Nachfolge: Familienunternehmen sind schlecht vorbereitet

Nachfolge: Familienunternehmen sind schlecht vorbereitet

In vielen Familienunternehmen steht die Nachfolge an. Welche Schwerpunkte die neuen Chefs setzen wollen und welche Pläne sie schmieden, darüber gibt eine aktuelle internationale Befragung Auskunft.

Familienunternehmen stehen vor einem Paradigmenwechsel: Laut der aktuellen Next Generation Survey von Deloitte wollen 80 Prozent der Nachfolger in einem Familienunternehmen einen neuen Führungsstil etablieren. Weniger Paternalismus, mehr Risikobereitschaft und Innovation stehen am Plan. Oftmals ist die junge Generation bereit für die Übernahme, es fehlt aber an einem professionellen Plan für das Management der Nachfolge.

Mehr als die Hälfte der österreichischen Unternehmen sind Familienbetriebe, auch europaweit gesehen bilden Unternehmen in Familienbesitz das Rückgrat der Wirtschaft. Ein herausforderndes Spannungsfeld liegt zwischen Globalisierung, Innovation und althergebrachten Familienwerten.

Neue Strategie, mehr Risiko und Innovation

Mehr als die Hälfte der neuen Chefs möchte weniger konservativ agieren und mehr wirtschaftliches Risiko auf sich nehmen. 56 Prozent der Befragten planen eine strategische Neuausrichtung, ebenso viele wollen auch an der Unternehmensstruktur arbeiten. 40 Prozent der Neochefs erwägen, auch Investoren von außen ins Boot zu holen, um das Unternehmen fortführen zu können.

Die Top-Prioritäten der neuen Generation in den nächsten fünf Jahren sind laut Deloitte Expansion in neue Märkte und Produkte, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Einbindung neuer Technologien. 76 Prozent schreiben dem Thema Innovation einen hohen Stellenwert zu, die Familie von deren Wichtigkeit zu überzeugen, fällt der jungen Generation oft schwer. Zwar ist sich der Großteil der Familienmitglieder der Relevanz von Innovationen bewusst, jedoch sind nur 40 Prozent auch bereit, das damit verbundene potenzielle Risiko einzugehen.

Autorität ist out

Das wirtschaftlich notwendige neue Denken wird sich auch im Führungsstil niederschlagen. 80 Prozent der Nachfolger in spe wollen einen völlig neuen Führungsstil etablieren, vor allem weniger autoritär soll die Führung sein.

Familiäre Werte erhalten

Mehr als ein Drittel der Interviewten gibt an, bereits von Kindesbeinen an in der Familie auf die neue Rolle des Chefs vorbereitet worden zu sein. „Die Familienunternehmen müssen sich viel stärker auf eine professionelle Nachfolgeplanung konzentrieren. Es reicht nicht, wenn zwar bereits die Kinder ihre zukünftige Verantwortung verinnerlichen, dann aber professionelle Strukturen zur Übergabe fehlen“, erklärt Gottfried Spitzer, Partner bei Deloitte Österreich .

Kein Plan für Nachfolge-Management

Die Beibehaltung des Familiencharakters eines Unternehmens trotz professioneller Neuausrichtung für die Nachfolger stellt eine der größten Herausforderungen dar. Dennoch geben knapp zwei Drittel an, dass es keinen professionellen Plan für eine Übergabe an die nächste Generation gebe.

Beim Einschlagen neuer Wege ist "die größte Herausforderung, die richtige Balance zwischen Familienwerten, einer professionellen Nachfolgeplanung und mehr wirtschaftlicher Professionalität zu schaffen", so Spitzer.

Finanzieren wollen sich die Familienunternehmen in den kommenden Jahren vermehrt über Förderungen und Zuschüsse gefolgt von Eigenkapital und Liquiditätsüberschüssen. Auch Bankfinanzierungen werden weiterhin eine der Hauptfinanzierungsformen sein, jedoch wird der Anteil laut den Nachfolgern sinken.

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