Pferdekutsche und Carsharing

Pferdekutsche und Carsharing

Robin Lumsden mit dem TTTech-Chef Georg Kopitz (li.), der in Stanford vorbei schaute.

Der Wiener Rechtsanwalt Robin Lumsden hat seinen Aufenthalt in Stanford bekanntlich um ein Jahr verlängert. Jetzt will er alles über die Blockchain-Technologie wissen. Einmal im Monat schreibt er daher weiterhin über seine Erlebnisse und Erfahrungen. DIESMAL: TTTech-Gründer und Stanford-Fan Georg Kopetz besucht ihn und gibt ihm einen Einblick in den Entwicklungstand des autonomen Fahrens.

Besuch aus Österreich. Es ist immer schön, wenn langjährige Freunde aus der Heimat zu Besuch nach Stanford kommen. Diesmal ist es Georg Kopetz, 43, Mitgründer und CEE von TTTech, einer mittlerweile global aufgestellten Hightech-Unternehmensgruppe mit dem Hauptsitz in Wien. Umsatz 2017: 100 Millionen Euro und über 1.500 Mitarbeiter aus 42 Nationen. Er genießt hier jedes Jahr die intellektuelle Herausforderung durch die Diskussion mit Lehrenden und Studenten und freut sich über die zunehmenden persönlichen Verbindungen zwischen der österreichischen Hochtechnologiebranche und der Universität Stanford -ein hiesiger und sehr populärer Professor von mir sitzt schon jetzt in seinem Aufsichtsrat.

Diese Bildungsstätte ist für ihn eine der Wegbereiter für den nachhaltigen unternehmerischen Erfolg im Silicon Valley und dient als Vorbild für enge und besonders erfolgreiche Beziehungen zwischen einer Bildungsinstitution und der Wirtschaft. Zur Erinnerung: Sieben der 14 wertvollsten Technologieunternehmen der Welt haben ihren Hauptsitz im Silicon Valley rund um Stanford, einer Region mit ähnlicher Bevölkerungsdichte und Größe wie Wien und das niederösterreichische Umland.

Im Jahr 2010 ist die Stanford-Universität auf das österreichische Technologieunternehmen TTTech aufmerksam geworden und hat die ersten beiden Business Cases zu TTTech verfasst. Die Verbindung ist nicht abgerissen, im Gegenteil: Im Zeitalter der "Smart Machines" und des "Digital Blitzscalings"(wie kann mit softwaregetriebenen Geschäftsmodellen schnell eine Milliarde Umsatz erreicht werden?) geht es nun auch für TTTech um die weltweit besten Talente, die oft in Stanford weitergebildet werden und für Aktivitäten in Wien, München, Shanghai und Tokio gewonnen werden können.

Early Mover

Durch den weiteren Ausbau der Präsenz des Unternehmens im Silicon Valley ergibt sich für weltoffene Österreicher die Chance, ihren unternehmerischen und technischen Horizont an der Westküste auszubauen. Vielleicht gibt es bald auch eine direkte Flugverbindung zwischen San Francisco und Wien - auch im digitalen Zeitalter ist menschlicher Kontakt Voraussetzung für Innovation und unternehmerische Höchstleistung.

Georg hat im richtigen Moment auf das richtige "Pferd" gesetzt, nämlich auf die Zukunft des Individualverkehrs, das autonome Fahren. Sein Konzern ist eines der global führenden Unternehmen in dieser Technologie, der "Early Mover Advantage" hat ihm eine enge Kooperation mit dem Volkswagen-Konzern und BMW gebracht. Für ihn sind selbstfahrende Autos keine Utopie mehr, sie werden immer schneller zur Realität.


Schnell geht gar nichts. Der Weg zum autonomen Fahren ist noch ein sehr weiter.

Dafür entwickelt TTTech die entscheidende Software. Kopetz prophezeit dem autonomen Fahren eine große Zukunft. "Der Pkw wird zum ultimativen mobilen Gerät, die Software wird bald weite Autostrecken bewältigen können." Ein dramatischer Umbruch? "Der Übergang von der Pferdekutsche zum Auto war sicher größer als jener vom bisherigen Auto zum selbstfahrenden."

