personalabteilungen sind immens: Digitale Technologien verändern das Geschäft, der Wettbewerb wird härter, Mitarbeiter anspruchsvoller, Organisationen und Belegschaften verändern Strukturen und Zusammensetzung. Die Arbeitsumgebung wird zunehmend von Teamspiel, Feedback und Vernetzung geprägt, während die Öffentlichkeit Pharma- und Chemie-Unternehmen immer kritischer wahrnimmt. Der Mangel an neuen Mitarbeitern zwingt zum Umdenken: Unternehmen versuchen, eine Beziehung zu potenziellen Kandidaten herzustellen, transparenter zu werden und die Motivationen im Detail zu verstehen.

Moderne Personalarbeit muss diese neuen Anforderungen berücksichtigen, effizient, schnell und kreativ sein, einem strategischen Fokus folgen, hoch digitalisiert und mit noch höherer Produktivität und Fachkenntnis glänzen. Das ist sogar zwingend nötig, um frühzeitig ein Gesamtbild zu erhalten und eine Strategie zu entwickeln, wie man bestehende Mitarbeiter motiviert und Neuzugänge erfolgreich rekrutiert.

Aufwertung trotz Reduktion

Pharmaunternehmen stehen also unter dem Druck, ihr Personalmanagement auf moderne Organisationspraktiken umzustellen und gleichzeitig die Chancen sowohl von wertschöpfendem als auch von schlankem und kosteneffizientem Personal zu erkennen. Der Weg dorthin geht über die Digitalisierung zur Vereinfachung und Automatisierung von HR-Prozessen ebenso wie über die Integration des Personalmanagements als wesentliche Führungsverantwortung und deren Berücksichtigung in der Gesamtgeschäftsstrategie.

HR-Organisationen in Pharmaunternehmen, die sich dieser Challenge stellen, werden mit größter Wahrscheinlichkeit eine vollständige Veränderung ihrer Rolle und eine ziemliche Aufwertung erfahren – allerdings auch eine empfindliche Reduktion ihrer Ressourcen hinnehmen müssen. Durch den spürbaren Abwärtstrend der Arzneimittelzulassungen und den Preisdruck sollten sie sich daher auf die Wirkung konzentrieren, die sie auf die Gesamtbelegschaft erzielen können.

Fazit: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Personalabteilung der Zukunft Prozesse verschlankt und automatisiert, um mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten zu bekommen, und zudem Rollen und Verantwortlichkeiten strategischer ausrichtet. Nur wenn Personalverantwortliche diese Veränderung bewerkstelligen, können sie ein professioneller und wertschöpfender Partner für den Geschäftserfolg werden.


Die Autorin

Meike Bork ist Beraterin und verantwortet das Segment Transformation & Operation des Competence Center Chemicals, Oil, Pharma bei der Managementberatung Horváth & Partners Düsseldorf. Ihre HR- und Pharma-Expertise hat sie im White Paper „Think HR Differently – Managing the shift from historic to modern HR organization“ zusammengefasst.


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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