Mitarbeiter nicht nachbesetzt: Das bewirkt der Giftcocktail

Mitarbeiter nicht nachbesetzt: Das bewirkt der Giftcocktail

Ständiges Arbeiten am Limit, kaum Zeit für Freunde und Sport. Arbeitsüberlastung hinterlässt schon wenige Wochen tiefe Spuren bei den Mitarbeitern.

Manche Firmen kommen nicht und nicht aus ihrem Schlamassel heraus. Mangels wirksamer Strategie den Betrieb wieder flott zu kriegen, wird beim Personal gespart und Posten nicht nachbesetzt. Mit schweren Konsequenzen für Mitarbeiter und Unternehmen, wie nun eine groß angelegte Umfrage unter Personalchefs schonungslos offenlegt. Was der giftige Cocktail für Firmen bedeutet.

Es gibt Firmen, die stochern über Monate und Jahre im Nebel, wenn es darum geht eine zukunftsträchtige Strategie zu entwickeln, die ihr Unternehmen wieder flott macht und damit nachhaltig wachstumsstark und profitabel. In diesen Fällen entscheiden sich Manager gerne für eine vermeintliche Königsidee: Sie sparen bei den Mitarbeitern. Am einfachsten und elegantesten erscheint es ihnen da Stellen nicht mehr nachzubesetzen. Doch die scheinbar risikolose und clevere Methode mehr Arbeit auf weniger Mitarbeiter zu verteilen, ist ein Schuss der nach hinten los geht, wie nun eine aktuelle Umfrage des Personalberaters Robert Half unter 1,608 Personalverantwortlichen in Kontinentaleuropa und Großbritannien zeigt.


Unbesetzte Stellen sind ein Risikofaktor für Unternehmen

Bleiben Stellen über längere Zeit offen, schadet dies den Mitarbeitern und in der Folge auch dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen, so das Ergebnis der Studie. Denn für sie bedeutet, dass Stress, Stress und nochmal Stress. Das bewirkt einen Giftcocktail der es in sich hat. Am stärksten leidet die Produktivität (25 Prozent) wenn Stellen über einen langen Zeitraum unbesetzt bleiben. Rund 24 Prozent der befragten Personalchefs gaben an, zu beobachten, dass die Arbeitsmoral sinkt. Ein damit verbundenes Problem, das besonders unmittelbar wirkt: Das Geschäftswachstum der Unternehmen, die auf Kosten der Mitarbeiter sparen, wird gebremst. Das gaben 21 Prozent der befragten Personalverantwortliche an. „Unbesetzte Stellen sind ein Risikofaktor für Unternehmen. Denn Führungskräfte verteilen die Aufgaben in der Regel an die bestehenden Mitarbeiter, die diese zusätzlich zu ihren eigenen Projekten schultern müssen“, erklärt Christian Umbs, Direktor beim Personaldienstleister Robert Half in Wien.


Bereits wenige Wochen können die Work-Life-Balance stark ins Ungleichgewicht bringen

Schlechte Work-Life-Balance führt zu Kündigungen

„Die Umverteilung der Arbeit mag zwar auf den ersten Blick eine einfache Lösung für den Personalengpass sein. Werden die Mitarbeiter für längere Zeit überlastet, droht im schlimmsten Fall ihre Kündigung. Bereits wenige Wochen können die Work-Life-Balance stark ins Ungleichgewicht bringen, Frustration und Überforderung erzeugen. Besteht in absehbarer Zeit keine Aussicht auf einen neuen Kollegen, hat das negative Konsequenzen für das Unternehmen“, stellt Umbs fest.
Wie bereits die Studie „Geheimnisse der glücklichsten Unternehmen und Mitarbeiter“ von Robert Half aus dem Vorjahr gezeigt hat, gehört eine schlechte Work-Life-Balance zu den stärksten Treibern, wenn sich ein Mitarbeiter für eine Kündigung entscheidet. Negativer wirken sich nur fehlender Teamzusammenhalt, das Gefühl, sich im Beruf verstellen zu müssen, und mangelnder Stolz auf die eigene Arbeit aus.

Sparen auf Kosten der Mitarbeiter: Letztlich leiden nicht nur sie, sondern auch die Firma.

Recrutierungsprozess verbessern

Um zu verhindern, dass eine Stelle langfristig unbesetzt bleibt, sollten Personalverantwortliche die sogenannte Time-to-hire analysieren, also die Dauer von der Ausschreibung bis zur Besetzung einer Stelle. Dauert der Recruiting-Prozess regelmäßig länger als geplant, besteht Handlungsbedarf.
Die Gründe für eine lange Time-to-hire sind dabei vielfältig: Umständliche Recruiting-Prozesse, mangelnde Entscheidungsfreude in den Unternehmen oder zu hohe Ansprüche an die Kandidaten können verantwortlich sein. Umbs empfiehlt: „Prozessänderungen brauchen Zeit. Daher sind eine offene Kommunikation und eine gute Abstimmung mit dem Team wichtig, um Zeiten höherer Belastung gut zu meistern.“

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