Österreichs Finanzbranche stark in männlicher Hand

Nur 13 Prozent der leitenden Positionen in der österreichischen Finanzbranche sind von Frauen besetzt. Damit liegt Österreich mit seinen traditionellen Rollenbildern und unflexiblen Arbeitszeiten hinter Norwegen und Thailand.

Österreichs Finanzbranche stark in männlicher Hand

Von 100 Chefs in der Finanzbranche in Österreich sind 13 Frauen.

Frauen in Führungspositionen sind in der Finanzbranche selten anzutreffen: in den Geschäftsleitungen sind durchschnittlich 16 Prozent der Chefs weiblich, in Verwaltungs- beziehungsweise Aufsichtsräten beträgt der Frauenanteil 20 Prozent. Bei den größten österreichischen Finanzunternehmen sind gar nur 13 Prozent der leitenden Positionen mit einer Frau besetzt. Oft sind kulturelle Barrieren schuld.

Österreich im Hintertreffen

Damit liegt Österreich nur auf Platz 20 unter 32 weltweit analysierten Ländern, geht aus einer Studie "Women in Financial Services" der Unternehmensberatung Oliver Wyman hervor, für die 381 Finanzunternehmen untersucht wurden. An der Spitze sind Staaten wie Norwegen, Schweden und Thailand mit einem Frauenanteil von über 30 Prozent in den Geschäftsleitungen.

Konservativ, konservativer, Schweiz

Österreich habe sich auf seinem niedrigen Niveau aber gesteigert: "Die größten Schweizer Finanzunternehmen zählen zu den Instituten, die im internationalen Vergleich bei den Geschäftsleitungen ohne Dynamik am unteren Ende feststecken, während Länder wie Großbritannien, die USA, Polen, Italien, die Niederlande und Österreich zu den Aufsteigern zählen", sagt Astrid Jäkel, Partnerin bei Oliver Wyman in Zürich und Leiterin der Studie.

Privatwirtschaft hinkt hinterher

Ohne bewusst gesetzte Maßnahmen werde der Frauenanteil in Führungspositionen der Finanzbranche erst im Jahr 2048 30 Prozent erreichen. Aufholbedarf gibt es vor allem in der Privatwirtschaft: hier besetzen Frauen im Durchschnitt lediglich 15 Prozent der Führungspositionen, im öffentlichen Sektor haben sie immerhin bei 22 Prozent die Fäden in der Hand.

Noch größer wird die Schere in Österreich, wo nur etwa ein Zehntel der leitenden Stellen in privaten Finanzunternehmen weiblich besetzt ist. In öffentlichen Finanzinstitutionen sind schon um die 30 Prozent der geschäftsleitenden Positionen in weiblicher Hand.

Feindliche Kultur

Laut der Studie sind kulturelle Faktoren wie traditionelle Rollenbilder sowie unflexible Arbeitszeiten und zu wenig gesellschaftliche Unterstützung die größten Hindernisse für Frauen. "Unsere Befragung zeigt, dass die halbherzige Unterstützung von Familien, wenig flexible Arbeitszeiten sowie intransparente Beförderungsprozesse und Gehaltsstrukturen die Bereiche sind, in denen die Leistungen der Finanzunternehmen als Arbeitgeber hinter den Erwartungen zurückbleiben," sagt Jäkel.

In Finanzunternehmen würden die Kosten einer Karriere oft den erwarteten Nutzen überwiegen. "Zudem erschwert die in den Finanzhäusern oft gelebte Präsenzkultur, Familie und Karriere zu vereinbaren. Und trotz des gesetzlichen Anspruchs noch bestehende Lücken in der Kinderbetreuung machen es auch beruflich ambitionierten Frauen schwer, ihre Ziele zu erreichen."

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