Robin Lumsden: Ein "Mad Dog" in Stanford

Robin Lumsden bei Tesla in Stanford/Palo Alto.

Robin Lumsden bei Tesla in Stanford/Palo Alto.

Der Wiener Rechtsanwalt Robin Lumsden ist für mehr als ein Jahr mit der Familie nach Stanford in Kalifornien übersiedelt - um zu studieren (MBA) und eine Kanzlei zu eröffnen. Einmal im Monat schreibt er über seine Erlebnisse und Erfahrungen. Diesmal: Ein "verrückter Hund" erklärt, warum die Menschen lieber Leader als Manager haben und warum bei Tesla die Champagnerkorken knallen.

Der Auftritt des Generals

Prominenter Gast als "Stanford lecturer": General James Mattis hält einen Vortrag über "Leadership". Der pensionierte Vier-Sterne-General war im Jänner von Donald Trump zum Verteidigungsminister ernannt worden, vorgestellt als "mad dog".

Der "verrückte Hund" ist dem Präsidenten nicht unähnlich: auch er liebt markige Sprüche. Etwa jenen aus dem Jahr 2005: "Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Kerle, die ihre Frauen seit fünf Jahren verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben. Solche Kerle sind ohnehin keine richtigen Männer mehr. Also macht es unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen."

Mattis ähnelt seinem jetzigen Chef auch in puncto Sprunghaftigkeit. Vor Kurzem bremste er überraschend Trumps Tiraden gegen den Atomdeal mit dem Iran: der liege durchaus im Sicherheitsinteresse der USA. Dabei hatte Barack Obama Mattis 2013 nach weniger als drei Jahren als Chef des strategisch wichtigen US-Zentralkommandos abberufen - gerade wegen seiner permanenten Kritik am Atomabkommen mit dem Regime in Teheran, "der größten, dauerhaftesten Bedrohung für Stabilität und Frieden im Nahen Osten".

Derzeit wird Trump in vielen US-Medien gerade als das angesehen. Seine Ankündigung, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen (und die Stadt damit als Hauptstadt Israels anzuerkennen, was die arabisch-moslemische Welt provoziert), polarisiert auch in den USA: Die amerikanischen Juden sind (mit Ausnahme der fundamentalistischen) eher besorgt, die Moslems mehr als irritiert, nur die evangelikalen Christen mit Vizepräsident Mike Pence an der Spitze begeistert.



Mattis ist mehr Militär als Politiker, mehr rauer Praktiker als intellektueller Theoretiker. Umso bemerkenswerter sein Auftritt in Stanford. Sukkus seines Vortrags über "Leadership":"Leadership is about people, managing is about managing processes." Also: "Führen betrifft Menschen, Managen betrifft Prozesse." Und seine Conclusio lautet: "People are looking for leaders, not for managers."

Seinem Präsidenten freilich täte wohl etwas mehr Managementkunst ganz gut. Und etwas mehr an zurückhaltender Bedächtigkeit. Ganz nach einem der hier meistzitierten Slogans: Es sei viel besser, "ungefähr richtig zu liegen" als "sicher falsch". Ich schätze diese und andere fast philosophische "economic principles", nachdem sie mich hier im Stanford-MBA- Programm sonst allzu oft trocken mit "Finance" und "Volkswirtschaft" quälen.

Der Bush-Insider

Ein solches "Prinzip" erläuterte David Demarest, Vice President for Public Affairs der Stanford University. Er war der Kommunikationschef des "alten" George Bush, Präsident in der historischen Zeit von 1989 bis 1993, dann geschlagen von Bill Clinton.

Demarest war beim Telefonat von Bush und Gorbatschow anlässlich des Falles der Berliner Mauer dabei und lieferte uns eine super "insight-information": Bush entschloss sich bewusst, auf die dafür weltweit vergebenen Lorbeeren, die auch für ihn leicht zu holen gewesen wären, zu verzichten. Er überließ sie Michail Gorbatschow, damit dieser seine Herrschaft stabilisieren könne. Das mag nicht gelungen sein -dennoch stünde solche internationale Rücksichtnahme dem jetzigen US-Präsidenten gut an.

Bomberpilot und Arzt

General Mattis ist auch für einen Militär ein besonderes Exemplar, sein Auftritt in Stanford aber keine Besonderheit. Der Dienst fürs Vaterland gilt auch im intellektuellen Milieu als Karrieresprungbrett: In meinem MBA-Programm gibt es einen Teilnehmer, der gleichzeitig Chirurg und Bomberpilot war. Er hat zuletzt drei Jahre über Schleudersitze in Flugzeugen geforscht und könnte nach Absolvierung des Programms in den Kongress gewählt werden. Der Militärdienst ist insgesamt in der US-Gesellschaft extrem positiv besetzt.

Er gilt nicht - wie oft in Österreich - als verlorene Zeit, sondern als Kontaktbörse, seine positive Ableistung schmückt jeden Lebenslauf. Veteranen des Militärs werden bei allen Gelegenheiten, auch an der Uni, lobend erwähnt, ihnen wird gedankt. Auch auf Flughäfen: Es gibt regelmäßig Durchsagen, dass alle Militärs und deren Angehörige in eine eigene VIP-Lounge eingeladen werden. Das würde ich mir als Milizoffizier auch wünschen.

Champagner bei Tesla

Ein - nicht mehr ganz neues - Thema wird in Kalifornien derzeit besonders häufig diskutiert: die Zukunft der Autos und der Mobilität. Der hiesige Google-Konzern testet weiter intensiv seine selbstfahrenden Autos, diesmal in Gestalt von Roboter-gelenkten Taxis.

Und der bereits 2003 entwickelte Tesla ist im Valley als Weihnachtsgeschenk fast "in". Obwohl der Konzern aktuell die Erwartungen der Anleger enttäuscht, gibt man sich in der Firmenzentrale in Palo Alto überaus optimistisch, sieht das Jahr 2017 - nicht zuletzt wegen der Dieselaffäre - schon als Durchbruchsjahr der Elektromobilität.

In der Firmenzentrale knallen derzeit die Sektkorken. Eben wird das Model 3 ausgeliefert, das erste erschwingliche elektrische Massenauto der Welt. Unterstützt wird dieser Optimismus von der anderen Weltmacht. In China wird die E-Quote eingeführt, ab 2019 muss dort jedes zehnte verkaufte Fahrzeug ein Elektroauto sein.

Wir lernen in unserem MBA-Programm, die Technologien dieser Trends zu verstehen und teilweise zu berechnen. Die Zukunft kommt und wir in Europa sollten uns darauf vorbereiten.


Zur Person

ROBIN LUMSDEN , 40, ist als Wirtschaftsanwalt in Wien, New York und Washington DC zugelassen. Er ist auch Integrationsbotschafter von Sebastian Kurz und Generalkonsul von Jamaika in Österreich.

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