Neues Jahr, neuer Job - die Wechselbereitschaft ist groß

Neues Jahr, neuer Job - die Wechselbereitschaft ist groß

Drei Job- und Karriereportale haben in Umfragen festgestellt, dass die Bereitschaft den Job zu wechseln zum Jahresbeginn 2019 recht groß ist. Demnach will mindestens jeder Zweite den Job wechseln. Neben Geld spielt das Klima im Unternehmen eine Rolle, zu bleiben oder auch zu gehen. Für die Jobsuche werden unterschiedlichste Kanäle genutzt.

Neues Jahr, neues Glück, neuer Job? Zum Jahresabschluss wird bilanziert. Und Arbeitnehmer ziehen auch ihre persönliche Bilanz. Denn Zufriedenheit im Job, Aufstiegsmöglichkeit, das Geschäftsklima und die Honorierung mit Geld und Aussichten für die Zukunft spielen bekanntliche eine große Rolle für den Karriereweg.

Und auch die Umfragen schießen zum Jahreswechsel fast wie Kraut aus dem Boden. Vor allem diverse Karrierenetzwerke wollen es genau wissen, dass, wie, wo und warum die Menschen ihren Job wechseln wollen. Und dabei kommt es doch immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen, wie die Umfragen von Xing , Jobswype sowie karriere.at herausgefunden haben. Eines ist gewiss: Der Jobwechsel steht als Neujahrsvorsatz im Fokus aller Umfragen.

Die jüngste Umfrage von Xing hat festgestellt, dass die Teilnehmer ihrer Umfrage in Österreich "Sehr Zufrieden" (33 Prozent) und "Eher zufrieden" (53 Prozent) sind. Damit sind zwar weit über dreiviertel der Befragten forsa-Umfrage offenbar zufrieden mit dem Job. Was aber nicht heißt, dass trotz überwiegender Zufriedenheit die Wechselabsichten schwächer ausgeprägt wäre. Denn 47 Prozent der Befragten, also fast jeder Zweite, könnte sich durchaus vorstellen den Arbeitgeber zu wechseln. Davon haben bereits 11 Prozent konkrete Wechselabsichten, 36 Prozent der Befragten sind offen für den Change. Die andere Hälfte hat einen Stand auf den derzeitigen Arbeitgeber (51 Prozent) und will sogar "langfristig" beim jetzigen Arbeitgeber bleiben.

Im Auftrag vom Karrierenetzwerk Xing hat die forsa-Online-Umfrage zwischen 29. November und 6. Dezember 2018 zum Thema „Arbeitgeberwechselbereitschaft – Österreich“ 506 Erwerbstätige (Arbeiter und Angestellte ab 18 Jahren) befragt.

Die Motive für den Change

Im Rahmen der Befragung wurden neben der Zufriedenheit und der Wechselabsicht freilich auch die Motive für den Arbeitgeberwechsel erfragt.

Entscheidend für den Jobwechsel sind an erster Stelle finanzielle Gründe noch vor dem Betriebsklima, dass sich im Zusammenhalt der Kollegen sowie im Verhältnis zu den Vorgesetzten niederschlägt. Der Kollegenzusammenhalt ist für 71 Prozent der Befragten entscheidend, weit vor dem Auskommen und dem Verhältnis mit den Vorgesetzten (58 Prozent). Fast gleichauf liegt auch die Entfernung zum Arbeitsplatz, die für den Change sprechen (siehe Grafik,u.) .

Rang Die Gründe für den Wechsel
1. Attraktives Gehalt 84%
2. Guter Kollegenzusammenhalt 71%
3. Gutes Vorgesetztenverhältnis 58%
4. Kurzer Arbeitsweg 57%
5. Freie Einteilung der Arbeitszeit 56%
6. Herausfordernde Tätigkeiten 46 %
7. Gute Weiterbildungsmöglichkeiten 40%
8. Gute Aufstiegsmöglichkeiten 36%
9. Home Office Möglichkeit 28%
10. Gutes Arbeitgeberimage 26%

Die Kanäle für die Jobsuche

Bei der Jobsuche nutzen 61 Prozent der Befragten Stellenbörsen im Internet. Gleichauf sind die alten, eingespielte Wege von Bedeutung. Jobwechsler such auch heute noch ihr Glück mit Vitamin "B". Denn ebenso viele Wechselkandidaten (auch 61 Prozent) halten den persönliche Beziehungen und Kontakte noch immer als das probate Mittel für den Jobwechsel. Sie würden den Kontakt zum neuen Arbeitgeber in erster Linie über Empfehlungen von Bekannten, Freunden und Bekannte suchen.

Jobanzeigen in Printmedien rangieren auf der Liste auf Rang 3. Das Jobinserat in Zeitungen und Zeitschriften ist noch immer für 52 Prozent der Jubsuchenden von Relevanz (siehe Grafik, u.) .

