Powerfrauen haben es doppelt schwer

 Powerfrauen haben es doppelt schwer

Die Beraterin Sonja Schloemmer schließt aus Ergebnissen psychologischer Tests, dass Konflikte den Frauen in Führungsetagen mehr Energie kosten als den männlichen Managern.

Rund um den Frauentag am 8. März wird auch heuer wieder der niedrige Anteil von Frauen in Managementfunktionen beklagt werden. Einen Aspekt und Erklärungsansatz bringt Unternehmensberaterin und Coach Sonja Schloemmer in die Diskussion ein. Sie wendet bei ihren Coachings für Führungskräfte seit Jahren das Reiss-Profil an, ein vom US-Psychologen Steven Reiss entwickeltes, international etabliertes psychologisches Testverfahren, das anhand von 16 grundlegenden Lebensmotiven zeigt, welche Bedürfnisse Menschen in ihrem Leben antreiben und so praktisch die "Motoren ihres Verhaltens" darstellen (siehe Liste unten).

Diese Lebensmotive sind voneinander unabhängig und zu wissen, wie stark sie bei jemandem ausgeprägt sind, bringt sowohl einen hohen Erklärungswert als auch hohe Vorhersehbarkeit für dessen Verhalten.

Aus Erfahrungen mit Profilen männlicher und weiblicher Führungskräfte leitet Schloemmer Erkenntnisse ab, die bestimmte Grundmuster unterschiedlichen Führungsverhaltens der Geschlechter unter diesem Gesichtspunkt erklären können:

  • Die Motive Macht und Wettkampf sind bei Führungskräften stark ausgeprägt. Das gilt auch für Frauen, die Toppositionen erreicht haben oder anstreben. Diese Frauen können ebenso klare Ansagen machen wie männliche Manager und man findet man sie auf der Karriereleiter weit oben. Allerdings fällt das bei Frauen stärker auf und wird ihnen eher kritisch zurückgemeldet. Was wohl an Sozialisierung und überlieferten Rollenbildern liegt. Schloemmer dazu: "Jede Frau im Topmanagement muss auch die Fähigkeit haben, anderen ins Wort zu fallen und sich durchzusetzen -sonst wäre sie in Meetings nie zu Wort gekommen."
  • Das Bedürfnis nach Anerkennung , also der Wunsch, gemocht zu werden, ist zugleich bei Frauen tendenziell stärker ausgeprägt. Das steht hoher Macht- und Wettkampfmotivation nicht entgegen, zumal die Motive ja unabhängig voneinander sind. Und weil dieses Bedürfnis so ausgeprägt ist, tun weibliche Führungskräfte auch viel dafür, bemühen sich etwa um ein besonders harmonisches Arbeitsklima.
  • In einer Führungsrolle bringt sie das schnell in ein Dilemma, denn eines ist für Schloemmer klar: "Man kann als Führungskraft nicht mit Mitarbeitern befreundet sein. Freundschaftlicher Umgang ja, aber bei Freundschaft ist der Rollentausch schwierig und jede notwendige Kritik stellt die Freundschaft infrage." Konflikte auszutragen, kostet Frauen im Management daher meist mehr Kraft und Energie als Männer. Eine hohe Ausprägung des Motivs Anerkennung mache es, so Schloemmer, aber auch tendenziell schwieriger, die dünne Luft und die harten Bandagen in oberen Führungsetagen zu meistern. Kritischem Feedback würde mental zu viel Bedeutung zugemessen.
  • Die Führungsfunktionen sind fordernd und man zahlt dafür einen Preis , etwa in Form zeitlicher Einschränkungen durch lange Arbeitszeiten und Dienstreisen. "Wer vom Motiv Macht angetrieben ist, empfindet das gar nicht als Preis", sagt Schloemmer, denn dieses Lebensmotiv beinhalte auch Leistungsbereitschaft und den Wunsch nach Gestaltungsspielraum. Bei vielen Frauen ist es aber eher umgekehrt: Sie haben, etwa als Filialleiterinnen im Handel, Führungsaufgaben, jedoch wenig Interesse an Macht, was ebenfalls belastend ist.
  • Kinderlose Frauen in Führungsfunktionen "verzichten" meist nicht auf Kinder. Ist nämlich das Motiv Familie im Reiss-Profil nicht ausgeprägt, brauchen sie keine Kinder, um glücklich zu sein.
  • Manager mit ausgeprägtem Familienmotiv , auch das hat Schloemmer beobachtet, tendieren stark zur Tätigkeit ein eigentümergeführten Familienunternehmen, wo dieser Wert hoch im Kurs steht
  • Für Männer wie für Frauen gilt eine weitere Erkenntnis der Beraterin, die lange als Netzwerkpartnerin der Beratergruppe Neuwaldegg aktiv war und in der Telekom Austria Personal und Organisationsentwicklung sowie Performance Management und Recruiting verantwortete: "Man lernt durch die Reiss-Profile, dass es nicht einen Führungsstil gibt, der für alle Mitarbeiter passt."
Werner H. Hoffmann (li.) und Alfred Taudes

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