Kanzlermacher Philipp Maderthaner: "Du brauchst eine Erobererhaltung"

Er leitete die Wahlkampagnen für Sebastian Kurz, hat erfolgreich eine Agentur und ein Beratungsunternehmen aufgebaut. Jetzt geht Philipp Maderthaner auch unter die Investoren. Was er sucht? Unternehmer, die so gerne Unternehmer sind wie er selbst.

Kanzlermacher Philipp Maderthaner: "Du brauchst eine Erobererhaltung"

trend: Sie sind jetzt auch Investor. Womit müssen Gründer nun rechnen, mit einem Geldgeber, der überall mitredet, oder mit einem, den nichts interessiert als ein erfolgreicher Exit?
Philipp Maderthaner: Ich liege wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Ich bin Unternehmer mit Leib und Seele und auch wirklich gerne unternehmerischer Sparringpartner. Gleichzeitig ist mir aber klar, dass der Lead bei einem Investment bei den Gründungspersönlichkeiten liegt.

Gab es einen bestimmten Anlass, Investor zu werden?
Nichts Konkretes. In den vergangenen Jahren haben sich allerdings immer wieder Start-ups bei uns gemeldet. Ihr unternehmerisches Feuer hat mich immer fasziniert, aber wir haben mit ihnen oft keine Basis gefunden, weil sie sich uns als Agentur und Berater nicht leisten konnten. Da hat mir das Herz geblutet.


Das Produkt ist gar nicht so bedeutend für mich.

Jetzt wollen Sie stattdessen gleich investieren. Reizt Sie eine bestimmte Branche?
Nein. Reine Handelsgüter ohne wirkliche Innovation sind aber sicher nicht das, wofür mein Herz schlägt. Ich habe mir ohnehin vorgenommen, vor allem in unternehmerische Menschen zu investieren. Ihr Produkt ist gar nicht so bedeutend für mich. Die Persönlichkeit steht auch über dem Excel-Sheet.

Gibt's bereits Gespräche?
In einem ersten Schritt investiere ich exklusiv in die Start-ups, die sich in der Puls-4-Sendung "2 Minuten 2 Millionen" vorstellen. Danach schauen wir weiter, es ist alles noch offen.

Auch, ob Sie eher ganz früh einsteigen wollen oder erst dann, wenn es um die Markteinführung geht?
Auch das ist noch offen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich aber, dass die Anfangsphase eines Unternehmens die spannendste ist. Es reizt mich, dabei zu sein, wenn die Idee sich schärft, wenn sich der Markt und das Team langsam finden.

Sind Sie auch offen für Unternehmen, die keine klassischen Start-ups sind?
Ich war Start-ups gegenüber lange ambivalent eingestellt, weil ich in Österreich viele Unternehmen finde, die sehr innovativ sind, aber nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Das Campaigning Bureau war auch kein Start-up. In der Puls-4-Show sind auch nicht nur klassische Start-ups dabei. Ich finde, sie alle sind eine sehr gute Werbung für das Unternehmertum an sich.

Braucht es die in Österreich?
Ja, aber nicht, weil es so wahnsinnig schwierig wäre, in Österreich Unternehmer zu werden. Wer ein Unternehmen nicht gründet, weil es ihm zu mühsam ist, zum Notar zu gehen, sollte es sowieso besser gleich lassen. Da kommen noch ganz andere Hürden.

Was hält Menschen dann davon ab, Unternehmen zu gründen?
Oft geht es um Unsicherheit. Sie haben Angst davor, zu scheitern und etwas zu verlieren. Manchmal hat das auch eine ökonomische Komponente. Ich hatte am Anfang exakt genug Geld, um für zwölf Monate zu überleben, da hab ich es versucht.

Welche Ihrer eigenen Gründungserfahrungen können Sie als Investor mitbringen?
Natürlich die Erfahrung und Kompetenz im Bereich Marketing und Kommunikation. Ein Bereich, der sich übrigens gerade stark verändert.

