eMagnetix macht 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt

eMagnetix macht 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt

30 Stunden Arbeit pro Woche ist genug - eMagnetix dreht die Arbeitszeit zurück.

Das oberösterreichische IT-Unternehmen eMagnetix hat die Normalarbeitszeit nicht erhöht, sondern geht genau den umgekehrten Weg. Einfacher Grund: Es geht den Unternehmenchefs um die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Bad Leonfelden. Weniger ist mehr - das ist neuerdngs das Credo des IT-Unternehmens eMagnetix Online Marketing GmbH. Das in Bad Leonfelden in Oberösterreich geht in Zeiten, wo um eine ausnahmsweise Höchstarbeitszeit von 12 Stunden am Tag gefeilscht wird, den umgekehrten Weg: Sie führt ab Oktober die 30-Stunden-Woche ein - bei gleichbleibendem Gehalt. "Wir investieren in nachhaltige Mitarbeiterzufriedenheit", sagte Geschäftsführer Klaus Hochreiter im Gespräch mit der APA.

Laut eigenen Angaben als erstes Unternehmen in Österreich und Europa führt eMagnetix die 30-Stunden-Woche ein. Mehr Lebensqualität, positive Auswirkungen auf Gesundheit, Motivation und Produktivität der Angestellten und ein Argument für schwer zu findende neue Mitarbeiter soll sie der Online-Marketing-Firma bringen. Das Gehalt bleibe gleich, um der Annahme von Zweitjobs und Altersarmut nicht Tür und Tor zu öffnen. Das wäre genau nicht der Sinn der Aktion, die die Work-Life-Balance verbessern soll.

Finanziert werden soll das Modell durch Prozess-Optimierungen und zum Teil durch Reinvestitionen aus dem Gewinn. Die Entscheidung dafür wurde im Jänner getroffen, nach einer zweimonatigen Testphase im Herbst. Bereits im Mai 2016 wurde die Idee den 22 Mitarbeitern das erste Mal kommuniziert, erklärte Hochreiter. "Wir haben ihre Hilfe benötigt." Nur so war zu eruieren, wo Zeit einzusparen ist.

Die Reduktion in Etappen

In einem Zwischenschritt ab Juni wird die Arbeitszeit auf 34 Stunden gesenkt. Die wenigen Teilzeitkräfte müssen natürlich nicht durch die Finger schauen. "Sie erhalten eine aliquote Lohnerhöhung", versicherte Hochreiter. Mehr Leute sollen wegen der gesunkenen Arbeitszeit nicht eingestellt werden, aber das 2008 gegründete Unternehmen wachse ohnehin seit Jahren. "In den letzten 5 Monaten haben wir 6 neue Mitarbeiter bekommen", so der Geschäftsführer.

Die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern habe durch die Arbeitszeitverkürzung in der Testphase nicht gelitten, betonte Hochreiter. Positive Effekte waren mehr Zeit für Sport, Familie, andere Hobbys und: "die Mitarbeiter haben noch Tageslicht abgekriegt im Winter", führte er einen wichtigen gesundheitlichen Aspekt an. Galt im Test eine Tagesarbeitszeit von 8 bis 14 Uhr, soll das ab Oktober flexibler werden. Man kann auch einmal einen Tag 8 Stunden arbeiten und dafür ein anderes Mal - noch - früher gehen. "Wir haben sowieso Gleitzeit. Es ist wichtig, diese Flexibilität zu erhalten."

"Das Modell funktioniert bei uns, das heißt nicht, dass es auch bei anderen funktionieren muss", spielt der Geschäftsführer auf Versuche in einem schwedischen Altersheim an, die zu erheblichen Mehrkosten geführt haben und eingestellt wurden. Für den 1981 Geborenen ist der Paradigmenwechsel bei den jungen Generationen - nicht "leben um zu arbeiten", sondern "arbeiten um zu leben" - nichts Fremdes. "Wir sind persönlich davon überzeugt", spricht er auch für den zweiten Geschäftsführer Thomas Fleischanderl.

In Zukunft würde das für sie beide genauso gelten - aber jetzt sei gerade viel zu tun. Etwa Abstimmungen mit den Sozialpartnern, die das Projekt von Anfang an begleiten, und Vorbereitungen für den Herbst treffen. Unter www.30sindgenug.at gibt es weitere Informationen zu dem Thema.

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