Österreichs Börsenkonzerne bleiben Männerclubs

Österreichs Börsenkonzerne bleiben Männerclubs

Frauen in den Führungsetagen österreichischer Unternehmen - ein einsames Dasein im Männerklub.

Nicht einmal fünf Prozent der Vorstände der am der Wiener Börse notierten Unternehmen haben Frauen als oberste Führungskräfte. In neun von zehn Chefetagen sitzen ausschließlich Männer. Nach Erhebungen des Beratungsunternehmens EY herrscht "Stillstand statt Aufbruchsstimmung" bei der Besetzung der Führungsetagen mit Frauen. Und das, obwohl laut EY gemischte Führungsteams erfolgreicher sind. Bei Aufsichtsräten steigt die Quote leicht an. Wenig Rückhalt haben Frauen aus der Politik hinsichtlich einer gesetzlich fixierten Quotenregelung.

Wien. Börsennotierte Unternehmen in Österreich werden nach wie vor fast ausschließlich von Männern geführt. Der Frauenanteil in Vorstandsetagen liegt nach einer Erhebung des Beratungsunternehmens EY (vormals Ernst & Young) bei 4,6 Prozent. So werden 187 Vorstandsposten aktuell von Männern bekleidet und nur neun von Frauen. Nach einer verpflichtenden Quote ruft aber kaum ein Politiker, handle es sich doch um Firmen in Privateigentum. Die Parlamentsparteien sind bei dem Thema großteils zurückhaltend.

Somit sitzen in fast 90 Prozent der Unternehmen die zum Wiener Börse Index (WBI) zählen ausschließlich Männer im Vorstand. Mehr als eine Vorständin gibt es nur in zwei Firmen.

Drei der insgesamt neun Vorständinnen leiten ihr Unternehmen als CEO: Herta Stockbauer ist Chefin der BKS Bank, Karin Trimmel führt den Kräuterlikörhersteller Gurktaler und seit 1. Jänner 2016 lenkt Elisabeth Stadler die Geschicke des Versicherungsriesen Vienna Insurance Group (VIG). Stadler ist die erste Frau an der Spitze eines ATX-Unternehmens. Finanzvorständinnen gibt es in Österreich nur mehr zwei, im Vorjahr waren es vier.

Rechnerisch gesehen ist der Frauenanteil der Vorstandsmitglieder der 64 WBI-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr (Stichtag: 30. Juli) minimal von 4,5 auf 4,6 Prozent angestiegen. Der Zuwachs ist jedoch nicht auf eine höhere Anzahl von Frauen zurückzuführen, sondern darauf, dass im Vorjahr vier Vorstandsposten weggefallen sind.

Dass die Bestellung für einen lukrativen Vorständsjobs nicht mit mangelnder Qualifikation der Frauen - wie einem fehlenden Hochschulabschluss - argumentiert werden kann, zeigt auch die Zahl der Universitätsabsolventen. Die höheren Weihen mit akademischer Qualifikation für Vorstandsjobs sollten Frauen jedenfalls haben: Denn zuletzt waren 55,8 Prozent der Universitätsabsolventen weiblich, wie Zahlen des Wissenschaftsministeriums für das Studienjahr 2014/15 zeigen. An Fachhochschulen entfielen 49,5 Prozent der Studienabschlüsse auf Frauen.

Und auch beim Verdienst haben Frauen in Österreich Nachteile. Obwohl in Österreich mehr als jeder zweite Hochschulabsolvent weiblich ist, verdienen Frauen laut OECD nur 72 Prozent von dem, was ihre männlichen Kollegen bekommen.

Den "höchsten" Frauenanteil gibt es in der Automobilbranche (9 Prozent) und im Immobiliensektor sowie in der Finanzbranche (jeweils 8 Prozent). Fünf Branchen sind wie voriges Jahr rein männlich: Energie, Informationstechnologie, Telekommunikation, Transport/Logistik und "Sonstiges", erhob das Beratungsunternehmen EY.


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"Beim Frauenanteil im Topmanagement börsennotierter Unternehmen in Österreich gibt es momentan Stillstand statt Aufbruchsstimmung", beklagt EY-Partnerin Elfriede Baumann. Dabei seien gemischtgeschlechtliche Führungsteams nachweislich erfolgreicher. "Viele Unternehmen haben das erkannt und arbeiten daran, systematische Frauenförderung zu etablieren und haben schon bei Neueinstellungen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Fokus." Das sei wichtig, um bei der geplanten Besetzung von Vorstandsposten bereits innerhalb des Unternehmens ausreichend Auswahl an qualifizierten Frauen zu haben. "Diese Bemühungen werden sich bald auch in einem höheren Frauenanteil widerspiegeln", ist Baumann zuversichtlich.

Der Einzug der Frauen in die Ausichtsräte

Dass sich die aktive Suche nach weiblichen Führungskräften bezahlt macht, zeige der Anstieg der Frauenquote von Aufsichtsräten. Diese erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr leicht von 16,3 auf 17,6 Prozent. Von insgesamt 591 Aufsichtsratsmitgliedern sind derzeit 104 Frauen. In fast zwei von drei Unternehmen sitzt zumindest eine Frau im Kontrollboard, was umgekehrt heißt, dass der Aufsichtsrat jedes dritten Börsenkonzerns rein männlich ist. 45 Prozent der Firmen haben mindestens zwei Aufsichtsrätinnen.

"Im Gegensatz zu Vorstandsetagen gibt es beim Frauenanteil in Aufsichtsräten in den letzten Jahren einen eindeutigen Aufwärtstrend", so Baumann. Auch für Vorstände gelte: "Es gibt genügend qualifizierte Frauen für diese Stellen - und sie sind nicht schwer zu finden, wenn man gezielt sucht." Baumanns Arbeitgeber EY hat in Österreich auf Partner-Ebene übrigens einen Frauenanteil von 29,7 Prozent.

