7 Karriere-Mythen #2 Der Bonus als Reizfaktor

7 Karriere-Mythen #2 Der Bonus als Reizfaktor

Teil 2 der trend-Serie in 7 Teilen: Boni töten Motivation, aber nette Menschen verdienen weniger

Boni als Reizfaktor bewegen die Öffentlichkeit, nicht nur, wenn es um exorbitante Gehälter von Topmanagern geht, sie sind auch als Leistungsanreize für die individuelle Zielerreichung in den Gehaltssystemen vieler Unternehmen fest verankert.

Psychologe Edward Deci von der University of Rochester ist überzeugt, dass das voll nach hinten losgeht. Laut seiner "Selbstbestimmungstheorie der Motivation" machen wir etwas gerne, wenn wir dabei Autonomie, Kompetenz oder Zugehörigkeit empfinden. Kommt ein externer Faktor hinzu, ob Belohnungen, Abgabefristen oder Bewertungen, verdrängt dieser die Eigenmotivation. Beraterin Lindlbauer sieht Boni dagegen einerseits als "kurzfristige Motivation", allerdings auch als "faire Lösung".

Autor Daniel Rettig berichtet vom Fallbeispiel Bosch, das von individuellen Prämien für die Zielerreichung einzelner Manager und Mitarbeiter abgegangen ist. Dort bemisst sich der Bonus nun am Gesamtergebnis des Unternehmens. Damit soll die Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg gefördert werden. Für Kienbaum-Vergütungsspezialist Alfred Berger sind Boni jedenfalls nicht mehr das Allheilmittel, als das sie seit den 80er-Jahren immer stärkere Verbreitung gefunden haben.

Am Modell der psychologischen "Big Five" orientierte Studien fanden heraus, dass Menschen mit hohem Verträglichkeitsfaktor - mit oder ohne Boni - im Job tendenziell weniger verdienen als der Durchschnitt. Tatsächlich scheint Verträglichkeit das Bestreben zu untergraben, in Verhandlungen oder Konflikten die Eigeninteressen durchzusetzen. Für Berger hängt das auch damit zusammen, wie jemand für sich "Erfolg" definiert. Tatsächlich fanden die US-Psychologen Matz und Gladstone in einem Experiment heraus, dass verträgliche Menschen, dem Faktor Geld in ihrem Leben einen geringeren Stellenwert zuweisen als andere.


Die Serie "7 Karriere-Mythen" ist der trend-Ausgabe 49-50/2019 vom 6. Dezember 2019 entnommen.

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