Rang Das Medium für die Jobsuche
1. Allgemeine bzw. spezialisierte Stellenbörsen im Internet 61%
2. Empfehlungen von Bekannten, Freunden oder Familienmitgliedern 61%
3. Jobanzeigen in Printmedien 52%
4. Karrierewebsite des Unternehmens 51%
5. Jobbörse des Arbeitsmarktservice (AMS) 44%
6. Soziale Online-Medien mit beruflichem Fokus (z.B. XING, LinkedIn 27%
7. Arbeitgeber-Bewertungs-Portale (z.B. kununu, Glassdoor) 26%
8. Soziale Online-Medien mit Fokus auf das Privatleben (z.B. Facebook, Instagram 17%
9 Personalberater 14%

Zu einem etwas anderen Ergebnis kommt indes die Jobsuchmaschine Jobswype. Das Unternehmen hat in einer Umfrage in zehn Ländern Europas festgestellt, dass weitaus mehr Menschen einen neuen Job suchen, als dies Xing per Umfrage festgestellt hat.

Vier von fünf wollen einen neuen Job

Jobswype hat im Dezember 2018 ein Umfrage durchgeführt, an der europaweit 5626 Personen teilgenommen habe. Und das Ergebnis scheint eindeutiger zu sein, als es Xing festgestellt hat. Demnach haben laut Jobswype vier von fünf europäischen Angestellten 2019 das "klare Karriereziel" einen neuen Job zu finden.

Demnach wollen in Österreich 74 Prozent der Befragten den Arbeitgeber wechseln. Nur zehn Prozent der Befragten hat mit einem klaren "Nein" den Jobwechsel abgelehnt.

Ähnlich lauten die Ergebnisse in den anderen Ländern - zwischen 70 Prozent in Deutschland und 92 Prozent in Ungarn wollen sich demnach verändern (siehe Grafik, u.) .

Das Ergebnis soll laut Jobswype allerdings nicht als Anzeichen gedeutet werden, dass die Arbeitnehmer mit ihrem Job "unglücklich" sind, relativiert Jobswype seine Ergebnisse. In erster Linie geht es aber ums Geld, wie Jobswype genauso wie Xing festgestellt hat.

„Für viele ist es schlicht und einfach eine Gehaltsfrage. Sie sind nicht unglücklich mit ihren Aufgaben, Kollegen oder Vorgesetzten, sondern wünschen sich in erster Linie mehr Lohn", sagt Christian Erhart, Geschäftsführer der Jobsuchmaschine Jobswype. "Geht das Unternehmen in diesem Fall nicht auf den Mitarbeiter zu, wird sich dieser sicherlich am Arbeitsmarkt umschauen und für andere Angebote entscheiden."

Aus anderen Umfragen will Jobswype sehr unterschiedliche Gründe herausgefunden haben, weswegen sich Arbeitnehmer einen neuen Job wünschen.

Die große Bereitschaft zum Job-Wechsel sei auch als allgemeiner Vorsatz zu verstehen, sich zu Neujahr Dinge vornehmen, die das Leben im neuen Jahr dann tatsächlich angenehmer machen sollen

„Klassische Neujahrsvorsätze zielen immer auf die Verbesserung der aktuellen Lage, sei es nun mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport, mehr Zeit für Hobbies und Familie, gesünderes Essen usw. Finanzielle Sicherheit, die sich durch ein besseres Gehalt äußert, gliedert sich da nahtlos ein“, meint Erhart.

Bessere Arbeitsbedingungen - ob verständnisvollere Chefs, hilfsbereitere Kollegen, bessere Arbeitszeiten oder mehr soziale Leistungen - zählen laut Jobswype-Umfrage ebenso wie bei der Befragung von Xing zu Hauptmotiven für den Jobwechsel.

Euphorie und Anspannung

Trotz Hochkonjunktur sieht Jobswype-Chef Erhart momentan eine "angespannte Lage auf den Arbeitsmärkten". Die Suche nach einem neuen Job mache das nicht einfach, was in der Euphorie zum Neujahr nicht vergessen werden sollte. Chancen und Risiken gilt es daher auf Seiten der Arbeitnehmer vorsichtig abzuwägen.

Im Rahmen der Mitarbeitergespräche könnten Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufeinander zugehen, um die unterschiedlichen Sichtweisen zu klären.

„Mitarbeitergespräche sind der perfekte Rahmen, in dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufeinander zugehen können", meint Jobswype-Chef Erhart. Zeigt sich der Arbeitgeber verständnisvoll, kommt oft zu Tage, dass der Arbeitnehmer "nur punktuell mit seinen Aufgaben oder Kollegen unzufrieden ist".

Die Lösung sei etwa ein Wechsel in eine andere Abteilung, ein neues Aufgabengebiet oder auch verschiedenste Boni, die nicht immer in einer Gehaltserhöhung münden müsste und den Verbleib des Mitarbeiters im Unternehmen ermögliche.

Karriere mit Weiterbildung

Auch beim Jobportal karriere.at wird wie bei Jobswype zum Jahresbeginn 2019 eine höhere Wechselbereitschaft als bei Xing festgestellt. Bis zu 80 Prozent der Befragten könnten sich einen Jobwechsel vorstellen. Sie sind unzufrieden mit ihrer derzeitigen Jobsituation, nur 20 Prozent gaben an, rundum zufrieden zu sein. Jeder Zweite (54 Prozent befindet sich bereits auf Jobsuche.

Karriere.at hat hierfür auch klare Motive ausgemacht: Die Veränderungsbereitschaft habe auch mit der Digitalisierung zu tun. Und für viele bedeute Veränderung auch auf Weiterbildung zu setzen und dem individuellen Karriereweg einen neuen Schwung zu geben - nebst höheren Gehaltsaussichten.

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