Die Quote - wenig Rückhalt aus der Politik für Frauen

Eine Frauenquote in den Vorständen privatwirtschaftlicher Betriebe durchzusetzen sei schwierig, hieß es etwa aus dem SPÖ-Parlamentsklub gegenüber der APA. "Das müsste man anders machen, zum Beispiel mit einer verpflichtenden Frauenförderung im Betrieb." Weiters will die Kanzlerpartei bei Einkommensberichten ansetzen. "Die sollten schon ab 100 Mitarbeitern verpflichtend sein." Wichtig sei auch der Ausbau von Ganztagsschulen und Kinderbetreuung.

Für Aufsichtsräte wäre eine verpflichtende Quote aus Sicht der SPÖ hingegen wichtig: Dass dies wirkt, sehe man bei Unternehmen mit einem Staatsanteil ab 50 Prozent. Dort liege die Frauenquote bei 38 Prozent, in den Wiener-Börse-Unternehmen laut EY lediglich bei 17,6 Prozent.

Auch die ÖVP verweist auf die freiwillige Selbstverpflichtung, die die öffentliche Hand 2011 einging. "Mit dem Ministerratsbeschluss zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsgremien von Unternehmen, die einen Bundesanteil von 50 Prozent und mehr aufweisen, hat die Regierung einen wichtigen Schritt gesetzt." Privaten Unternehmen will die ÖVP jedoch bei der Personalwahl keine Vorschriften machen. "Entscheidend ist, dass wir die Rahmenbedingungen und Anreize für den Aufstieg von qualifizierten Frauen laufend verbessern", so die Volkspartei.

Dafür verweist man in der Parteizentrale auf die ÖVP selbst, in der starke Frauen Tradition und Zukunft hätten: "Hildegard Burjan war die erste christlich-soziale Abgeordnete im Parlament der Ersten Republik, Grete Rehor war die erste Frau in einem Ministeramt." Auch die erste Landeshauptfrau, Waltraud Klasnic, kam von der ÖVP, ebenso die erste Außenministerin Österreichs, Benita Ferrero-Waldner. Und: "Die ÖVP will jünger und weiblicher werden."

Aus Sicht der FPÖ "sind Quoten nicht geeignet, für die Frauen etwas zum Besseren zu verändern. Frauen punkten durch Leistung und haben es nicht notwendig, sich auf 'Quotenfrauen' reduzieren zu lassen", meint die blaue Frauensprecherin Carmen Schimanek. Viel wichtiger seien "Maßnahmen, die sich an den Lebensrealitäten der Frauen orientieren". Frauen hätten "wesentlich mehr davon, wenn man endlich bestehende finanzielle Benachteiligungen beispielsweise infolge von Erwerbsunterbrechungen durch Kindererziehungszeiten in Kollektivverträgen beseitigt oder die Anrechnung der Kindererziehungszeiten für die Pension verbessert."

Ablehnend, was verpflichtende Quoten betrifft, gibt sich auch das Team Stronach. TS-Frauensprecherin Martina Schenk will stattdessen auch einmal über Männerquoten nachdenken, etwa in frauendominierten Berufen im pädagogischen Bereich und in der Pflege. "Hier hat sich seit Jahren kaum etwas getan. Kinder brauchen auch männliche Bezugspersonen." Die Debatte um Frauenquoten in Aufsichtsräten betreffe nur einen geringen Prozentsatz aller Frauen, daher wären "breitenwirksamere" frauenpolitische Maßnahmen wichtiger. Nach Ansicht des Team Stronach sollte der Staat niemandem vorschreiben können, welche Mitarbeiter ein Eigentümer oder Manager einzustellen hat.

Ähnlich argumentieren die NEOS, die gegen "gesetzliche Zwangsverpflichtungen für Unternehmen" sind. "Gleiche Teilhabe am Arbeitsmarkt wird nicht durch brachiale staatliche Interventionen erreicht, sondern durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen. Eine Quote ist eine Zwangsmaßnahme. Als Anhänger_innen der Eigenverantwortung sind wir hier sehr skeptisch." Stattdessen sollten "versteckte Fallen" am Arbeitsmarkt abgeschafft werden, zum Beispiel sollte man mehr Kinderbetreuungsplätze schaffen. "Flexible Arbeitszeiten und die Beseitigung der Teilzeitfalle werden den Frauenanteil in den Führungsetagen erhöhen", meinen die NEOS.

Als einzige Partei klar für eine Quotenregelung auch für Vorstände sind die Grünen. "Ja, es braucht eine verpflichtende Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten aller österreichischen börsenorientierten Unternehmen", so die Grüne Frauensprecherin Berivan Aslan. Ziel sollten freilich 50 Prozent sein, schließlich sei ja die Hälfte der Bevölkerung weiblich. "Derzeit gibt es Quoten ja nur für die staatsnahen Unternehmen. Dass die Quote von 35 Prozent Frauenanteil dort bereits vor Ende der Frist (2018) erreicht wird, zeigt nur, dass Quoten funktionieren. Wie übrigens auch in allen anderen Bereichen, wo verbindliche Quoten gesetzt werden (Beispiel Norwegen)."

Auch bei Vorständen sähen die Grünen eine Quote als Lösung für das Problem des "Frauenausschlusses". "In vielen Unternehmen sind die Vorstände jedoch sehr klein und bestehen aus ein, zwei oder drei Personen", schränkt die Frauensprecherin ein. "Für Ein-Personen-Vorstände wäre ein Reißverschlussprinzip eine probate Möglichkeit, den Frauenanteil im Vorstand zu erhöhen."

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