Inwiefern?
Wir haben jetzt zehn Jahre ständig über Daten geredet. In den nächsten zehn Jahren wird es aber nun darum gehen, von der Oberfläche in die Tiefe zu gehen. Oberflächliche Social-Media-Kommunikation wird genauso verschwinden wie Unternehmen, die weiter darauf setzen. Stattdessen wird es um echte, tiefe Beziehungen zu Kunden gehen, um eine tiefe Verankerung der DNA von Unternehmen und starke Unternehmenskulturen. Alles andere wird untergehen. Auch Agenturen, die seit 40 Jahren unter immer anderem Mäntelchen nur Oberflächlichkeit verkaufen.

Was wollen Sie abseits von Ihrem Marketingwissen einbringen?
Ich habe natürlich auch gelernt, was es für ein Unternehmen bedeutet, wenn es ins Wachstum kommt, und wie man seine Kultur so weiterentwickelt, dass immer noch ein guter Geist im Unternehmen herrscht. Unternehmertum ist in gewisser Hinsicht permanenter Schmerz, und der Wachstumsschmerz zählt da auch dazu.

Was wird schwieriger, wenn das Unternehmen wächst?
Am Anfang ist allen im Team immer alles klar. Aber ab einer gewissen Größe funktioniert das nicht mehr von selbst. Das musst du managen. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass du als Unternehmen wachsen musst, dich ständig weiterentwickeln musst. Du brauchst eine Erobererhaltung. Wenn du die verlierst, läutest du das Ende deiner Firma ein.

Philipp Maderthaner, 40, studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre an der WU Wien. Er war Pressesprecher der ÖVP Niederösterreich, spezialisierte sich auf Kampagnen und verhalf Sebastian Kurz 2017 zum Wahlsieg. 2011 gründete er seine Agentur Campaigning Bureau.

Deshalb wollen Sie jetzt auch investieren?
Ich habe es nach zehn Jahren geschafft, dass ich kaum mehr operativ tätig bin. Ich mache keine Politikberatung mehr, das Campaigning Bureau leiten eine Geschäftsführerin und ein Geschäftsführer. Ich habe nur noch ein paar Mandate, um gezielt CEOs in sehr speziellen Situationen zu beraten, etwa wenn es darum geht, Menschen in einem Unternehmen mit Zehntausenden Mitarbeitern für Veränderung zu begeistern. Ehrlich gesagt wollte ich auch nicht auf Dauer 80 Stunden die Woche arbeiten, denn so ist das, wenn man neu gründet.

Kann man unternehmerische Ideen eigentlich unabhängig von den Gründern beurteilen?
Unternehmen hängen zu hundert Prozent von ihren Gründer n ab, im positiven wie auch im negativen Sinn. Es setzt enorme Energie frei, zu gründen, ich habe im ersten Jahr als Unternehmer gezählte 27 Wochenenden durchgearbeitet und war am Montag wieder im Büro. Aber wenn du als Unternehmer nicht gut drauf bist, wenn du dich deinen Zweifeln hingibst, dann kannst du auch derjenige sein, der das ganze zum Kippen bringt.

Auch Sie beschwören die Leidenschaft von Unternehmern. Gerade bei Startups sieht man aber: Irgendwann braucht es auch Struktur.
Ich bin absoluter Struktur-Junkie. Für mich ist der Prozess, ein Unternehmen zum Wachsen zu bringen, ein Prozess der Zellteilung. Ich muss schauen, dass ich die Aufgaben vom Gründer sukzessive auf andere Teammitglieder übertrage. Bei einer Größe von sieben bis zwölf Mitarbeitern liegt hier der erste entscheidende Punkt. Da musst du als Gründer dann loslassen, sonst wirst du zum Flaschenhals und bremst das Unternehmen.

War das für Sie einfach?
Es war auch schmerzvoll. Ich zähle aber nicht zu den Unternehmern, die es lustig finden, 200 E-Mails am Tag selbst zu beantworten und im Urlaub alle fünf Minuten lang zu telefonieren. Wir beraten Führungspersönlichkeiten auch dabei, ihr Unternehmen kulturell so zu entwickeln, dass das nicht nötig ist.

Sie haben im Urlaub also nicht gearbeitet?
Über einen Zeitraum von ein paar Wochen hatte ich drei Calls mit dem Team, bei denen ich mich einklinken wollte. Sonst habe ich nicht gearbeitet.

