Lunch mit Eric Schmidt

Lunch mit Eric Schmidt

Robin Lumsden zum Mittagstisch mit dem früheren Google-CEO Eric Schmidt (li.).

Der Wiener Rechtsanwalt Robin Lumsden absolviert in Stanford gerade ein MBA-Studium. Einmal im Monat schreibt er an dieser Stelle über seine Erfahrungen. Diesmal: eine besondere Begegnung mit Eric Schmidt. Der Mann, der GOOGLE zum Giganten machte, hat ihn nicht nur unterrichtet, sondern geht mit ihm auch ab und zu mittagessen.

ERIC SCHMIDT war bis Jahresbeginn 2018 führender Manager von Google und seinem Mutterkonzern Alphabet. Er ist einer der reichsten Männer der Welt und hat mich ein Semester unterrichtet. Ich habe Einblicke in einen faszinierenden Konzern erhalten und einen faszinierenden Menschen kennengelernt.

Mein MBA-Programm übertrifft mittlerweile alle meine Erwartungen. Neben den akademisch und didaktisch perfekten Lehrveranstaltungen und einem Umfeld, das komplett auf Lernen abgestimmt ist, habe ich hier die Möglichkeit, Ideen, Kritik und Fragen mit den intellektuellen Stars der USA zu diskutieren.

In der vergangenen Woche endete der Unterricht mit Eric Schmidt. Er war die letzten 16 Jahre der Topmanager von Google, das "öffentliche Gesicht", eine Art "Außenminister" des Technologieriesen. Seit 2001 war er CEO von Google, nach Firmenangaben zuständig für "den Aufbau der Firmeninfrastruktur, um das schnelle Wachstum von Google fortführen zu können", sowie für die "Sicherstellung einer gleichbleibend hohen Qualität bei möglichst kurzen Produktentwicklungszyklen". Im Frühjahr 2011 übernahm Mitgründer Larry Page selbst diesen Posten, Schmidt wurde im Zuge einer Umstrukturierung Aufsichtsratschef des Google-Mutterkonzerns Alphabet.

Anfang 2018 gab er diese Position auf, um sich vorwiegend wissenschaftlichen und philanthropischen Zielen zu widmen, unter anderem an der Stanford University. Er ist aber weiter Vorsitzender des 2016 gegründeten Defense Innovation Board, um den Einsatz von Hochtechnologie beim US-Militär voranzubringen. Schmidt engagierte sich auch an Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Politik, unterstützte Barack Obama und Hillary Clinton und erregte das Missfallen von Donald Trump, der ihn einmal als "Kerl, der Hillary ins Weiße Haus bringen wollte" titulierte. Was dazu führte, dass sein Abgang auch als "Bauernopfer für Trump" interpretiert wurde.

ERIC SCHMIDT kann sich das leisten: Er ist einer der reichsten Menschen der Welt, sein Vermögen wird auf 14,2 Milliarden Dollar geschätzt. Wie kaum ein anderer war er beteiligt daran, Google zum Giganten zu machen, welcher die Welt bereits in der Vergangenheit revolutionierte und in Zukunft wohl noch radikaler verändern wird. Unter seiner Führung wurde aus einer Suchmaschine unter vielen der Weltmarktführer. Der digitale Riese verfügt bei Smartphone-Betriebssystemen über 82 Prozent der Weltmarktanteile, dominiert mit Google Maps den Kartenmarkt und mit YouTube den Videoabspielmarkt.

Auch um ihn gibt es in Stanford wenig Förmlichkeiten. Schmidt wurde gleich von den wenigen Studenten, die in seine klarerweise sehr beliebte Klasse aufgenommen wurden, "Eric" genannt. Wie alle Professoren suchte er sich aus allen Bewerbern aufgrund der eingereichten Lebensläufe "seine" Studenten aus. Ich bin stolz, als Österreicher hier an der Stanford Business School von ihm lernen zu dürfen.

Wie viele Amerikaner im Silicon Valley hat auch er ein großes Interesse am deutschsprachigen Europa. Das Semester verlief nach folgendem Muster: zunächst erzählte er 30 Minuten zu einem vorgegebenen Thema, warf aktuelle Entwicklungen ein und stellte uns dazu Fragen ("cold calling"). Fast unnötig zu erwähnen: Alle Studenten sind hier besonders gut vorbereitet, keiner will sich die Chance entgehen lassen, Erics Insiderwissen aufzusaugen. Wie viele andere Professoren gibt auch Eric immer wieder "off the records" seine Meinung ab. Wir merken uns diese Passagen, verpflichten uns aber, sie nicht zu verbreiten. Für mich kein Problem, das bin ich als Anwalt gewöhnt.

HÖHEPUNKT DES SEMESTERS: die spannenden Vorgänge um den Börsengang von Google 2004. Ganz wesentlich die Debatten: Eric meint, die Unis sollten nicht primär nach Antworten benoten, sondern jene Studenten auszeichnen, welche die besten Fragen stellen.

By the way: Eric studierte wie auch ich früher bereits in Berkeley, dem Konkurrenten von Stanford, wir lebten beide im "I-House", einem bekannten Studentenwohnheim samt US-Studentenverbindung neben der Jus-Uni, auf der ich meine Anwaltsprüfung ablegte. Er studierte Technologie-Design und sponsert bis heute das Wohnheim jährlich mit einer Million Dollar. Wenn ein Professor hier über die Konkurrenzuni Berkeley spricht, wird auf mich verwiesen und auf einen weiteren Berkeley-Absolventen, Yang Yu aus China. Yang steht dem aktuellen Präsidenten von China, Xi Jinping, nahe: der schrieb ihm auch ein Empfehlungsschreiben für Stanford. Ein guter Kontakt für allfällige kommende Projekte mit und in China.

Als Berkeley-und I-House-Alumni sind Eric und ich nun auch über Stanford zum dritten Mal in Verbindung. Daher nimmt er sich auch die Zeit, nach dem Unterricht ab und zu mit mir zu lunchen. Für mich eine Ehre, für ihn hoffentlich halbwegs spannend. Zumindest schätzt er meinen Schritt, mich samt Familie nach Stanford zu verpflanzen, um meinen Horizont zu erweitern. Unsere gemeinsame Formel: wenn schon die politischen Beziehungen zwischen den USA und Europa etwas verstopft sind, müssen informelle Kanäle - auch akademischer Natur - umso mehr genutzt werden.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz lernte Eric auch Sebastian Kurz kennen und sein jugendliches Selbstbewusstsein schätzen. Ich spreche über meine Ideen, Österreich zu einem stärkeren Technologiestandort zu entwickeln. Eric erzählt mir, warum er entschieden hat, dass Google eine langjährige Partnerschaft mit der Technischen Universität München in den Bereichen künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Robotik entwickelt hat. Ich sehe es daher auch für mich als Aufgabe, solche Partnerschaften in Österreich zu initiieren. Eric hat mir seine Unterstützung bei diesem Projekt in Österreich zugesichert, Mandanten meiner Kanzlei stehen einer Finanzierung dieses Projektes positiv gegenüber.

Zur Person

ROBIN LUMSDEN , 40, ist als Wirtschaftsanwalt in Wien, New York und Washington D. C. zugelassen. Er ist auch Integrationsbotschafter von Sebastian Kurz und Konsul von Jamaika in Österreich.


Der Gastbeitrag ist im trend 13/2018 am 30. März 2018 erschienen


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