OECD - Österreich hinkt beim Lohnwachstum deutlich hinterher

OECD - Österreich hinkt beim Lohnwachstum deutlich hinterher

Österreich hat Hochkonjunktur. Die Wirtschaft boomt. Aber der Lohnanstieg kommt laut OECD nur schleppend voran - trotz hohen Beschäftigungsquoten und Arbeitslosenraten auf Vorkrisenniveau. Und Österreich ist deutlich hinter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Der reale Stundenlohn ist sogar gesunken.

Wien. Trotz hoher Beschäftigungsquoten und relativ niedriger Arbeitslosenraten auf Vorkrisenniveau verläuft die Lohnentwicklung in den Ländern der OECD nur schleppend. Verantwortlich hierfür seien vor allem ein schwächeres Produktivitätswachstum sowie die Zunahme an Niedriglohnjobs. Österreich hinkt dem Durchschnitt dabei deutlich hinterher, geht aus dem aktuellen OECD-Beschäftigungsausblick hervor.

Während die realen Stundenlöhne in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im vierten Quartal 2017 im Durchschnitt um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gewachsen sind, waren sie in Österreich mit minus 0,6 Prozent sogar rückläufig. Bereits seit dem vierten Quartal 2016 geht das Lohnwachstum in Österreich den OECD-Daten zufolge zurück. In der gesamten OECD stagnierte in diesem Zeitraum das durchschnittliche Wachstum dagegen bei Raten zwischen plus 0,4 und plus 0,6 Prozent.

In Anbetracht dessen, dass die durchschnittliche Beschäftigungsquote wieder über Vorkrisenniveau gestiegen sei, sei die Stagnation bei den Löhnen bemerkenswert, schreibt die OECD. Im Schlussquartal 2017 lag die Quote für Beschäftigte zwischen 15 und 64 Jahren bei 61,7 Prozent, im Vergleichsquartal 2007 lag die Rate noch bei 60,8 Prozent. Österreich befindet sich hier klar über dem OECD-Schnitt, mit 63,3 Prozent im Schlussquartal 2017. Bis zum Ende des kommenden Jahres dürfte die Beschäftigungsquote zudem weiter ansteigen. Die OECD sieht die Beschäftigung für Österreich im vierten Quartal 2019 bei 64,2 Prozent und damit weiterhin über dem OECD-Durchschnitt von 62,5 Prozent.

Auch die niedrige Arbeitslosenrate spreche laut OECD eigentlich gegen die schleppende Zunahme der Löhne. In den OECD-Ländern lag die Arbeitslosenrate im Jahr 2017 durchschnittlich bei 5,9 Prozent. Österreich liegt hier mit einer Quote von 5,6 Prozent unter dem OECD-Schnitt.

Die Gründe für die schwache Lohnentwicklung sieht die OECD zum einen in der Abschwächung des Produktivitätswachstums seit der Finanzkrise. In den Jahren vor der Krise habe die Produktivität je Arbeitsstunde noch um durchschnittlich 2,3 Prozent zugelegt. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die durchschnittliche Wachstumsrate mit 1,2 Prozent nahezu halbiert.

Ein weiterer Faktor sei zudem die Zunahme an Niedriglohnjobs, verbunden mit einer Steigerung an unfreiwilligen Teilzeitbeschäftigten. So habe sich das Einkommen von Teilzeitbeschäftigten im Verhältnis zu jenem der Vollzeitbeschäftigten deutlich verschlechtert, heißt es in der Studie. Eine wesentliche Rolle könnten hierbei die abnehmende finanzielle Unterstützung der Staaten für Arbeitslose sowie die sich wandelnden Anforderungen an Beschäftigte - vor allem im Bezug auf den digitalen Wandel - spielen.

Die Lohnungleichheit treffe vor allem Beschäftigte mit geringeren Qualifikationen. Die OECD fordert daher einen stärkeren Ausbau an Weiterbildungsmaßnahmen vor allem für diese Gruppe an Beschäftigten. Der Trend des Wachstums ohne gleichzeitigen Lohnzuwachs trotz einer Zunahme der Beschäftigung unterstreiche den strukturellen Wandel, der sich durch die globale Krise noch verstärkt habe, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria bei der Veröffentlichung des Reports in Paris. Daher sei es dringend notwendig, dass die Länder der OECD vor allem den gering qualifizierten Arbeitnehmern helfen.

Kommentar
Oliver Greiner, Strategieberater bei Horváth & Partners.

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