Haben Sie sich selbst auch schon einmal Beratung geholt?
Ich habe eine ganze Armada von Coaches, sonst würde ich das alles so nicht hinbekommen. Ich weiß genau, mit wem ich in welcher Phase arbeite. Man braucht immer unterschiedliche Gegenüber. Ich würde das jedem empfehlen, denn an der Spitze ist es nicht nur sprichwörtlich oft einsam.

Oft überwiegt aber noch das Bild von der Führungspersönlichkeit, die schnell und hart entscheidet, die nie bei irgendetwas Hilfe braucht.
Wir haben im Unternehmertum hier noch extremen Aufholbedarf. Im Spitzensport ist zum Beispiel jedem klar, dass man einen Trainer braucht, um wirklich gut zu werden, und dass Regeneration auch Teil des Trainings ist. Im Unternehmertum aber sagt man: Um Gottes willen, du warst vier Wochen auf Urlaub, was bist du denn für ein Unternehmer? Das ist dilettantisch.


Große Ambitionen

UNTER INVESTOREN. Philipp Maderthaner (2. v. r.) ist neu im Investorenteam der Start-up-Show "2 Minuten 2 Millionen" auf Puls 4, die am 7. September startet. Mit dabei sind u. a. außerdem Hans Peter Haselsteiner (rechts), Alexander Schütz (Mitte), Katharina Schneider und Leo Hillinger.

Mit der Erfahrung aus der Politik hat Philipp Maderthaner seine Unternehmen aufgebaut.

Vor wenigen Wochen wurde Philipp Maderthaner 40, und es lässt ihn angenehm kalt. Für sein neues Vorhaben gilt das definitiv nicht: Als Neoinvestor wilässt er sich seit 7. September in der Puls-4-Show "2 Minuten 2 Millionen" Ideen von Gründern pitchen. Die Investmentfirma Business Gladiators Ventures ist bereits gegründet, noch besteht sie aber nur aus Maderthaner selbst. Auch seine Investments beschränken sich vorerst auf die Jungunternehmer der Show. Das solle sich ändern, sobald die Strukturen stehen, sagt Maderthaner.

Das Investmentvehikel ist die nächste einer Reihe von Erweiterungen der vergangenen zwei Jahre. Die 2011 gegründete Agentur Campaigning Bureau zählt mittlerweile 60 Mitarbeiter, hat eine kleine Niederlassung in Deutschland und vor wenigen Monaten mit Stefanie Winkler-Schloffer und Lukas Holter zwei Geschäftsführer bekommen. Das Beratungsgeschäft, das sich über die Jahre quasi nebenbei ergeben hat, ist unter Business Gladiators Consulting organisiert, wird von Alexander Zauner geleitet und zählt fünf Mitarbeiter. Zehn weitere arbeiten für die neue "Campaigning Software"- Firma, die eine Software für Kampagnen entwickelt hat und nun selbst in eine Finanzierungsrunde gehen könnte.

Der ehemalige Pressesprecher der ÖVP Niederösterreich, der sich von Erwin Pröll bis Sebastian Kurz als Kampagnenmanager bewies, hat über zehn Jahre also ein mehrdimensionales, lukratives Unternehmen aufgebaut.

BUSINESS. Das neue, opulente Büro im 21. Stock am Hauptbahnhof bietet dafür nicht nur ausreichend Platz, sondern strahlt auch aus, was Maderthaner in zahlreichen Videos und seinem Podcast "Unternehmertum Unplugged" zum Ausdruck bringt: Wer Unternehmer sein will, brauche echte Ambition.

Er selbst hatte das übrigens nicht vor, bis er in der Politik kündigte und die Anfrage für ein konkretes Projekt den Ausschlag dafür gab. "Die Politik selbst war gar nie mein Ding, aber die Kampagnen haben es mir angetan", sagt Maderthaner. Nach dem Erfolg von 2019 habe er sich nun auch von Politikkampagnen operativ verabschiedet. In der Agentur, die quer durch die Branchen Kunden betreut, macht dieser Bereich aber zwischen 20 und 25 Prozent des Umsatzes aus. Maderthaner will sich nun vor allem auf seine Führungsaufgaben fokussieren.



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