Die Expansion nach Asien

Eine leicht skeptische Frage gilt dem ersten Verkehrstoten, den ein selbstfahrendes Auto verschuldet hat. Kopetz warnt deshalb vor Schnellschüssen: Eine zu frühe Verbreitung der Technologie sei kontraproduktiv, man müsse vorsichtig vorgehen, langsam und sorgfältig Kompetenzen und Know-how entwickeln. Es seien viele Cowboys unterwegs, Unternehmen, die die Marktchancen zu rasch nutzen wollten, ohne die technologischen Entwicklungen reifen zu lassen: "Schnell geht hier gar nichts, zum wirklichen autonomen Fahren ist es noch ein weiter Weg."

Wie weit? Auf Autobahnen werde es in einigen Jahren die ersten teilautonomen Systeme geben, in Städten werde es deutlich länger dauern. Vor allem aber dort werde es beträchtliche Vorteile geben. Man werde dadurch und per Carsharing die Zahl der Autos und der Staus deutlich verringern können. TTTech, das erst 20 Jahre alte Unternehmen, entwickelt schon jetzt ein besonders praktisches Modell: einen autonomen Parkassistenten, mit dem Autos autonom in Garagen einparken und wieder herauskommen können.

Samsung hat eben ein 75-Millionen-Euro-Investment in TTTech angekündigt, das Unternehmen kooperiert auch eng mit SAIC, dem größten Autobauer Chinas. Kopetz: "Das Joint Venture mit SAIC bietet uns einen Zugang zum weiter stark regulierten chinesischen Markt. Wir brauchen einen Partner, der die Hardware baut, auf der unsere Software laufen kann."

TTTech soll weiter in Wien seinen Hauptsitz halten, sagt der Vater von vier Kindern, als Klavierspieler, Sänger und Orchestervorstand auch aktiv ein Fan der klassischen Musik: "Es ist in diesem Geschäft egal, wo man sitzt, man muss sich global durchsetzen. Aber Wien bietet viel Lebensqualität. Der Nachteil: Die bisweilen mühsame Suche nach besonders qualifizierten Mitarbeitern, besonders zur Nutzung der Digitalisierungschancen."

Wie schon im Vorjahr diskutieren wir auch heuer neue Möglichkeiten unserer Zusammenarbeit, die wir beide hier in Stanford und im Silicon Valley suchen. Er schätzt mich als in Österreich und in mehreren US- Bundesstaaten zugelassener Anwalt, der die technischen Herausforderungen versteht und wirtschaftlich sowie rechtlich lösen kann.

Die Midterm-Elections

Ansonsten werden hier am Campus die kommenden Midterm-Wahlen diskutiert, bei denen sich entscheidet, ob die Demokraten vielleicht doch die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses übernehmen und somit Donald Trump zu einer "Lame Duck" machen könnten, zu einem Präsidenten, der kein Gesetz im Kongress mehr durchbringt. Oder, realistischer, wenigstens in einem der beiden Häuser eine Mehrheit erreichen und damit Trump empfindlich bremsen könnten.

Auch dazu gibt es in Stanford eine prominente Stimme. Mein berühmter Professor Francis Fukuyama, bekannt durch den von ihm geprägten Begriff vom "Ende der Geschichte", rät den Demokraten auch im Falle einer "totalen" Mehrheit zu einem pragmatischen Arrangement mit Trump, nicht zu einem Impeachment, einem Absetzungsverfahren. Der Präsident werde sich dann der bisherigen Opposition schon anbiedern.

Zur Person

Robin Lumsden , 42, ist Rechtsanwalt in Wien und auch in New York und Washington D.C. zugelassen. Er ist Co-Founder des Stanford Digital Assets Fonds in Kalifornien und Generalkonsul von Jamaika.


Der Beitrag ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 43/2018 vom 25. Oktober 2018 entnommen.

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