Interim-Management - Manager auf Zeit zur Auswahl

Interim-Management - Manager auf Zeit zur Auswahl

Früher eher nur bei Restrukturierungen verbreitet, wird Interim-Management zur eigenständigen Disziplin, in der sich Spezialisten für alle Bereiche von Geschäftsführung bis Marketing finden.

Auf dem Sprung nach vorne befindet sich derzeit offenbar die heimische Szenerie im Bereich Interim-Management. "Ein Berufsbild mit Zukunft" nennt etwa Alfons Helmel, Leiter der incite Akademie des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT), die Tätigkeit als Manager auf Zeit. "In Österreich geht man von circa 1.500 Interim-Managern aus, der Markt wächst laut Studien jährlich konstant um die zehn bis 15 Prozent", so Helmel, der an seiner Akademie kürzlich die ersten zertifizierten österreichischen Interim-Manager, Absolventen eines dort neu angebotenen Lehrgangs, beglückwünschen konnte. Schon im Februar startet die zweite Auflage des Ausbildungsgangs (siehe Kasten unten rechts).

Der "Wachstumsmarkt mit großem Potenzial" - so sieht die Branchenorganisation DÖIM (Dachorganisation Österreichisches Interim Management) ihr Metier seit Mitte der 2000er-Jahre -ist im internationalen Vergleich dennoch ein Spätentwickler. Vor rund 50 Jahren zunächst in Holland und Skandinavien entstanden, verbreitete sich die Verpflichtung von Führungskräften mit begrenzter Wirkungszeit in den 1980er-Jahren zunächst in den angloamerikanischen Raum und von dort via Schweiz und Deutschland vor rund zehn Jahren auf breiterer Front nach Österreich. "Auch Interim-Management-Provider, professionelle Vermittler von Interim-Managern, etablieren sich", weiß Helmel.

Und auch die Einsatzfelder der Manager mit spezieller Mission verbreitern sich: Waren es früher hauptsächlich Restrukturierungen, wo interimistische Geschäftsführer, Finanzchefs und Controller die Sanierung vorantrieben, so kommen externe Manager nun auch in allen anderen Unternehmensbereichen von IT und HR über Produktion bis Vertrieb und Marketing zum Einsatz. Einer DÖIM-Studie zufolge vergibt die Automobil-und -zulieferindustrie die meisten Interim-Mandate, gefolgt von Bauindustrie, Maschinen-und Anlagenbau sowie Konsumgüter-und Nahrungsmittelbranche.

Ein anderes Klischee legt die Branche gerade ebenfalls ad acta: Interim-Management ist nicht das berufliche Nachspiel für Manager jenseits der 50, die schon eine Karriere hinter sich haben. "Mitte 30, mit zehn Jahren Erfahrung, zuletzt vielleicht als Controllingleiter bei einem börsennotierten Unternehmen", so beschreibt Martin Mayr, DÖIM-Vorsitzender und Gründer der Interim-Providers GOiNTERIM, einen zeitgemäßen Interim-Manager. Professionalisierung und das Bewusstsein eines eigenständigen Berufsbilds kennzeichnet diese Generation der Interim-Manager.

"Interim-Management hat nichts mit einer klassischen Konzernkarriere zu tun", sagt etwa Praktiker Robert Eichinger. In seinem aktuellen Projekt, der Zusammenführung der heimischen Organisationen im Rahmen eines europaweiten Konzernzusammenschlusses, nimmt er auch eine Linienfunktion als Controllingleiter wahr -mit der Perspektive, diese obsolet zu machen. "Sich selbst abzuschaffen, ist nicht ungewöhnlich im Interim-Management", berichtet er.

"Ich bin Praktiker und Umsetzer und deshalb im Interim-Management", erklärt Michael Stowasser, der sowohl Erfahrung als Konzernmanager als auch als Unternehmensberater hat. "Da ist etwas passiert, oder es passiert gerade etwas, jedenfalls gibt es operativen Handlungsbedarf", beschreibt er den Reiz der Führungsaufgabe auf Zeit. Diese ist meist auf rund sechs Monate konzipiert. "Meistens dauert es dann etwas länger, die ersten Resultate werden immer fast augenblicklich verlangt", so Stowasser.

Für Mittelstand und Projekte

Im Umfeld dauerhafter Change-Anforderungen und Umbrüche greifen, wie Branchenvertreter Mayr beobachtet, auch heimische Familienunternehmen und Mittelständler immer häufiger auf die befristete Hilfe der externen Managementprofis zurück.

Diese sind gerade dabei, sich auch noch ein weiteres Tätigkeitsfeld zu erobern: das Projektmanagement. Bislang waren Interim-Manager in Projekten eher selten zu finden. Doch auch das ändert sich, weil das Projektgeschäft immer komplexer und vielschichtiger wird. Kerstin Wünnecke, Beraterin beim Projektmanagementspezialisten next level consulting: "Für wirklich schwierige Projekte fragen Unternehmen bei uns Interim-Manager nach."


Lehrgang Interim-Management vom 21. bis 23.2.2019 in Wien

Lehrgang mit Option der Zertifizierung zum Certified Interim Manager (CIM)


Der Lehrgang wurde von der incite-Akademie des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) mit DÖIM - Dachorganisation Österreichisches Interim Management entwickelt und bereitet auf Herausforderungen und Aufgaben im Interim-Management vor. Ergänzend kann von erfahrenen Interim-Managern das Qualitätssiegel "Certified Interim Manager" bei Erfüllung der Zulassungskriterien gemäß Zertifizierungsrichtlinien erworben werden.
Kosten für den dreitägigen Lehrgang: 1.410 Euro. Details und Programm: incite.at


KIM - Konferenz für Interim Managementam 22. und 23.3.2019 in Salzburg

5. KIM - Die Konferenz für die Interim-Management-Branche in Österreich


Ein Konferenzprogramm mit spannenden Vorträgen und Case Studies, verbunden mit viel Raum für Diskussionen und Networking verspricht Veranstalter DÖIM für die fünfte KIM, die Fachkonferenz für die gesamte heimische Interim-Management-Branche. Vortragende sind wieder viele renommierte Unternehmer, Vorstände und Praktiker.
Für DÖIM-Mitglieder ist die Teilnahme gratis; Nichtmitglieder zahlen 190 Euro (Beitrag für Management Dinner am 22.3.: 60/120 Euro). Details und Programm: döim.org/kim-2019


Die Geschichte ist der trend-Ausgabe 04/2019 entnommen.


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