Online-Coaching: Honorar-Richtlinien für Berater und Trainer

In der Corona-Pandemie haben sich auch im Bereich der Beratungs- und Seminardienstleistungen Online-Angebote etabliert. Für Entscheider in Unternehmen stellt sich oft die Frage, was eine solche Leistung kosten darf. Unternehmensberaterin und Coach Sabine Prohaska gibt Antwort.

Online-Coaching: Honorar-Richtlinien für Berater und Trainer

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung auch im Coaching- und Seminar-Business extrem vorangetrieben. Das Online-Beraten und -Lernen hat in der Zeit einen enormen Push erfahren.

Für Unternehmen und deren Entscheider stellt sich seither immer öfter die Frage, wie sie die Qualität dieser Online-Angebote bewerten sollen und welcher Preis dafür angemessen ist, zumal die Honorarforderungen der Berater und Trainer für die verschiedenen Online-Formate extrem auseinanderklaffen und auch die Verrechnungsmodelle stark divergieren. Den Verantwortlichen fällt es schwer zu beurteilen, welche Preisvorstellungen noch seriös sind. Einerseits werden manche Leistungen zu extremen Dumpingpreisen angeboten, andererseits werden auch regelrechte Mondpreise verlangt.

Sabine Prohaska, Chefin des Beratungsunternehmens seminar consult prohaska, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Bundestrainer Österreich (VBT) und Autorin des Buchs "Training und Seminare im digitalen Wandel" dazu: "Im Markt haben sich noch keine Preisniveaus für Online-Leistungen etabliert. Deshalb findet man aktuell nicht selten Preise, bei denen man als Marktkenner denkt: 'Mit solchen Dumping-Preisen wird es diesem Selbstständigen nie gelingen, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.' Ebenso findet man aber auch Angebote, bei denen man denkt: 'Dieser Anbieter hofft offensichtlich, auf unerfahrene Einkäufer zu treffen, die solche Mond-Preise akzeptieren'."

Preisrichtlinie

Die Vereinigung der Businesstrainer Österreichs und der deutsche Berufsverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT) haben daher eine gemeinsam eine Honorarrichtlinie für die Vergütung von Online-Formaten erarbeitet. Dabei wird zwischen Live-Online-Trainings, Webtalks bzw. Webinaren sowie E-Learnings unterschieden. Die Preise verstehen die Verbände als Empfehlung, die der Orientierung der Anbieter und Nachfrager im Bildungs- und Beratungsmarkt dienen soll. Folgende Sätrze wurden dabei definiert

  • Live-Online-Training. Bei dieser Seminar-Form ist die Teilnehmerzahl auf etwa 10 Personen begrenzt, damit interaktive Lehr- und Lernmethoden genutzt werden können. Die Dauer variiert von 90 Minuten bis zu 4 Stunden.

    VBT und BDVT empfehlen für eine 90-Minuten-Session etwa ein Drittel des gewohnten Präsenzseminar-Tagessatzes. Vorbereitungsarbeiten wie das Sich-vertraut-machen mit der firmeninternen Technik zur Durchführung des Online-Seminars oder -Trainings werden zusätzlich berechnet; ebenso eventuelle Co-Trainer zum Beispiel zur technischen Unterstützung

  • Webtalks und Webinare. Dieses Format erinnert oft an einen klassischen Vortrag von 30 bis 90 Minuten Länge, der jedoch online gehalten wird und an den sich eine Frage-Antwort-Runde anschließt. Die Teilnehmerzahl ist theoretisch unbegrenzt, allerdings gibt es in der Regel aus technischen Gründen Beschränkungen.

    Die Verbände empfehlen dafür einen von der Teilnehmerzahl abhängigen, gestaffelten Preis pro ca. 90-minütiger Einheit, und zwar

    • mindestens 800 Euro für bis zu 20 Teilnehmer
    • mindestens 1.740 Euro ab 21 Teilnehmer mit einem Moderator für den Chat.

  • E-Learnings. Web Based Trainings (WBTs) sowie Lern- und Erklär-Videos werden üblicherweise pro Minute abgerechnet. Hier variieren die Preise sehr stark nach
    • Art des Videos (z.B. animiert oder nicht),
    • Qualität des Videos (Studio versus Smartphone),
    • Postproduktion (Sprecher, Schnitt, Musik, etc.) und
    • Nutzungsrechten.

    Als Richtwert für E-Learnings nennen die beiden Verbände 1.000 Euro/Minute. Dieser Wert gilt jedoch nur für Videos, die unter methodisch-didaktischen Gesichtspunkten gezielt aufgebaut und gestaltet und zum Beispiel in einem Studio professionell bearbeitet wurden, also auch mit gewissen Produktionskosten verbunden sind.

Audio- und Videomitschnitte

Speziell Webtalks und Webinare werden von Unternehmen gerne zur Wieder- bzw. Weiterverwendung aufgezeichnet. Die Verbände empfehlen daher Beratern und Trainern, ihre Angebote stets mit dem Hinweis zu versehen, dass Audio- und Video-Mitschnitte sind nur mit schriftlicher Erlaubnis gestattet sind.

Wenn eine solche Erlaubnis erteilt wird, dann empfehlen der BDVT und VBT die genannten Honorare etwa mit dem Faktor 10 zu multiplizieren. Prohaska: "Wenn der Kunde über einen Mitschnitt verfügt, kann er diesen all seinen Mitarbeitern – im Extremfall weltweit – auf seiner Lernplattform zeitlich unbegrenzt zur Verfügung stellen. Das heißt für den Trainer oder Berater: Einen entsprechenden Folgeauftrag erhält er bei dem Kunden nicht mehr. Zudem besteht die Gefahr, dass der Mitschnitt weiter-wandert."

Preisniveaus in Sicht

Für Prohaska hat die Richtlinie allerdings nur eine vorübergehende Orientierungsfunktion und wird zunehmend an Bedeutung verlieren, wenn die Marktteilnehmer mehr Erfahrung mit dem Online-Beraten und Trainieren sowie dem Ein- und Verkauf der gesammelt haben: "Meine Vermutung ist, dass sich in der Praxis so wie bei den klassischen Präsenztrainings und Beratungen verschiedene Verrechnungsmodelle und Preisniveaus im Markt etablieren werden.

Maßgeblich entscheidend für die in Rechnung gestellten Kosten seien letztlich drei Faktoren:

  1. Das Thema bzw. das zu lösende Problem
  2. Die Art des Klienten (z.B. Profit- oder Non-Profit-Organisation)
  3. Die Vorerfahrung des (Online-)Beraters oder Trainers und dessen Etablierung im Mark

Prohaska: "Abhängig davon werden die Angebote und Honorare der Trainer und Berater zum Teil stark divergieren."

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